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Dealer-Duo der Hells Angels an Tag drei vor Gericht

80.000 Euro, Schalldämpfer und Munition in Bunker entdeckt – Lieferant der Dealer im Fokus

Dealer der Hells Angels vor Gericht: Drogen und Waffen in Südbayern verkauft
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Die Rosenheimer Hells Angels mit Drogen und Waffen beliefert? Zwei Dealer aus München am Montag erneut in Traunstein vor Gericht.

Traunstein/Rosenheim/München – Über Jahre sollen zwei Männer aus dem Münchener Umland die Region Rosenheim mit Drogen versorgt haben - am Freitag stehen die Beiden in Traunstein erneut vor Gericht. Am dritten Verhandlungstag soll sich zumindest einer der beiden Dealer ausführlich zu den ihm zur Last gelegten Taten äußern.

Update, 15.33 Uhr - 80.000 Euro, Schalldämpfer und Munition in Bunker entdeckt – Lieferant der Dealer im Fokus

Neben den Drogengeschäften hätten die beiden Angeklagten auch überlegt, in den Waffenhandel einzusteigen, berichtet der leitende Ermittler vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd weiter. Eine Waffe sei kurz vor der Verhaftung der Männer tatsächlich auch verkauft worden. Kunde soll ein Mitglied der Hells Angels gewesen sein.

„Wir haben sie (die Waffe; Anmerk. d. Red.) ja nur besorgt und überlassen; für alles andere können wir nichts“, sollen die beiden Männer danach verlautet haben lassen, so der Ermittler mit Blick auf die Abhörprotokolle. Der Biker wurde daraufhin verhaftet, die Waffe samt scharfer Munition konnte sichergestellt werden.

Im Bunker der beiden Dealer wurden schließlich auch Schalldämpfer und Munition entdeckt, die mit den modifizierten, scharfen Waffen funktionierten. „Erhebliche Bargeld-Mengen, rund 80.000 Euro“ rundeten den Fund im Bunker der Angeklagten ab.

Ermittlungen der Polizei ausgeweitet – Was ist über die Lieferanten der Dealer bekannt?

Über die Lieferanten der beiden Dealer konnte die Polizei bislang nur wenige Erkenntnisse in Erfahrung bringen. Lediglich die Mengen und das dafür fällige Geld – in einem Fall rund 200.000 Euro – konnten die Polizeibeamten nachvollziehen. Um wen es sich beim Lieferanten der Beiden handelte, konnte die Kriminalpolizei noch nicht feststellen.

Die Spurensicherung habe DNA- sowie auch Finger-Spuren im Bunker sowie an den Waffen nur von beiden Angeklagten festgestellt. Vor Ort – im Rahmen der Verhaftung der beiden Münchner – hätten die Männer einen Drogentest abgelehnt und zeigten sich „zunächst wenig kooperativ“. Später sei eine Haarprobe lediglich vom 37-Jährigen genommen worden, so der Beamte. Damit ließ sich zumindest beim Neubiberger Drogenkonsum nachweisen.

Prozess wird am Montag (7. November) fortgesetzt

Nach seiner sehr umfangreichen Aussage wird der leitende Ermittler aus dem Zeugenstand entlassen. Es folgt die förmliche Einführungen von Aktenvermerken und Gutachten seitens der Vorsitzenden Richterin Christina Braune. Darunter der Bericht eines Sachverständigen: Dieser bestätigt, dass mit den im Bunker der Angeklagten beschlagnahmten Waffen scharfe Munition auch tatsächlich verschossen werden konnte.

Danach unterbricht Christina Braune die Sitzung und entlässt die Prozessbeteiligten. Die Verhandlung wird am kommenden Montag (7. November) fortgesetzt. Dann sollen weitere Sachverständige unter anderem Auskünfte über die persönlichen Verhältnisse der Angeklagten geben. Und auch die Schlussanträge der Verteidiger könnten bereits in der kommenden Woche folgen. Wann danach mit einem Urteil der Kammer zu rechnen ist, ist derzeit aber noch unklar.

