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Zwei Chiemgauer und Passauer Student gewinnen AI-Cup

Ein guter Ruf - mit künstlicher Intelligenz

Max Adelheit, Ante Bandov und Lukas Auburger des Start-ups INQEE
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Die Gründer von INQEE: Max Adelheit (CSO), Ante Bandov (CTO) und Lukas Auburger (CEO)

Dass Unternehmen eine bessere Reputation bekommen - das haben sich der Traunreuter Ante Bandov, Lukas Auburger aus Stein an der Traun und der Passauer Max Adelheit mit ihrem Start-up INQEE vorgenommen. Im Oktober haben sie den AI-Cup gewonnen. Doch was hat das Ganze mit künstlicher Intelligenz zu tun?

Traunreut/Passau - Der diesjährige AI-Cup dauerte von März bis Oktober. Zu den acht Gewinnerteams des Gründungswettbewerbs gehört auch das aus den zwei Chiemgauern Lukas Auburger, Ante Bandov und dem Passauer Studenten Max Adelheit. Die Preisverleihung fand bereits am 11. Oktober statt. Nun hat das Start-up ein Jahr lang Zeit, sich mit einem Stipendium zu finanzieren.

Was ist der AI-Cup?

AI steht für „artificial intelligence“ - also künstliche Intelligenz. Der AI-Cup wird durch die Universität Passau in Kooperation mit der École normale supérieure Paris-Saclay veranstaltet. Er richtet sich an Studierende und Wissenschaftler aus Deutschland und Frankreich, die nicht nur herausragende wissenschaftliche Kompetenzen im Bereich der künstlichen Intelligenz vorweisen können, sondern auch außerordentliche unternehmerische Fähigkeiten. Erfolgreiche Teams können bis zu 95.000 Euro Förderung erhalten, um ihre Ideen zu innovativen Unternehmen in Bayern zu entwickeln.

INQEE entwickelt einen Rundumblick für die Reputation von Unternehmen

Beim Gewinnerteam kommen unternehmerische Fähigkeiten und wissenschaftliche Kompetenz zusammen. „Wir haben alle einen anderen Hintergrund“, sagt Lukas Auburger, CEO des Start-ups INQEE. „Ich habe einen klassischen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund und mache eher das Fachliche. Ante studiert Automobilinformatik in Landshut und hat den IT-Part. Er übernimmt die Softwareentwicklung. Max ist im Bereich Strategie angesiedelt und kümmert sich um die Businessplanerstellung.“

Kennengelernt haben sich die jungen Männer bei einem Start-up-Programm der Universität Passau. Die Idee war schon vor dem Wettbewerb vorhanden. Das Team möchte nun mit dem Start-up eine Software entwickeln, die den öffentlichen Auftritt von Unternehmen analysiert und daraus Reputation ableiten kann. Das Konzept für die 360 Grad Analyse steht schon. Händisch durchgeführt dauert die Analyse etwa eineinhalb Tage. Dabei werden sieben Dimensionen erfasst: die Website, Social Media, der persönliche Auftritt, die Medienpräsenz, Google, Bewertungsportale und die Markenumsetzung. „Man bekommt so einen Rundumblick und sieht, wo Handlungsbedarf besteht und wo man investieren muss“, so Auburger. Nun soll das Konzept in eine Software übertragen werden.

Wo kommt KI ins Spiel?

Bei der Übersetzung der Analyse in die Software soll auch künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. „Wir hoffen, über die KI eine höhere Datenqualität zu erreichen und dass die Daten dann objektiver sind. KI ist immer sinnvoll, wenn man große Datensätze hat. Wenn ich mehrere Tausend Kommentare auf Social Media auswerten will, dann schaffe ich das per Hand nicht. Da hilft KI, gewisse Muster zu entdecken. In anderen Bereichen, etwa Einzelsachverhalten, macht KI gar keinen Sinn, da sind klassische Algorithmen besser“, meint Auburger. Künstliche Intelligenz kann inzwischen sogar aus bestimmten Schlüsselwörtern Stimmungen herauslesen. 

