Politik übt Kritik 

Zu wenig Parkplätze, falscher Standort? Pflegeheim Westendstraße sorgt für intensive Debatten

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Das sogenannte P-Haus in der Westendstraße liegt mittlerweile ziemlich versteckt hinter einem Gestrüpp. Auf dem Grundstück soll jetzt ein Seniorenpflegeheim gebaut werden. Der Bauausschuss äußert aber große Bedenken hinsichtlich des Stellplatzangebotes.

Traunreut - Ein "Pflegeheim nach neuesten Standards" soll in Traunreut entstehen. Doch es gibt auch Kritik - es seien zu wenige Parkplätze eingeplant, heißt es. 

Vor genau acht Jahren wurde aufgrund eines Vorbescheid-Antrags für den Bau eines Altenpflegeheims in der Westendstraße der Bebauungsplan „Westendstraße“ in Kraft gesetzt. Zugunsten des Vorhabens, das dann aber nicht umgesetzt wurde, wurden für das rund 3000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem sich noch ein sogenanntes P-Haus aus den 1950-er Jahren befindet, die Eckdaten aus dem Vorbescheid als Baurecht festgesetzt. Unter der Maßgabe der Festsetzungen möchte jetzt die IEB Care GmbH & Co. KG, Projektentwickler und Betreiber von Pflegeeinrichtungen und sozialtherapeutischen Wohnformen, dort ein Seniorenpflegeheim mit bis zu 100 Betten bauen. Der Geschäftsführer, Florian Behrend, stellte das Vorhaben in der Sitzung des Bauausschusses vor. 


Nach den Recherchen des Antragstellers sei der Bedarf an Pflegeplätzen in Traunreut da. In den beiden bestehenden Einrichtungen, „ Pur Vital“ und der Arbeiterwohlfahrt stünden 144 beziehungsweise 100 Pflegeplätze zur Verfügung. Der Bedarf liege aber mittelfristig bei 350 bis 400 Plätzen, sagte Behrend. Hier seien die Ersatzneubauten nicht mit eingerechnet. Auf dem Hanggrundstück sollen zwei gegeneinander leicht versetzte Gebäude entstehen. Laut einer vorliegenden Planskizze weist der straßenseitige Baukörper drei Geschosse mit einem Dachgeschoss auf und der gartenseitige durch die vorhandene Hanglage vier Geschosse mit ebenfalls einem Dachgeschoss. 

Wie Behrend weiter mitteilte, handle es sich bei dem Projekt um ein klassisches Pflegeheim nach dem neusten Standards. Der Einzelzimmeranteil liege bei 85 Prozent. Der Rest seien Zweibettzimmer. Jedes Zimmer werde rollstuhlfahrgerecht ausgerichtet sein und über ein eigenes Bad und bodentiefe Fenster verfügen. Daneben soll es eine eigene Großküche geben sowie große Therapie- und Aufenthaltsräume. Im Freien soll unter anderem auch ein sogenannter Demenzgarten mit Rundwegen errichtet werden. 


Gebaut werden soll auch eine Tiefgarage für 10 Stellplätze. Weitere acht Stellplätze sollen oberirdisch auf dem Grundstück angeordnet werden. Damit wird auch die Stellplatzordnung der Stadt Traunreut eigehalten. Die Anzahl der Stellplätze habe man auf Basis der Praxis berechnet, sagte Behrend. Erfahrungsgemäß seien 18 Stellplätze ausreichend. Zieht man aber 13 Stellplätze, die für die Belegschaft vorgehalten werden, ab, bleiben nur noch fünf Stellplätze für Besucher. Laut Behrend würden fünf Besucherparkplätze ausreichen, weil die pflegebedürftigen Menschen in einem klassischen Pflegeheim erfahrungsgemäß und leider oft viel zu wenig Besuch bekämen. Bei dem Vorhaben müsse zwischen einem ambulant betreuten Wohnen und einem klassischen Pflegeheim unterschieden werden, sagte er. Die Einrichtung sei auf eine reine Pflege ausgerichtet und so wäre auch ein öffentliches Cafe, wie von Hans Jobst (CSU) angeregt, nicht der Ansatz der Einrichtung. 

Das Projekt an sich wurde grundsätzlich begrüßt, aber was die Stellplatzfrage betrifft, war sich der Ausschuss inklusive Bürgermeister ziemlich einig: „Es sind definitiv zu wenig“, räumte Bürgermeister Hans-Peter Dangschat ein. Dies würden auch die Erfahrungen in den anderen Heimen zeigen. „Ich halte die Stellplätze trotzdem für zu wenig, auch wenn sie den Maßgaben entsprechen“, sagte er. Er machte auch keinen Hehl, dass er den Standort für ein Pflegeheim in der Westendstraße für ungeeignet halte. 

Auch Paul Obermeier (FW) sowie Hans Jobst (CSU) und Christian Stoib (SPD) kritisierten die Anzahl der Besucherparkplätze. „Es sind definitiv zu wenig Stellplätze, vor allem wenn an den Wochenenden mehr Besucher kommen“, sagte Stoib. Die Erfahrung der anderen Heime zeige, dass vor allem an den Wochenenden die Parkplätze knapp seien, warnte Jobst: „Fünf Parkplätze sind viel, viel zu wenig!“ Michael Mollner (L!Z) schloss sich seinen Vorrednern an: „Ich gehe mit meinen Vorrednern d´accord, da zwickt´s.“ Es sei zu befürchten, dass die Besucher dann die Stellplätze in der Westendstraße belegen, so Mollner.

Wie die Architektin, Chrysanthe Diessner, vom gleichnamigen Architekturbüro in München auf Nachfrage sagte, wolle der Bauherr versuchen, ein paar mehr Stellplätze anzubieten. Sie erinnerte aber auch daran, dass sich der Bauherr bei der bisherigen Planung an die Stellplatzsatzung der Stadt Traunreut halte. Nach dem der Antragsteller, der vorgab, alle Vorgaben des rechtskräftigen Bebauungsplanes einzuhalten, dürfte einem im kommenden Frühjahr geplanten Baubeginn nichts mehr entgegenstehen.

ga

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