*** chiemgau24.de berichtet auch am 7. November wieder live aus dem Gerichtssaal ***

Update, 13.54 Uhr - Falscher Arbeitgeber als Tarnung – „Horrende Mengen“ Drogen sichergestellt

„Sie gingen insgesamt sehr konspirativ vor; es wurden keine verräterischen Gespräche am Telefon geführt und auch die Chats wurden regelmäßig gelöscht,“ so der Zeuge weiter. Eine „große Menge Bargeld“ diente dabei als gemeinschaftliche Kasse, aus der die laufenden Ausgaben bezahlt wurden.

Professionelles Drogen-Business samt Tarn-Arbeitgeber

Auch an eine Schein-Arbeitsstelle zur Tarnung hätten die beiden Angeklagten gedacht. Ihr vermeintlicher Arbeitgeber soll dabei sogar auf der Kundenliste gestanden haben. Laut dem Ermittler hätten die Männer den Arbeitgeber sogar bezahlt, um die Tarnung aufrechtzuerhalten. „Wir haben da jede Menge Erkenntnisse gewonnen“, so der Beamte weiter. Und er ergänzt: „Es wurden über 250 konspirative Treffen im Laufe der Überwachung festgestellt; über 100 konkrete Geschäfte konnten nachvollzogen werden.“

„Wenn man sich den Lebensstil ansieht, merkt man, dass da doch erheblich Bar-Mittel zur Verfügung standen“, folgert der leitende Ermittler. So seien die beiden Angeklagten etwa beinahe jeden Tag zum Essen gegangen. Einer der Männer habe zudem eine teure Foto-Ausrüstung angeschafft. Und auch eine vollständige Werkstatt-Ausrüstung hätten die Beiden am Ende besessen.

„Sie machten sich auch Gedanken für den Fall, dass sie einmal festgenommen werden“, fährt der Zeuge fort. So stand etwa im Raum, Gold zu kaufen und es anschließend zu vergraben. Beiden Angeklagten sei somit zu jeder Zeit bewusst gewesen, was sie taten, so der Beamte in seiner Aussage vor der Kammer.

Die Polizei schreitet ein – Zugriff bei den Hells Angels und den Dealern

Kurz nach der Verhaftung eines Mitglieds der Hells Angels ließen die Polizisten dann auch die Falle beim Dealer-Duo zuschnappen. Beide Münchner wurden unabhängig voneinander an unterschiedlichen Orten festgenommen. „Interessant ist letztendlich der Bunker-Raum, den die Beiden zur Verfügung hatten“, so der Kriminalbeamte weiter. In mehreren Alu-Kisten, in einem Kellerraum einer Bekannten des 43-Jährigen, fand die Polizei rund 14 Kilogramm Cannabis. In einem Schrank neben den Kisten „horrende Mengen anderer Betäubungsmittel“; unter anderem sieben Kilo MDMA und mehrere Kilogramm hochreines Kokain.

Weiter entdeckten die Beamten mehrere Schusswaffen – darunter Schreckschuss-Pistolen, die zu scharfen Waffen umgebaut worden waren. In unmittelbarer Nähe einer Pistole sei auch ein befülltes Magazin mit passender Munition entdeckt worden. „Reinstecken, durchladen, schießen; das wär in ein paar Sekunden möglich gewesen“, ist sich der Polizist sicher.  

Update, 12.39 Uhr - Ermittler über den professionellen Drogenhandel

Der leitende Ermittler des Polzeipräsidiums Oberbayern Süd gibt weiter einen tiefen Einblick in die täglichen Geschäfte der beiden Angeklagten im Jahr 2021. Gewohnt hätten die Münchener bei ihren jeweiligen Lebensgefährtinnen.

