Strafe wegen Tiermisshandlung beim Schlachten

"Die Sau ist doch genauso erschrocken wie ich" - Chiemgauer Metzger verurteilt

Traunstein - Von einem "Murks ohne Ende" sprach der Richter und verurteilte einen Metzger aus dem südlichen Landkreis nun wegen Tiermisshandlung: Für die Fehler bei zwei Schlachtungen muss der Mann nun blechen.

1200 Euro Strafe muss ein Metzger aus dem südlichen Landkreis Traunstein zahlen, weil bei zwei Schlachtungen zu viele Fehler gemacht wurden - so sahen es die Behörden, die an jenem Tag den Betrieb kontrollierten, und auch das Amtsgericht schloss sich am Dienstag dieser Ansicht an. Das Urteil lautete auf Tiermisshandlung


Richter: Das "Fiasko mit der Sau"

"Ich hatte einen kohlrabenschwarzen Tag", gestand der 49-Jährige. Am 18. März 2019 kontrollierten ihn Veterinäramt und Regierung von Oberbayern, wollten ihm beim Schlachten über die Schulter schauen. "Da steht man schon kasweiß in der Metzgerei. Da hat man nicht mehr viel zu melden", beschrieb der Schlachter sein Gefühl. Und tatsächlich lief dann einiges schief: Bei einem Schwein verfehlten die Stromstöße die Wirkung. Es wurde nicht bewusstlos sondern erlitt Schmerzen, sprang und schrie. Ein Ochse war erst nach dem vierten Schuss und rund drei Minuten betäubt. 

Ein Video von der missglückten Betäubung des Schweins wurde auch im Gericht vorgeführt. Nach dem "Fiasko mit der Sau" hätte man die Schlachtung des Ochsen danach wohl lieber bleiben lassen sollen, meinte Richter Wolfgang Ott in Richtung der Kontrolleure. Der Angeklagte behauptete, dass bei der Betäubung des Schweins gar kein Strom auf der Zange gewesen wäre. "Sie ist nur durch die spitzen Nadeln auf der Zange so gesprungen. Die Sau ist doch genauso erschrocken wie ich", verteidigte sich der gelernte Metzger. Er habe den Betäubungsapparat noch nie falsch angesetzt. Dass er gar nicht unter Strom stand, konnte er aber nicht beweisen. 


Vier Schüsse und ein Schnitt, bis der Ochse aufgab

"Bei der Ochsenschlachtung war kein einziger der vier Schüsse an der richtigen Stelle", meinte eine Vertreterin der Regierung von Oberbayern. Außerdem sei der Entblutungsschnitt nicht fachgerecht gewesen, das Tier habe danach noch geröchelt. Vier Schüsse brauche er sonst nie, schon zwei seien eine Seltenheit, so der 49-Jährige aus dem südlichen Landkreis Traunstein. "Ich war ja noch fix und fertig von der Sauschlachtung." Der "Todeskampf" und das Leiden des Ochsen seien deutlich erkennbar gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Normalerweise werden Rinder mit einem ersten Bolzenschuss ins Gehirn komplett betäubt, das Ausbluten nach dem Schnitt hat dann den Tod zur Folge. 

Der geforderte Freispruch von Verteidiger Tobias Kumpf verhallte vor Gericht. Dass auf der Betäubungszange kein Strom war, glaubte Richter Ott nicht. Doch ursprünglich wäre im Strafbefehl gegen den 49-Jährigen eine wesentlich höhere Geldstrafe angesetzt gewesen. "Ich will einem Tier doch keine Schmerzen zufügen. Ich komme mir gerade wie ein Schwerverbrecher vor", so der Angeklagte während der Beweisaufnahme. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

xe

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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