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„Die fahren wie die Idioten“

Bürgerversammlung in Traunreut: Zwei absolute Aufregerthemen und stockende Großprojekte

Bürgerversammlung im K1
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Rede und Antwort standen die Vertreter der Verwaltung bei der Bürgerversammlung im k1.

Gleich mehrere Themen beschäftigten die Bürger in der Traunreuter Kernstadt derzeit. Für Gesprächsstoff war bei der Bürgerversammlung also gesorgt.

Traunreut - Viele Großprojekte haben sich in der Traunreuter Kernstadt angestaut: Der Neubau der Grundschule Nord, die Sanierung der Kantstraße , das „MunaPark“-Projekt, das Wohnbaugebiet „Stocket“ und vieles mehr. All diese seit Jahren in der Planung befindlichen Projekte umzusetzen sind nicht nur eine finanzielle Herausforderung für die 21.000-Einwohner-Stadt. Vieles hängt von den laufenden Planungsverfahren ab. So werden auch vor 2023 keine Bauwerke zu erkennen sein. Darüber informierte Bürgermeister Hans-Peter Dangschat in der Bürgerversammlung im k1. 

Ausbau „kontrovers diskutiert“

Nach dem die Sanierung der Kantstraße im Rahmen der Städtebauförderung umgesetzt werden soll, die vor allem eine bessere Aufenthaltsqualität voraussetzt, kommt es hier seit Jahren zu kontroversen Diskussionen. „Der Ausbau wurde und wird sehr kontrovers diskutiert. Wir hatten eine extrem schwierige Ausgangslage, weil wir uns auch an die Fakten der Förderstelle halten mussten“, sagte Dangschat. 

Kreisverkehr kommt nicht

Wie mehrfach berichtet, war im Zuge des Ausbaus an der Kreuzung Kant- Eichendorff-Straße, die jetzt durch eine Ampel geregelt wird, ein Kreisverkehr angedacht, von dem man aber zwischenzeitlich Abstand genommen hat. Als Alternative eines Kreisverkehrs und der bestehenden Ampelanlage schlagen die Planer jetzt vor, auf eine Ampelanlage - mit Ausnahme von Bedarfsampeln für Fußgänger - zu verzichten. Außerdem sollen entlang der Ausbaustrecke alle bisherigen Linksabbiegespuren wegfallen und nur noch eine Fahrspur vorgehalten werden. Davon betroffen ist auch die Linksabbiegespur von der Eichendorffstraße in die Kantstraße. Auch hier soll es künftig nur noch eine Fahrspur geben. Mit dieser Lösung soll auf Höhe der Post auch ausreichend Platz für einen Gehweg geschaffen werden.

4,2-Millionen-Projekt nicht vor 2023

Dangschat plädierte dafür, den jetzigen Lösungsansatz der Kantstraßensanierung mitzutragen. Wie dem Zeitplan zu entnehmen ist, wird das 4,2 Millionen Euro teure geschätzte Sanierungsprojekt nicht vor 2023 umgesetzt werden. Die Bauzeit wird zwischen neun und 12 Monaten angegeben. In den Augen von Elfi Lösch ist die Abschaffung der Ampelanlage im Kreuzungsbereich Kant- Eichendorffstraße keine ideale Lösung. „Warum eine gutfunktionierende Situation verschlechtern?“, fragte sie. Die neue Lösung sei die schlechtere Lösung, betonte Lösch, die neben Eva Huber auch den Wegfall der Busbuchten kritisierte. „Wenn rechts und links der Fahrbahn die Busse stehen, kommt doch kein Auto mehr durch“, befürchtete Huber. Diese Befürchtung versuchte 2. Bürgermeister Reinhold Schroll aufzuklären in dem er daran erinnerte, dass es in Traunreut einen Busbahnhof gebe, der dann an die geänderten Bedingungen angepasst werden müsse. „Länger wartende Busse auf der Kantstraße wird es dann nicht mehr geben“, versicherte Schroll. Durch die neuen regelkonforme Haltestelle halten die Busse dann nur so lange auf der Fahrbahn an, bis die Fahrgäste ein- oder ausgestiegen sind. Laut Angaben von Fachleuten funktioniere diese Situation und führe auch nicht zu Staus, so Dangschat. 