„Das war für Beide wie ein normaler Job“, so der Zeuge zu den Drogengeschäften. Mehrmals täglich – in der Regel einmal am Vormittag und einmal am Abend – seien die Angeklagten auf Tour gegangen. Der Taufkirchener sei dabei stets von Zuhause aus losgefahren und habe den Neubiberger abgeholt. Auf der Fahrt zu den Kunden habe man dann alle Geschäfte gemeinsam geplant.

„Jeden Tag waren sie im Schnitt rund fünf Stunden – manchmal deutlich mehr- auf der Straße unterwegs“, die Abläufe ähnelten sich weitestgehend. Der Bunker wurde nur dann aufgesucht, wenn auch Lieferungen der Betäubungsmittel anstanden. Die harten Drogen, in erster Linie das Kokain, lieferten Beide eher am Anfang der Tour aus, um im Fall einer Kontrolle „nicht voll beladen dazustehen“. Ihre Touren führten die beiden an Orte im Großraum München. „Es gab verschiedene Örtlichkeiten, bei denen die beiden mal mehr mal weniger Abnehmer bedient haben,“ berichtet der Zeuge.

Klare Rollenverteilung der Angeklagten - im Drogengeschäft, aber auch im Privatleben

Aus den Gesprächen im Auto sei schnell der Eindruck entstanden, dass beide in einem engen Vertrauensverhältnis zusammenarbeiten. „Es gibt keine Anzeichen, dass da einer den anderen mal über den Tisch gezogen hätte“. Die Aufgabenverteilung sei dabei klar gewesen: Der 37-Jährige hielt eher den Kontakt zu den Kunden und Abnehmern; hatte den Überblick über Schulden und Verbindungen. Der 43-jährige sei dagegen „eher strukturiert“ gewesen, aus der Sicht des Beamten somit der Organisator hinter den Drogen-Geschäften und für die Verwahrung sowie das Fahrzeug verantwortlich.

Auch abseits der illegalen Geschäfte spiegelte sich diese Rollenverteilung im gänzlich unterschiedliches Konsumverhalten der beiden Männer wider, so der leitende Ermittler. So soll der 37-Jährige eher ausschweifend gelebt haben; „hier mal in die Spielbank, dort mal zum Party-Machen“, der 43-Jährige dagegen agierte auch im Privatleben wieder strukturierter und daher weniger auffällig.

Update, 11.42 Uhr - Angeklagte mit umfassendem Geständnis

Am dritten Verhandlungstag gegen die beiden Angeklagten aus dem Münchener Raum stehen heute mehrere Zeugen auf dem Programm. Nachdem am zweiten Prozesstag ein bereits verurteiltes Mitglied der Rosenheimer Hells Angels die Aussage vor Gericht verweigert hatte, lud die Kammer einen weiteren abgeurteilten Biker kurzerhand ab.

Das sich die Rocker im Fall einer Aussage ohnehin sehr wahrscheinlich belasten müssten und somit von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen könnten, hielt sich der erwartete Erkenntnisgewinn ohnehin in Grenzen, so die Vorsitzende der Strafkammer.

Stattdessen liegt der Fokus heute auf dem leitenden Sachbearbeiter des Falls – einem Kriminalbeamten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Der Ermittler hatte bereits in den Verhandlungen gegen die Mitglieder der Hells Angels umfangreiche Erkenntnisse liefern können.

Zuvor richtet die Richterin ihr Wort an den 37-jährigen Angeklagten und seinen Verteidiger: „Sie wollten uns mitteilen, ob Sie die Verständigung annehmen wollen?“ Die Kammer hatte am zweiten Verhandlungstag für ihn eine Haftstrafe zwischen 11 und 13 Jahren und für den 43-jährigen Taufkirchener nach einem Rechtsgespräch einen Strafrahmen von 10 bis 11 Jahre in Aussicht gestellt – ein Geständnis vorausgesetzt.

