Biomasseheizwerk Brunnwiese am Samstag eingeweiht - 1,6 Millionen investiert

"Ein gelungenes Projekt erster Güte"

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Das "Herzstück" des Biomasseheizwerks: Der Kessel, mit dem mindestens 90 Prozent der erzeugten Wärme aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden.

Traunstein - Die Stadtwerke setzen weiter auf regenerative Energien: Nach dem Wasserkraftwerk am Triftweg wurde nun das das Biomasseheizwerk Brunnwiese eingeweiht.

Die Traunsteiner Stadtwerke setzen weiter auf den verstärkten Einsatz regenerativer Energien aus heimischen Brennstoffen. Nach der feierlichen Einweihung des Wasserkraftwerks am Triftweg vor einigen Monaten wurde nun am Samstagvormittag - verbunden mit einem Tag der offenen Tür - das Biomasseheizwerk Brunnwiese eingeweiht. Die Anlage mit Biomassekessel (800 kW) und Gaskessel (1500 kW) bringt eine Leistung von 2300 kW und versorgt mit einer Netzlänge von 840 Meter neben den beiden Schulen Chiemgau-Gymnasium und dem Sonderpädagogisches Förderzentrum mit Turnhallen auch die höher gelegene Ludwig-Thoma-Schule. Vorgesehen ist nach Fertigstellung auch der Anschluss des Bauareals Altes Kurhaus, sowie gegebenenfalls auch die Klosterkirche und die Städtische Galerie.

Zu der Einweihung waren rund 150 geladene Gäste aus Kommunalpolitik, Behörden und der ausführenden Planer und Firmen gekommen. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Traunstein, Stefan Will, betonte in seiner Begrüßungsrede, dass das Projekt zwar eine lange Vorgeschichte in der Planung gehabt habe, die Umsetzung dann aber sehr schnell geschehen konnte. Nach dem Spatenstich im August 2011 habe man um die Weihnachtszeit das Heizhaus errichtet, die großen Teile eingebracht und das Dach geschlossen. Parallel dazu wurden 600 Meter des nun insgesamt 840 Meter langen Leitungsnetzes gebaut. Ab April diesen Jahres habe man die Inbetriebnahme stückchenweise vorgenommen, der Kostenplan von rund 1,6 Millionen Euro konnte eingehalten werden. Vorsicht ließ er beim Dauerbetrieb trotzdem noch walten: "Die echte Bewährungsprobe steht erst im Winter bevor."

Oberbürgermeister Manfred Kösterke nahm zur aktuellen Debatte um die Strompreiserhöhungen in Verbindung mit der EEG-Umlage Stellung: "Die 'Nur-Fokussierung' auf die Kosten zeigt das Dilemma der Energiewende." Dabei sei das zentrale Thema die Frage, wie man von hohen CO2-Emissionen herunterkomme. Seine Forderung: "weg von ideologischen Diskussionen hin zu ganzheitlichen Lösungen." Deutschland habe in der Welt eine Vorbildfunktion und müsse die Energiewende schaffen, "die Welt schaut in dem Punkt auf uns."

Das jetzt realisierte Projekt sei ein gelungenes weiteres ÖPP-Projekt (Öffentlich Private Partnerschaft) "erster Güte", das in einem ersten Schritt neben den genannten Schulen und dem Alten Kurhaus später durchaus auch quer durch die Stadt erweitert werden könne. Entscheidend sei hierbei die Wirtschaftlichkeit, man dürfe die Stadtwerke nicht überfordern.

Stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser sagte in seinem Grußwort dass dem Landkreis gerade die Themen "Bildung und Infrastruktur" sehr am Herzen liegen würden. Man sei stets bemüht, "optimale Voraussetzungen für die Schüler zu schaffen", so Konhäuser im Hinblick auf die Trägerschaft der beiden Schulen, die mit Wärme aus dem Heizwerk versorgt würden. Die Diskussion der vergangenen Wochen um die Strompreiserhöhungen spiegelten kein energietechnisches Problem wieder. Wenn sich Menschen in Deutschland eine Strompreiserhöhung um gesamt 60 Euro pro Jahr nicht mehr leisten könnten, dann sei dies vielmehr ein soziales Problem betonte der Stellvertretende Landrat. Gleichzeitig müsse Energie bezahlbar bleiben. Der Landkreis setzte weiter konsequent auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Die Landkreisziele, bis 2020 den gesamten Strom privater Haushalte, Kleingewerbe und kommunale Liegenschaften aus regenerativen Energien zu decken sei ehrgeizig. "Entscheidend ist das Ziel, und dass wir daran arbeiten", so Konhäuser. Dies wolle man in Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden, Städten und dem Landkreis unter Einbeziehung regionaler Stadtwerke umsetzen.

Bei der ökumenischen Segnung betonte der Evangelische Pfarrer Sebastian Stahl, dass die Menschen den Auftrag hätten, die Schöpfung zu nutzen und zu bewahren. "Darüber freut sich Gott." Stadtpfarrer Georg Lindl machte deutlich, dass sich das "Haus Gottes" nicht nur auf die Kirchen beschränke. Auch das Biomasseheizwerk sei ein Haus Gottes, "wenngleich in einer anderen Funktion als eine Kirche". Auch Christ sei man nicht nur in der Kirche sondern überall. Folgerichtig segnete er nicht nur das neue Gebäude, sondern auch die Menschen, die dort arbeiteten und alle Anwesenden. Von dem Heizwerk solle ein "Segen für die Stadt Traunstein ausgehen".

Dass sich die gut nachgespielten Lieder der Big Band der CHG ("Smoke on the water" Smog am Wasser) im Rahmen der musikalischen Untermalung der Einweihungsfeier nicht bewahrheiten, dafür soll künftig eben auch das saubere Biomasse Heizwerk in der Brunnwiese sorgen.

Viele Bürger nutzten bei bestem Herbstwetter die Möglichkeit und machten sich selbst ein Bild von der neuen Anlage und besuchten das neu eröffnete Wasserkraftmuseum.

wz/Chiemgau-Zeitung

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