Linke einstimmig gegen Olympia-Bewerbung

Traunstein - In seiner letzten Sitzung sprach sich der Kreisvorstand der Linkspartei nach langer Diskussion einstimmig gegen Olympia in Traunstein und dem BGL aus.

Wirtschaftspolitische Gründe, die zugunsten der Bewerbung angeführt werden, überzeugten die Anwesenden nicht. Vor allem wiegen eventuelle Vorteile für die regionale Wirtschaft, speziell den Tourismus, die ökologischen Kosten nicht auf, die zu befürchten sind. Wer erwartet, dass im Zuge der Vorbereitung der Olympischen Winterspiele dringende Infrastrukturmaßnahmen ausgeführt werden, der denkt zu kurzfristig, weil er übersieht, dass vorher und nachher umso mehr kommunale Aufgaben vernachlässigt werden müssen.

Die per Volksentscheid eingeführte, von der Linkspartei damals abgelehnte Schuldenbremse verschärft das Problem. Das heißt, das Vorhaben garantiert gerade keine nachhaltige Entwicklung der Region. Für die lokalen Handwerksbetriebe wird auch nicht viel vom Kuchen abfallen. Denn die Vorhaben müssen europaweit ausgeschrieben werden, und da kommen vermutlich eher große, meist auswärtige Firmen zum Zuge.

Die bestehenden Gasthäuser und Hotels erleben bestenfalls eine kurze Konjunktur, wenn ihnen nicht die Hotelkomplexe, die geplant sind, die Gäste wegnehmen. „Wir brauchen in den beiden Landkreisen keinen gigantomanischen 14-tägigen Kurzzeit-Event. Wir brauchen einen nachhaltigen Tourismus unter Berücksichtigung der Interessen der Gäste, der kleinen Beherbergungsbetriebe und Gaststätten sowie der klein- und mittelständischen Handwerksbetriebe“, so das Urteil.

Ähnliches gilt auch für den Sportsektor; denn es ist zu befürchten, dass die Konzentration auf den große Event dazu führt, dass die Förderung des Breitensports eher stiefmütterlich behandelt wird. Einer Täuschung erliegt, wer erwartet, dass die immensen Kosten der Winterspiele durch Ticketverkäufe, Fernseh- und Sponsorenrechte wieder hereinkommen würden, wie in dem Flyer des Landkreises behauptet.

Nach allem, was man weiß, behält sich das IOC in den Verträgen das Exklusivrecht auf solche Einnahmen vor. Ausschlaggebend für die Ablehnung seitens der Linken sind die ökologischen Folgen für die Region, die kaum absehbar seien. Genannt wurden die Beschneiungsanlagen, die unvermeidliche Zunahme des Verkehrs und der Ausbau der Verkehrswege.

Auch der Aufbau der temporären Sportstätten – immerhin fehlen von den erforderlichen Anlagen noch 20 Prozent – wird zu einem erhöhten Landschaftsverbrauch führen. Wenn man den Rückbau nach den Spielen mit bedenkt, so ist von einer hohen Belastung für Mensch und Natur auszugehen. Bedenklich findet „DIE LINKE“ die Benachrichtigung zum Bürgerentscheid, die vom Landkreis Traunstein zusammen mit einem Flyer pro Bewerbung um die Olympiade versandt worden ist.

Dieser Werbetext, um nicht von Propaganda zu reden, strotzt von Schönfärberei und falschen Einschätzungen oder Informationen, was zum Beispiel die Deckung der Kosten betrifft. Kann man da von den Bürgerinnen und Bürgern noch eine unvoreingenommene Entscheidung erwarten?

Pressemitteilung DIE LINKE Ortsverband Traunstein

Rubriklistenbild: © dpa

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