Beide Angeklagte räumen ihre Taten ein – Sachbearbeiter gibt tiefe Einblicke

„Mein Mandant räumt die in der Anklageschrift dargestellten Sachverhalte umfassend ein“, so Rechtsanwalt Jörg Sklebitz im Namen seines Mandanten. Und auch Dr. Kai Wagler, der Verteidiger des 43-Jährigen, schließt sich an. Beide Männer stimmen den Äußerungen ihrer Anwälte förmlich zu. Weitere Fragen zu den Tat-Komplexen wollen beide Angeklagte allerdings nicht mehr beantworten. „Wir haben ursprünglich ermittelt gegen Personen aus dem Umfeld der Hells Angels. Da ging es um Betäubungsmittel und Vorgänge im Rotlicht- Milieu“, so der Polizist.

Erstmals Ende 2020 sei den Beamten das Fahrzeug der beiden heute Angeklagten im Umfeld der Biker aufgefallen. Es folgten einige persönliche Treffen zwischen den Angeklagten und der Führungsriege der Biker – kurze Zeit später die vermeintlich ersten Drogen-Übergaben. Eine Bestätigung für diesen Verdacht erzielte die Polizei schließlich bei der Verhaftung eines Mitglieds der Hells Angels kurz nach einem Treffen mit den beiden Münchnern. Bei dem Biker wurde ein Kilogramm Cannabis beschlagnahmt.

Vorbericht - Dritter Verhandlungstag gegen Drogenlieferanten der Hells Angels

Bereits an den ersten zwei Verhandlungstagen wurde das Ausmaß der Tätigkeiten eines Dealer-Duos aus München deutlich: So haben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben, dass die beiden Männer spätestens seit 2020 großen Mengen Drogen und auch Waffen im südbayerischen Raum verkauft haben sollen. Aus der ausführlichen Anklageschrift, die Staatsanwältin Barbara Miller am ersten Verhandlungstag verlas, geht auch hervor, wer als Abnehmer im Raum Rosenheim fungierte - das örtliche Chapter der Biker-Gruppierung Hells Angels.

Handel mit Waffen und Drogen - lange Haftstrafen gefordert

In mehreren Verfahren wurden Mitglieder der Rosenheimer Hells Angels in diesem Zusammenhang bereits rechtskräftig verurteilt. Jetzt sollen die beiden Drogen-Lieferanten aus Taufkirchen und Neubiberg folgen. Am zweiten Verhandlungstag hatte der Verteidiger eines der beiden Angeklagten bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert; der zweite Angeklagte hielt sich bislang diesbezüglich allerdings zurück. Am dritten Verhandlungstag könnte sich dieser Umstand allerdings nun ändern, denn: Über seinen Anwalt will sich der 43-jährige Taufkirchener zu den Vorwürfen äußern. Und dürfte damit auch seinen Mit-Angeklagten schwer belasten.

Vorausgegangen war der Bereitschaft zur Aussage ein ausführliches Rechtsgespräch mit Staatsanwaltschaft und der vorsitzenden Richterin Christina Braune. Darin hatten sich die Prozessbeteiligten geeinigt, im Falle eines Geständnisses der Angeklagten eine Freiheitsstrafe für die gemeinschaftlich begangenen Taten in Höhe von 10 bis 11 Jahren für den 43-Jährigen und eine Strafe von 11 bis 13 Jahren für den 37-Jährigen nicht zu überschreiten.

Neben dem möglichen Geständnis eines oder sogar von beiden Angeklagten, wartet am dritten Prozesstag ein straffes Programm auf die Strafkammer. So soll auch der leitende Sachbearbeiter der Kriminalpolizei eine Aussage vor Gericht machen. Der Polizist hatte unter anderem die umfangreichen Überwachungsmaßnahmen des Dealer-Duos ausgewertet.

***chiemgau24.de berichtet am Freitag ab 9 Uhr wieder live und in Ausschnitten aus dem Gerichtssaal.***

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