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Vorsitzender Richter: „Erschien uns angemessen“

Hartes Urteil um Tuntenhauser Brandstifter gefallen: Täter muss jahrelang hinter Gitter

Im Zimmer Nummer 13 ist der Brand ausgebrochen. Von dort haben sich die Flammen im ersten Stock ausgebreitet.
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Im Zimmer Nummer 13 ist der Brand ausgebrochen. Von dort haben sich die Flammen im ersten Stock ausgebreitet.

Brandstiftung, Körperverletzung, versuchter Mord: Ein 41-Jähriger musste sich am dritten und letzten Prozesstag (12. April) vor dem Landgericht in Traunstein verantworten. Er soll in einem Mehrparteienhaus in Tuntenhausen sein Opfer angezündet und den Tod von insgesamt 20 Menschen in Kauf genommen haben.

Update, 16.28 Uhr - Vorsitzender Richter: „Der Angeklagte ist schuldig des …”

Vorsitzender Richter Volker Ziegler verliest das Urteil: „Der Angeklagte ist schuldig des versuchten Mordes rechtlich zusammentreffend mit versuchter Brandstiftung mit Todesfolge, schwerer Brandstiftung, schwerer Körperverletzung und mit gefährlicher Körperverletzung.” Der 41-Jährige „wird zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt.“ Außerdem wird die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Vor dem Aufenthalt muss der Angeklagte jedoch vier Jahre und sechs Monate der Freiheitsstrafe absitzen. Der Angeklagte trägt die Kosten des Gerichtsverfahrens. 

Das Gericht ist im wesentlichen von dem Sachverhalt ausgegangen, den auch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer umschrieben hat. „Wir sehen aber eine zusätzliche Abweichung zugunsten des Angeklagten.” Das Gericht gehe davon aus, dass der Tötungsvorsatz des Angeklagten nicht alle Personen betraf, die sich in dem Mehrparteienhaus in Tuntenhausen aufgehalten hatten.

Das Gebäude bestehe aus zwei Bereichen. In dem einen Teil hatten die Bewohner „einen anderen Fluchtweg und keinerlei Beeinträchtigung durch das Feuer. Wir konnten nicht ausschließen, dass der Angeklagte hier darauf vertraut hat, dass diesen Bewohnern nichts passiert.” Anders sieht es bei den Bewohnern im Zimmer Nummer 13 aus. Diese hat der Angeklagte „unmittelbar gefährdet” und in „höchste Lebensgefahr” gebracht. Auch deren Tod habe er billigend in Kauf genommen.

Nicht zu vergessen sei auch der 69-jährige Hausbesitzer, der sich zum Tatzeitpunkt in seiner Dachgeschosswohnung des brennenden Gebäudes befand. Der Mann ist „ein klassisches Beispiel, wie nah man bei einem Brand dran ist, mit dem Leben nicht mehr davonzukommen, obwohl man nicht einmal die Flammen sieht. Er hat es gerade noch geschafft.”

Bei den beiden Brandopfern ist das Gericht von einem absichtlichen Vorgehen ausgegangen. Das Motiv haben die Richter nicht abschließend klären können. „Ein Zeuge hat es sehr gut beschrieben. Der Angeklagte und das Opfer waren beide Menschen, die sehr viel Alkohol getrunken haben. Dabei traten ihre Persönlichkeiten besonders hervor. Sie haben gestritten.” Die Vorgeschichte sei zwar zu berücksichtigen, „aber sie entschuldigt in keiner Weise, wie der Angeklagte hier das Leben der anderen gefährdet hat. Keiner konnte etwas dafür, dass der Angeklagte mit dem Geschädigten Streit hatte.”

Der Vorsitzende Richter meint abschließend: „Uns erschien eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren für angemessen.” Da das Gericht auf weniger potenzielle Mordopfer gekommen ist als die Staatsanwaltschaft, haben sich die Richter für eine Minderung der geforderten Strafe entschieden. 

