Mordprozess: Das Urteil ist gefallen!

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Traunstein/Mühldorf - Am heutigen Dienstag ist am Landgericht Traunstein der Mordprozess gegen einen 54-jährigen Mann aus Mühldorf fortgesetzt worden. Am frühen Nachmittag fiel das Urteil:

UPDATE 9.30 Uhr

Vor dem Traunsteiner Schwurgericht wurde am Vormittag der Mordprozess gegen einen 54-jährigen Mühldorfer fortgesetzt. Es ist bereits der dritte Verhandlungstag. Der Mann wird beschuldigt, vorsätzlich in der Wohnung eines 47-Jährigen Feuer gelegt zu haben. Dabei kam der Mann ums Leben.

Die Verhandlung am Dienstag begann mit der Verlesung der Vorstrafen des Angeklagten. Unter anderem stand der 54-Jährige schon mehrfach wegen Diebstahls, Körperverletzung, Weitergabe von Betäubungsmitteln und sogar wegen des Vorwurfs der Gefangenenbefreiung vor Gericht.

UPDATE 10.25 Uhr

Der psychologische Sachverständige Dr. Stefan Gerl machte anschließend seine Aussage. Er berichtete von einer langen Drogenvergangenheit des Angeklagten, der deshalb auch bereits mehrfach in stationärer Behandlung gewesen sei. Dabei habe er auch schizophrene Züge gezeigt: "Bei seinen Aufenthalten in den 70er- und 90er-Jahren hat er angegeben, dass er mit Tieren telefonieren könne und eine Antenne im Kopf habe, über die er gesteuert werde."

Bei den jüngsten Untersuchungen habe der 54-Jährige allerdings keine Anzeichen mehr für eine schizophrene Psychose gezeigt. Daher vermute der Gutachter, dass die früheren Störungen durch die Einnahme von Opiaten und Schmerzmitteln verursacht worden seien. Emotional sei der Angeklagte "unterkühlt und distanziert". Das zeigt sich auch während des gesamten Verfahrens: Er wirkt unbeteiligt und sitzt wie versteinert auf der Anklagebank.

Anschließend machte Dr. Gerl erneut Angaben zum Geständnis des 54-Jährigen, dass dieser bei der ersten Untersuchung abgelegt hatte: "Er wolle mit der Wahrheit herausrücken, hat er damals gemeint. Er habe seinem Nachbarn nur eine Lektion erteilen wollen und ihm daher den angezündeten Grillwürfel unter die Decke gelegt. Grund dafür sei Rache gewesen, weil sein Nachbar ihn in der Neujahrsnacht mit einer Eisenstange geschlagen habe. Er habe nur eine Rauchentwicklung verursachen wollen, habe allerdings vergessen, ein Fenster zu öffnen. Nach seiner Auffassung sei es ein Unfall gewesen." Während seinen Untersuchungen habe Dr. Gerl keine Beeinträchtigungen der geistigen Steuerungsfähigkeit beim Angeklagten feststellen können. Daher sei der 54-Jährige aus psychologischer Sicht voll schuldfähig.

UPDATE 11.50 Uhr - Die Plädoyers

Mit einigen offenen Fragen, was den Brandhergang angeht, wurde am Dienstagvormittag die Beweisaufnahme abgeschlossen. Dementsprechend schwer tat sich Staatsanwalt Andreas Miller in seinem Plädoyer, klare Beweise für die Schuld des Angeklagten anzuführen. "Der Brandgutachter hält es zwar am wahrscheinlichsten, dass der Brand in dem Schrank in der Küche ausgebrochen ist. Aber er hat auch die Möglichkeit eingeräumt, dass der Brand durch einen Grillanzünder unter der Decke des Opfers verursacht worden ist." Millers Theorie: Der 47-Jährige sei in der Küche aufgewacht, als er merkte, dass die Decke in Brand stehe. Er habe daraufhin die Decke gegen den Schrank geworfen, wo dass Feuer weiter brannte. Da er aber geglaubt habe, dass der Brand gelöscht sei, habe er sich anschließend ins Bett gelegt und sei dann an den Folgen einer Rauchvergiftung gestorben. "Daher können wir nicht von einem Tötungsvorsatz des Angeklagten ausgehen." Er fordert eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge und beantragt eine Strafe von elf Jahren und drei Monaten.

Verteidiger Jörg Zürner hingegen beschränkte sich in seinem Plädoyer auf die feststehenden Tatsachen: "Wir wissen nur, dass der Brandherd in der Küche war. Wie das Feuer entstanden ist, ist alles reine Spekulation." Außerdem sei seiner Meinung nach ein anderer Täter nicht auszuschließen. Er beantragte daher, den Angeklagten freizusprechen.

Update 14.40 Uhr: Das Urteil

Das Gericht schloss sich den Forderungen der Staatsanwaltschaft an und verurteilte den Angeklagten am Dienstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und zwei Monaten.

Update 14.50 Uhr: Urteilsbegründung

Zur Begründung des Urteils hieß es, das Gericht gehe davon aus, dass der Angeklagte den 47-Jährigen nur hatte verletzen wollen, als er ihm den Grillanzünder unter die Decke legt. "Das Opfer muss dann aufgewacht sein und hat die Decke wohl in die Nähe oder direkt in den Schrank geworfen." Anschließen habe sich der 47-jährige zum Schlafen hingelegt, weil er - nach Ansicht des Gerichts - geglaubt haben soll, dass das Feuer erloschen sei. Das Opfer ist dann an den Folgen einer Rauchvergiftung gestorben.

Am Montag blieben viele Fragen offen

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Am zweiten Verhandlungstag am Montag war eine Reihe von Fragen offen geblieben. Auch die Aussage eines Brandsachverständigen brachte wenig Licht ins Dunkel. Ausgeschlossen wurde, dass das Feuer durch eine brennende Zigarette oder glühende Asche verursacht wurde. Eine Rechtsmedizinerin sagte aus, dass sowohl Beschuldigter als auch Opfer erheblich alkoholisiert gewesen seien.

Zum Tod des 47-Jährigen führten demnach giftige Dämpfe. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten heimtückischen Mord aus Rache vor. Nach einem Streit Tage zuvor hatte der 54-Jährige gedroht, seinen Kontrahenten umzubringen.

Quelle: Bayernwelle Südost/redch24

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