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Zwei Jungen im Schwimmbad Traunstein fast ertrunken

Schwimm- und Rettungsexperten aus dem Chiemgau geben Tipps im Falle eines Badeunfalls

Im Freibad in Traunstein wären kürzlich zwei Kinder beinahe ertrunken. Ersthelfer haben sie reanimiert und ihnen so das Leben gerettet.
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Im Freibad in Traunstein wären kürzlich zwei Kinder beinahe ertrunken. Ersthelfer haben sie reanimiert und ihnen so das Leben gerettet.
  • Alexandra Schöne
    VonAlexandra Schöne
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Wie schnell ein unbeschwerter Schwimm-Nachmittag in einem Badeunfall enden kann, haben kürzlich zwei Vorfälle im Traunsteiner Freibad gezeigt. Die Chiemgau-Zeitung hat mit Experten gesprochen, die Tipps für Ersthelfer und Eltern geben.

Traunstein – Innerhalb von zwei Wochen sind im Traunsteiner Freibad zwei Kleinkinder beinahe ertrunken. Die drei Jahre und vier Jahre alten Jungen wurden von aufmerksamen Badegästen aus dem Wasser gezogen und reanimiert. Sie haben beide überlebt.

Die Stadt Traunstein nennt die enge zeitliche Abfolge auf Anfrage einen „bedauerlichen Zufall“. In den vergangenen Jahren hat es laut Pressesprecherin Carola Westermeier keine derartigen Unfälle gegeben – obwohl vor der Pandemie immer deutlich mehr Besucher im Schwimmbad waren als zurzeit.

Menschen ertrinken lautlos

Am Tag des zweiten Vorfalls seien zwei Bademeister im Dienst gewesen, zusätzlich ein Rettungsschwimmer. Einer der Bademeister, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt, dass solche Unfälle nicht komplett verhindert werden könnten. Das Problem: „Kinder schreien beim Ertrinken nicht nach Hilfe, sie gehen lautlos unter und machen nicht durch Strampeln auf sich aufmerksam“, erklärt er.

Für ihn und seine Kollegen seien die Unfälle ein Schock gewesen – auch, wenn sie für solche Situationen ausgebildet seien. „Das löst Betroffenheit und tiefes Mitgefühl aus, insbesondere wenn kleine Kinder verunglücken.“

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Bei Badeunfällen im Chiemgau ist normalerweise der Ortsverband Traunstein-Siegsdorf der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zur Stelle. Meistens jedenfalls – sofern der Unfall in Seen oder Flüssen passiert und der Verletzte über das Wasser abtransportiert werden muss, sagt Vorstand Karl Weilharter. „Im Schwimmbad wird der Notruf meist erst abgesetzt, wenn die verunglückte Person außerhalb des Wassers ist. Und sobald das der Fall ist, übernimmt der Rettungsdienst.“

In Traunstein rückt zum Beispiel der Rettungsdienst des dortigen BRK Kreisverbandes aus. Wird jemand vor dem Ertrinken gerettet, sind laut Rettungsdienstleiter Hermann Schramm die Ersthelfer ausschlaggebend.

Sofort mit Reanimation beginnen

Diese sollten sofort mit der Reanimation beginnen, sagt er. Dazu gehören die Herzdruckmassage und auch das Beatmen über Mund und Nase. „Sauerstoff ist Leben“, sagt Schramm. „Man kann dabei nicht viel falsch machen, außer man macht nichts.“ Wer möchte, könne sich von Mitarbeitern der Integrierten Leitstelle unter der Notrufnummer 112 telefonisch anleiten lassen.

Wichtig sei vor allem, so lange zu reanimieren, bis der Rettungsdienst dies aktiv übernehme. Die Herz-Lungen-Wiederbelebung werde auch bis ins Krankenhaus fortgeführt, außer ein Notarzt stelle vorab den Tod des Menschen fest. Dieser zeige sich jedoch nicht – wie viele glauben – anhand des scheinbar nicht vorhandenen Pulses oder der Körpertemperatur. Sondern „ausschließlich von sicheren Todeszeichen“, wie Leichenstarre und Totenflecke. „Liegt der Patient auf dem Rücken, entstehen die Flecken dort“, sagt Schramm.

Laut dem Bundesverband Deutscher Bestatter entstehen Totenflecke, wenn das Herz aufhört zu schlagen und es das Blut nicht mehr durch den Körper pumpt. Das Blut sinkt nach unten und setzt sich in der Haut ab. Die Leichenstarre setzt in der Regel ein bis zwei Stunden nach dem Tod ein. Bei höheren Temperaturen kann sie aber auch schon früher beginnen.

Wassertemperatur ist ausschlaggebend

Wie lange jemand unter Wasser sein und anschließend erfolgreich reanimiert werden kann, sei immer unterschiedlich. Entscheidend ist laut dem Rettungsdienstleiter unter anderem die Wassertemperatur. Brechen Kinder zum Beispiel im Winter im Eis ein, kühle das Wasser den Körper sehr schnell herunter. Damit sinke auch der Sauerstoffbedarf von Gehirn und Organen. Die Sauerstoffreserven im Körper helfen Schramm zufolge dabei, länger zu überleben. „Es gibt Berichte, dass Kinder und Erwachsene über eine Stunde unter Wasser waren und trotzdem erfolgreich reanimiert wurden“, sagt er.

So lange waren die beiden Jungen im Traunsteiner Freibad nicht unter Wasser. Sie hatten das Glück, dass andere Badegäste aufmerksam waren. Und sie deshalb weiterleben können.

Schwimmlehrer Alexander Gallitz gibt Tipps für Eltern:

Alexander Gallitz kennt sich aus mit Wasser, Schwimmen und Kindern. Er ist Inhaber der Schwimmschule Flipper in Traunstein und gleichzeitig Präsident des Deutschen Schwimmlehrerverbandes. Wenn es um das Thema Schwimmfähigkeiten geht, sagt er: Alles fängt bei den Eltern an. Könnten diese nicht richtig schwimmen, hätten auch die Kinder Probleme damit, es zu lernen. Gallitz rät, mit den Kindern schon zum Babyschwimmen zu gehen und sie so früh wie möglich ans Wasser zu gewöhnen. Schweben, gleiten, tauchen, springen üben, die Augen unter Wasser aufmachen, auf den Rücken legen, mal mit Kleidung ins Wasser gehen – die Liste seiner Tipps ist endlos. „Das fängt in der Badewanne an“, sagt er. Am wichtigsten sei aber, dass die Eltern die Kinder am See oder im Schwimmbad nicht aus den Augen lassen: „Achtsamkeit ist das A und O.“ Das bestätigt auch der Traunsteiner Bademeister, der während des jüngsten Unfalls Dienst hatte. Schwimmflügel, Luftmatratzen oder Schwimmtiere böten keinen Schutz vor dem Ertrinken, sagt er. Er empfiehlt, dass sich Familien aus Sicherheitsgründen einen Platz auf der Liegewiese suchen und nicht entlang oder zwischen den Becken. So kann vermieden werden, dass die Kinder zufällig ins Wasser fallen.

Lebensretterin wird geehrt

Der Traunsteiner Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) ehrt die 19-jährige Rebecca Großmann, die beim Badeunfall in Traunsteiner Schwimmbad am Donnerstag, 17. Juni, den vierjährigen Jungen entdeckt und an den Beckenrand gezogen hatte. Die Ehrung findet am Mittwoch, 23. Juni, im Rathaus statt.

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