Update, 13.45 Uhr - Brandstiftung war heimtückisch und feige

Der Staatsanwalt erklärt noch einmal den Tathergang: Der Angeklagte ließ sich am 19. Juni vorigen Jahres gegen 23 Uhr von einem Freund in München mit dem Auto abholen und nach Tuntenhausen in die Unterkunft fahren. Am Weg dorthin hielt das Auto an einer Tankstelle. Dort füllte der 41-Jährige 2,5 Liter Benzin in eine Plastikflasche ab. Gegen 0.45 Uhr kam das Auto dann an der Unterkunft an. Der Angeklagte blieb noch etwas sitzen, telefonierte mit seiner Ehefrau und kündigte dabei aus Sicht des Staatsanwalts die Tat bereits an. „Ich bin der Überzeugung, dass zumindest die Ehefrau davon Kenntnis hatte, was der Angeklagte geplant hatte.“

Gegen 1.40 Uhr betrat der Angeklagte das Zimmer Nummer 13, in dem die Geschädigten in ihren Betten lagen und schliefen. Er verteilte das Benzin, weckte dabei die schlafenden Geschädigten und rief: „Ich bring euch um, ich fackel euch ab!“ Dann entzündete er die Flüssigkeit und flüchtete. Anders als ursprünglich angenommen, hatte der Angeklagte das Opfer jedoch nicht direkt mit Benzin bespritzt. Die Flammen verletzten den Mann bei der Flucht dennoch schwer. Es war „sein großes Glück, aber auch das große Glück des Angeklagten“, dass der Geschädigte die Verletzungen überlebte. Auch die restlichen 18 Bewohner „hatten großes Glück, dass sie das überlebt haben.“

Ein eindeutiges Tatmotiv sieht der Staatsanwalt nicht. Der Angeklagte sei stark betrunken gewesen, könne sich nicht mehr erinnern, aber streite die Tat auch nicht ab. 

Das eingesetzte Benzin hätte eine „Vielzahl an Menschen schwer bedroht. Der Angeklagte hatte auch nicht mehr in der Hand, wie sich das Feuer ausdehnt – nicht nur auf das Gebäude, sondern auf die benachbarten Häuser, die sehr eng zusammengebaut sind.“ Es sei „purer Zufall“ gewesen, ob „die Bewohner rechtzeitig aufwachen oder in den Flammen den Tod finden.“ Dazu komme die Aussage vor der Tat: „Ich bring euch um, ich fackel euch ab.“ Es sei „keine spontane, sondern eine geplante Tat“ gewesen. Nach dem Befüllen der Flasche hatte der Angeklagte „noch 35 Kilometer Zeit bis Tuntenhausen, um sich das anders zu überlegen, aber er setzte seine Tat um.“

Die Tat war „heimtückisch“ und „feige“ – der Staatsanwalt plädiert: Eine Anklage wegen versuchten Mordes in 20 Fällen, versuchter Brandstiftung mit Todesfolge und schwerer Körperverletzung aufgrund der schweren Narbenbildung des Opfers. Eine Freiheitsstrafe für 13 Jahre, außerdem der Besuch einer Entziehungsanstalt wegen der Alkoholabhängigkeit sei angemessen.

Laut Verteidiger Markus Frank sei die Brandstiftung „glimpflich ausgegangen“. Alle hätten überlebt. Der Verteidiger plädiert für eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als sieben Jahren und sechs Monaten und einer Unterbringung von 18 bis 24 Monaten. 

Update, 12.10 Uhr - „Als würde ich selbst brennen“

Hat der Angeklagte das Gebäude in Brand gesteckt, weil er wütend auf eines der Brandopfer war? Diese Frage sollte eben jener Geschädigte vor Gericht beantworten. Doch der Zeuge befindet sich derzeit in seiner Heimat Rumänien. Vorsitzender Richter Ziegler verliest deswegen die Vernehmung des Mannes vom Sommer 2021 durch die Polizei: Der Geschädigte kenne den Angeklagten und das zweite Brandopfer bereits seit seiner Kindheit. „Wir kommen aus demselben Dorf.“

In der Tatnacht hätten das Opfer und der zweite Geschädigte im Zimmer Nummer 13 geschlafen. „Ich bin durch laute Geräusche wach geworden und habe den Angeklagten an der geöffneten Tür stehen sehen. Das Zimmer war dunkel. Ich habe ihn erkannt, weil er ein Handy in der Hand hatte und sein Gesicht beleuchtet hat.“ Der Angeklagte solle mehrmals laut und wütend gesagt haben: „Ich bringe euch um.“