Was passiert mit dem Preisgeld?

Die Sieger des AI-Cup erhalten ein Stipendium mit einer Fördersumme in Höhe von 95.000 Euro. „Vor dem Stipendium haben wir alles aus eigener Tasche finanziert. Da wir aber noch nicht gegründet haben, sind die Kosten bisher überschaubar. Das Preisgeld ist ein toller Betrag, allerdings haben wir das Geld jetzt nicht steuerfrei auf unserem privaten Konto“, berichtet Auburger. Ein Teil davon ist ein Stipendium für Max Adelheits Studium. Dann gibt es einen Betrag für Sachmittel und Betriebsausgaben wie etwa Hardware, Bürotische usw. Auch ein Coaching wird dem Team ermöglicht.

Das Geld ist aber auch an Auflagen geknüpft: So müssen die Gründer einen Businessplan schreiben und zwischendurch Reportings abgeben. Adelheit beklagt, dass das Programm mit viel Bürokratie verbunden ist: „Wenn wir etwas haben wollen, gibt es ein Formblatt. Es wird dann geprüft und für uns besorgt. Das belastet auch das Voranschreiten der Entwicklung. Dennoch sind wir sehr dankbar und froh.“ Sobald das Start-up gegründet ist, verfällt der Anspruch auf das Preisgeld. Das Stipendium läuft über ein Jahr, danach muss für das Team eine Anschlussfinanzierung stehen. Da man zur Zeit viel über Inflation und Rezession hört, ist es gar nicht so einfach, Investoren zu finden. Interessierte können sich per E-Mail unter info@inqee.com melden.

Auch kleinere Firmen sollen von der Software profitieren

Die Zielgruppe für die neue Software sind kleine und mittelständische Unternehmen. Reputation ist für alle relevant. Oft aber haben kleine Firmen keine eigene Kommunikationsabteilung und sind auf ihr Kerngeschäft fixiert. „Die sind mit dem Quickcheck super bedient“, so Auburger. „Sie erhalten sehr schnell den Rundumblick und das zu einem relativ günstigen Preis. Denn je mehr die Software macht, umso weniger müssen das trainierte Menschen machen.“

Das Team möchte aber das Produkt auch nicht verramschen. „Unterm Strich ist es dennoch deutlich billiger als ein Kommunikationsberater von McKinsey, der erst einmal eine Rechnung über 30.000 Euro schreibt.“ Daher spielt auch die Benutzerfreundlichkeit bei der Entwicklung eine große Rolle. Inzwischen kann man Dashboards so gestalten, dass sie auch ein Laie bedienen kann.

Wird KI den Menschen überholen?

Angst vor künstlicher Intelligenz haben die Entwickler nicht. Denn mit Filmen, in denen KI ein eigenes Bewusstsein entwickelt und sich gegen den Menschen auflehnt, hat die Realität nichts zu tun. Max Adelheit gibt zu bedenken: „Alles, was für etwas gut ist, hat auch was Schlechtes. Man kann KI auch auf jeden Fall sehr schädlich einsetzten wie bei der Gesichtserkennung auf öffentlichen Plätzen in China. Es gibt auch KI, die entwickelt wurde, die wahnsinnig rassistisch war. Das hängt aber alles mit den Daten zusammen, mit denen man füttert.“

Auch für Lukas Auburger ist der Gedanke, dass KI-Modelle die Weltherrschaft übernehmen, ausgeschlossen. „Das ist im Moment noch reine Fiktion. Man muss KI als ein Tool unter vielen sehen, auch im Bereich Softwareentwicklung. Ich habe einen Werkzeugkasten daheim, da sind viele Werkzeuge drinnen und ich nehme nicht immer den Achter-Schlitz, wenn ich etwas reparieren muss. Sondern ich schaue immer, was mein Problem ist und nehme dann das richtige Werkzeug.“

mf

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