"Ich habe eine total gute Zeit"

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Alex (rechts), Martin und Thomas waren die letzten Zivildienstleistenden beim Traunsteiner Kreisverband des Roten Kreuzes. Ihnen sollen jetzt Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst folgen. Nach einer Ausbildung zum Rettungsdiensthelfer begleiten die „Neulinge“ zunächst Notfalleinsätze im Rettungswagen, um die Abläufe zu lernen, bevor sie sich selbst ans Steuer setzen dürfen.

Traunstein - Die Lücke, die sie hinterlassen haben, schmerzt immer noch: Seit die letzten Zivis den Kreisverband des BRK verlassen haben, sucht man nach ehrenamtlichen Helfern.

Alex Kramer aus Wolkersdorf war einer der letzten Zivis, der im vergangenen September – drei Monate länger als vorgeschrieben - seine Zeit als Zivildienstleistender in der Traunsteiner BRK-Rettungswache beendet hatte. Damals war der 20jährige Schulabgänger auf der Suche nach „etwas Sinnvollem“ und begann zunächst mit der Ausbildung zum Rettungsdienst-Helfer. Inzwischen hat er die Qualifikation zum Rettungssanitäter und ist regelmäßig als Fahrer eines der mächtigen Rettungstransportwagens, des Notarzteinsatz-Fahrzeuges oder eines Krankentransportwagens eingeteilt – allerdings bisher immer auf Grundlage eines Zeitvertrages. Jetzt ist er am Ziel seiner Wünsche: Vor wenigen Tagen erhielt er von BRK-Kreis­geschäftsführer Kurt Stemmer die Zusage eines unbefristeten Vertrages. „Damit kann ich mir jetzt vieles leisten“, meint Alex glücklich, „eine eigene Wohnung, ein Auto, ein Motorrad...“

Auf der Suche nach etwas Sinnvollem

An seine Studienpläne denkt er im Moment nicht mehr, denn seine ursprüngliche Motivation auf der Suche nach etwas Sinnvollem hat sich beim BRK-Rettungsdienst voll und ganz erfüllt. „Ich habe hier beim Roten Kreuz eine total gute Zeit. Für mich ist es ein sehr sinnvoller Beruf, ich lerne viel und habe nette Kollegen.“

Aber es gibt auch Schattenseiten: Während der vielen Einsätze gibt es oft schwierige Erlebnisse. „Verkehrsunfälle und Blut machen mir nichts“, meint Alex, „aber Familienschicksale nehmen mich oft mit.“ Wie etwa der Transport eines schwer­kranken behinderten Kindes oder ein Früh­geborenes, das keine Aussicht hat zu überleben. All diese Eindrücke bespricht er mit Kollegen oder seiner Freundin, die als Krankenschwester ähnliche Erfahrungen macht.

Ab sofort könnten BFDler, also Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst, die Zivis beim Roten Kreuz ersetzen. Henning Hartenberger, der bisher für die Zivis beim Traunsteiner BRK zuständig war, wird sich künftig um die BFDler kümmern. Voraussetzungen sind ein Mindest­alter von 19 Jahren, Führerschein der Klasse B mit mindestens einem Jahr Fahrpraxis - ohne Begleitendes Fahren - und Wohnsitz in der Traunsteiner Region. Wichtig für Henning Hartenberger sind aber auch die gesundheitliche Eignung, die Bereitschaft zum Schichtdienst und „Verständnis und Geschick im Umgang mit kranken und alten Menschen.“

Umfangreiche Ausbildung

Außerdem sollten sich die Bewerber dazu verpflichten, ihren Dienst beim Roten Kreuz für mindestens ein Jahr zu planen, denn vor dem Einsatz im Rettungsdienst erfahren sie eine intensive Ausbildung – ähnlich wie die früheren Zivis: Nach einer Einweisung im Traunsteiner BRK-Kreisverband verbringen sie vier Wochen auf einer Augsburger Schule, wo sie die Ausbildung zum Rettungsdienst-Helfer bestehen müssen. Dann fahren sie vier Wochen lang als „dritter Mann“ im Rettungstransportwagen mit und lernen die Abläufe bei einem Notfall kennen. Ab dem dritten Monat sitzen sie dann als verantwortlicher Fahrer hinter dem Steuer eines der mächtigen Rettungswägen.

BRK-Kreisgeschäftsführer Kurt Stemmer hofft mit den neuen BFDlern die Zivi-Lücke nach und nach zu schließen. „Wir bieten motivierten Menschen eine große Chance“, erklärt er und Alex Kramer bringt es auf den Punkt: „Man lernt hier unwahrscheinlich viel - vor allem lernt man sich selbst kennen und begreift, was wirklich wichtig ist im Leben.“

Pressemitteilung BRK Kreisverband Traunstein

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