Mit der freien Hand soll der Tatverdächtige eine Schüttbewegung in Richtung des zweiten Opfers gemacht haben. „Dann hatte er ein Feuerzeug in der Hand und auf einmal war überall im Zimmer Feuer. Ich habe überlegt, wie ich mich retten kann. Wir sind dann durch das Feuer und die Tür gelaufen.“ Der Zeuge wurde durch die Flammen an den Beinen und dem Rücken verletzt. „Es hat sich für mich so angefühlt, als würde ich selbst brennen.“

Ob es Schwierigkeiten zwischen dem Angeklagten und dem Geschädigten gab? „Vor circa zwei Jahren ist der Angeklagte mit dem Messer auf mich losgegangen. Er hat mich damals an der Hand und im Gesicht verletzt.“ Streit habe es zwischen den beiden wohl immer wieder über die Jahre gegeben. Zwei Wochen vor dem Brand hätten sie zuletzt gestritten. Einen Grund, warum der Angeklagte den Brand gelegt hatte, könne sich der Geschädigte aber nicht vorstellen.

Als Nächstes folgen die Plädoyers und das Urteil. Welches Strafmaß wird der Brandstifter von Tuntenhausen erhalten?

Update, 10.45 Uhr - 20 mögliche Opfer des Tuntenhausener Brandstifters

Tag drei der Verhandlungen. Heute entscheidet sich das Schicksal des 41-jährigen Angeklagten, der im Juni 2021 ein Mehrparteienhaus in Tuntenhausen in Brand gesteckt haben soll.

Vorsitzender Richter Volker Ziegler erklärt als erstes, dass sich aufgrund der Aussagen der Rechtsmedizinerin das Strafmaß des Angeklagten verschlimmern könnte. Wegen der „Verbrennungsfolgen an den Beinen, der Brust und dem Arm“ eines der Brandopfer und den dadurch „dauerhaft zu erwartenden Vernarbungen“ komme eine Strafbarkeit wegen schwerer Körperverletzung infrage. Die Sachverständige schilderte am zweiten Verhandlungstag (7. April), dass es auch aus rechtsmedizinischer Sicht nicht „viel Grausigeres“ gebe. 

Danach sagt ein Polizist der Kripo Rosenheim aus. Richter Ziegler möchte wissen, wie viele Personen genau in dem Gebäude waren, als sich die Flammen ausbreiteten. „Wir haben bei den Ermittlungen festgestellt, dass sich 21 Personen in dem Gebäude befunden haben, inklusive des Angeklagten.“ Die meisten davon hatten in ihren Zimmern geschlafen. In der Wohnung, in der der Angeklagte das Zimmer in Brand gesteckt haben soll, befanden sich zum Tatzeitpunkt insgesamt vier Personen, ein Pärchen im Nachbarzimmer 14 und die beiden Brandopfer im Tatzimmer Nummer 13.  

Dem Angeklagten werde auch vorgeworfen, „gemeingefährlich“ gehandelt zu haben. Deswegen ist laut Vorsitzendem Richter Ziegler die Situation in dem „bewohnten historischen Ort“ wichtig. Der Kriminalhauptkommissar erklärt, dass der Großteil der umliegenden Wohngebäude zwölf bis 15 Meter von dem Mehrparteienhaus entfernt liegen. „Das ist nicht weiter, als der Sitzungssaal lang ist“, meint Vorsitzender Richter Ziegler. Wären die Flammen auf die Nachbargebäude übergesprungen, wenn die Feuerwehr nicht so schnell da gewesen wäre

Auf die Frage, ob sich der Kripo-Beamte die Hintergründe der Tat erklären könnte, antwortet dieser, dass es wohl schon seit längerem Auseinandersetzungen zwischen dem Angeklagten und einem der Brandopfer gegeben habe. Ein akutes Motiv kann der Polizist nicht nennen. Es sei womöglich eine „Gesamtheit der Problematiken“. „Der Angeklagte hat uns angegeben, dass er zurzeit keine Arbeit hat.“ Dazu käme der Streit mit dem Brandopfer. „Er war sauer.“ Nach der Tat telefonierte der Angeklagte noch einmal mit seiner Ehefrau, so der Kripo-Beamte. Dabei soll er gesagt haben: „Ich habe es getan. Ich küsse dich, ich drücke dich.”

