29-Jährige: „Ich weigerte mich, 700 Euro zu zahlen“

Erpresserischer Schlüsseldienst kassierte in Ruhpolding ab: Freispruch vor Gericht

700 Euro fürs Tür Öffnen verlangte ein Schlüsseldienst von einer 29-jährigen Ruhpoldingerin - als sie sich weigerte, drohte der Mann damit, den Schlüssel einfach abzuziehen und die Frau mit ihren Kindern stehen zu lassen. Der Fall landete nun vor Gericht, doch der Angeklagte musste freigesprochen werden.

Ruhpolding/Traunstein - War es der 27-jährige Angeklagte aus Essen oder doch sein Bruder? Das Amtsgericht Traunstein konnte den Fall von Erpressung durch einen Schlüsseldienst am Dienstag, 16. März, nicht klären und musste den Mann freisprechen. Im Mai 2017 sollte eine 29-jährige Ruhpoldingerin 700 Euro zahlen, ansonsten bliebe die Türe verschlossen. „Ich bin mir sicher, dass er es ist“, deutete sie Richtung Anklagebank. Doch der Verteidiger brachte auch den Bruder als Angeklagten als möglichen Täter ins Spiel.

Abzocke durch Schlüsseldienst? Freispruch am Amtsgericht Traunstein

Die Nachbarin der Ruhpoldingerin, die ihr an dem Abend zur Seite stand, identifizierte dagegen den Bruder als Verantwortlichen. Er war als Zeuge für eine Gegenüberstellung ebenfalls nach Traunstein gekommen. Zum Teil sahen sich die Männer ähnlich, auch wenn sie etwa zehn Zentimeter Körpergröße trennt. „Ich kann nicht ausschließen, dass es der Bruder war“, begründete Richter Christopher Stehberger schließlich den Freispruch. Und was sagte der zwei Jahre ältere Bruder? Er könne sich ebenfalls nicht erinnern, an dem Abend in Ruhpolding gewesen zu sein.

Zunächst hantierte der Schlüsseldienst über anderthalb Stunden mit einer Plastikkarte an der Tür in Ruhpolding, schließlich wurde der Schließzylinder doch herausgebohrt und ausgetauscht. Innen steckte der Ersatzschlüssel der Frau. „Mit Aufschlägen wären es dann 700 Euro gewesen. Nachdem ich mich weigerte, ging er dann auf knapp 400 Euro mit dem Preis herunter“, erzählte die Ruhpoldingerin vor Gericht. „Wenn ich nicht unterschreibe und zahle, drohte er mir an, den Schlüssel abzuziehen“, so die Frau, die zusammen mit ihren zwei Kindern vor der Tür stand. Die Polizei rufen wollte sie nicht: „Man weiß ja nicht, wie derjenige dann reagiert.“

„Niemand weiß, wie diese Preise zustandekommen“

„Ich weiß nicht mehr, ob ich damals im Raum Traunstein gearbeitet habe“, verteidigte sich der 27-jährige Essener. Dass auf der Rechnung sein Name angegeben ist, könne nur daran liegen, dass womöglich sein Bruder, der ebenfalls beim Schlüsseldienst arbeitete, die selben Vordrucke nutzte. Eine Schriftprobe gab der Angeklagte bei der Polizei zwischenzeitlich ebenfalls nicht wie gefordert ab. „Diese Rechnung ist ohnehin undurchsichtig. Niemand weiß, wie diese Preise zustandekommen“, befand ein Sachverständiger vor Gericht. Zur Kalkulation wollte sich auch der Angeklagte selbst nicht äußern.

Der Bruder als möglicher Alternativtäter - mit den Worten von Richter Stehberger die „Rettung“ für den Angeklagten.

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Rubriklistenbild: © Holger Hollemann

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