So steht es um den Bücherei/VHS-Neubau

Mittlerweile aus dem Fokus der Diskussion verschwunden ist der geplante Bücherei/VHS-Neubau. Sabine Schmidts wollte deshalb wissen: „Warum wird der Büchereineubau auf die lange Bank geschoben“? Nach Angaben des Bürgermeisters hätten sich für das Projekt neue Grundstücksmöglichkeiten aufgetan, die jetzt untersucht werden. Ursprünglich war für das Bauvorhaben das sogenannte „Marcello-Grundstück“ vorgesehen. Eine lange Wartezeit kann sich die Stadt nicht erlauben: „Die VHS muss aus den jetzigen Räumen raus und wir haben einen Neubau in den Jahren 2024/2025 im Blick“, sagte Dangschat. 

Raser als Thema - „die fahren wie die Idioten“

Eine längere Liste mit Fragen und Anliegen hatte Helmut Kauer parat. Unter anderem kritisierte er, dass einige Ampeln in der Kernstadt nicht auf Fahrradfahrer reagieren und die Wälder an den Wanderwegen zu stark ausgeholzt würden. Eine Nachjustierung der Ampeln soll ebenso in die Wege geleitet werden, wie eine Ahndung an den vermüllten Container-Standorten. Die unzumutbaren Zustände an den Container-Plätzen hatte Fritz Hoffmann angeschnitten, den noch ein weiteres Problem auf den Nägeln brennt: „Auf dem Traunring Süd wird vor allem an den Wochenenden viel zu schnell gefahren. Die Motoren und soundtechnischen Anlagen werden aufgezogen – die fahren wie die Idioten“, kritisierte Hoffmann. „Wir kennen das aus vielen Teilen der Stadt“ , entgegnete der Bürgermeister. Die Polizei habe die Situation im Blick, aber nichts desto trotz werde er veranlassen, dass durch zusätzliche Kontrollen Druck auf die Raser ausgeübt werde. Die Raserei sei ebenso wenig zu tolerieren, wie die achtlose Entsorgung des Mülls. Hier sprach Dangschat Klartext: „Wir werden vermehrt für die Container-Standorte Kameras nachordern und Missachtungen auch zivilrechtlich verfolgen, damit es auch weh tut.“ 

„Zuwachsendes Grundstück“ als Thema

Erich Ebert wollte wissen, wann das Grundstück im Keplerweg bebaut wird. „Das Grundstück wächst schon langsam zu“. Nach Angaben von Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann liege der Bebauungsplanentwurf derzeit für einen Monat in der Stadtverwaltung auf. Mit einem Satzungsbeschluss ist noch in diesem Herbst zu rechnen und dann könne der Bauherr einen Bauantrag stellen und mit dem Bau beginnen. Auf dem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem zuvor so genannten Boardinghäuser vorgesehen waren, sollen vier Wohnhäuser mit insgesamt 16 Wohneinheiten entstehen. 

Post-Schließung bewegt die Gemüter

Ein aktuelles Aufreger-Thema, die Schließung der Postfiliale in der Johann-Hinrich-Wichernstraße schnitt Brigitte Mayer an. „Warum wird die Post geschlossen?“ Strategische Entscheidungen hätten die Post dazu bewogen, auch in Traunreut die Filiale zu schließen, erklärte Dangschat dazu. Für das Gebäude, in dem sich die Post seit Jahrzehnten eingemietet hatte, werde der Besitzer wahrscheinlich einen Nachmieter suchen. Ein sogenannter Post-Stützpunkt soll im Möbelhaus Jobst auf einer früheren Ausstellungsfläche geschaffen werden.

ga

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