Als Nächstes soll es um das Brandopfer gehen, mit dem der Angeklagte offenbar Streit hatte.

Erstmeldung

Tuntenhausen/Traunstein - Angeklagt wegen versuchten Mordes in 20 Fällen, schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung - doch äußern will sich der 41-jährige Verdächtige nicht.

Am Prozessauftakt (5. April) erklärte dessen Verteidiger Markus Frank, dass sein Mandant in der Tatnacht betrunken gewesen sei und sich nicht mehr erinnern könne. Der Angeklagte ginge aber davon aus, das Zimmer in dem Mehrparteienhaus in Tuntenhausen in Brand gesteckt zu haben. Der 41-Jährige hat dort selbst gewohnt.

Prozess um Brandstifter von Tuntenhausen am Landgericht Traunstein

 „Ich bring Euch um, ich fackel‘ Euch ab.“ Das soll der Angeklagte in den Morgenstunden des 20. Juni 2021 mehrfach gesagt haben, kurz bevor er einen Bewohner und den Boden des Zimmers mit Benzin übergossen und angezündet haben soll. Auch ein zweiter Mitbewohner erlitt schlimme Verbrennungen. „Der Geschädigte erlitt erhebliche lebensgefährliche Verletzungen, Verbrennungen zweiten Grades auf 60 Prozent der Körperoberfläche“, hieß es vom Staatsanwalt.

Zum Zeitpunkt der Tat befanden sich laut Staatsanwaltschaft 20 Personen teils schlafend in dem Haus. Auch der Eigentümer des Gebäudes hielt sich in dessen Dachgeschosswohnung in jenem Haus auf. Vor Gericht schilderte der 69-jährige Rentner seine Flucht aus dem Dachfenster. Das Gebäude wurde zu großen Teilen durch den Brand zerstört. Es entstand ein Schaden von rund 1,2 Millionen Euro.

Ein Kripo-Beamter der Polizei Rosenheim zeigte dem Gericht Visualisierungen des durch die Flammen zerstörten Hauses und Videoaufnahmen einer Tankstelle. Zu sehen ist der Angeklagte, wie er an der Zapfsäule 2,5 Liter Benzin in eine Plastikflasche abfüllt. 

Am zweiten Prozesstag (7. April) sprach die Ehefrau des Angeklagten. Ihr Mann sei durch eines der Brandopfer immer wieder provoziert worden. „Sonst hätte er dies nicht gemacht.“ Das zweite Brandopfer sagte ebenfalls vor dem Traunsteiner Landgericht aus. Er war in dem Zimmer, als der Angeklagte das Feuer entzündete und das Opfer selbst damit in Lebensgefahr brachte. „Wir waren Freunde und haben uns gut verstanden. Er hat die Flasche in meine Richtung geschmissen und dann angezündet. Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist, dass er das macht.“ 

Die Rechtsmedizinerin erklärte, dass der Mann massive Verbrennungen davon getragen hatte. „Noch viel Grausigeres gibt es auch aus rechtsmedizinischer Sicht nicht.“ Der Geschädigte werde wohl sein Leben lang mit den Narben der Hauttransplantationen und deren Auswirkungen, wie eingeschränkter Beweglichkeit, leben müssen. Arbeiten werde der Mann wohl nie wieder.

Die Brandstiftung war für alle Beteiligten eine folgenschwere Tat. Doch welches Schicksal erwartet den Angeklagten? Wird der 41-jährige Vater in allen Punkten schuldig gesprochen? Am Dienstag (12. April) will Vorsitzender Richter Volker Ziegler das Urteil im Landgericht Traunstein verkünden. Zuvor werden noch die Plädoyers gehalten. Um 8.30 Uhr beginnt der letzte der drei angesetzten Verhandlungstage.

rosenheim24.de wird aktuell vom Prozess berichten.

ce

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