Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Prozess zu bewaffnetem Raubüberfall in Marquartstein

Die Plädoyers: Alle vier Angeklagten jahrelang ins Gefängnis oder zwei Freisprüche?

Ein Quartett aus dem Landkreis Rosenheim soll versucht haben in Marquartstein vermeintliche Schulden aus Kokain-Geschäften zu erpressen - am Landgericht Traunstein wurden am heutigen Dienstag die Plädoyers in dem Fall gehalten.

Update, 20 Uhr - Die Plädoyers

Wie sollen die vier Männer aus dem Landkreis Rosenheim für das gewaltsame Eintreiben der Drogenschulden in Marquartstein bestraft werden? Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehen weit auseinander. Der 22-jährigen Kolbermoorer – vom Staatsanwalt immer wieder als „Hauptaggressor“ bezeichnet – soll für satte neun Jahre ins Gefängnis, so der Anklageführer. Er schlug den 17-Jährigen Marquartsteiner mit einer Bierflasche und seinen Fäusten, habe einen „Hass“ auf ihn entwickelt.

Auch die anderen drei Angeklagten will der Staatsanwalt im Gefängnis sehen. Schließlich hatte „alles einen organisierten Charakter“. Bei den Schlägen festgehalten habe ihn der 33 Jahre alte Angeklagte aus Prien. Er soll dafür sechs Jahre hinter Gitter. Für die beiden anderen Angeklagten – 20 Jahre alt aus Prien bzw. 22 Jahre alt aus Rosenheim – fordert der Staatsanwalt drei Jahre und drei Monate bzw. drei Jahre Haft: „Denn wer da mitfährt, die Schläge wahrnimmt und mit in die Wohnung geht, zeigt erhebliche kriminelle Energie...“

Die Plädoyers der Verteidiger fallen gänzlich anders aus. „Deutlich zu hoch“ sei der Antrag der Staatsanwaltschaft, so Rechtsanwalt Georg Karl, der den 22-jährigen Hauptangeklagten aus Kolbermoor vertritt. Ja, die Tat sei „schwerkriminell“, aber unter anderem das Geständnis seines Mandanten oder seine unbehandelte Suchtkrankheit sei überhaupt nicht in die Einschätzung des Staatsanwaltes eingeflossen. Statt neun Jahren seien maximal sechs Jahre und vier Monate ausreichend, die ersten 33 Monate davon solle er weiterhin im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum therapiert werden.

Eine Bewährungsstrafe fordert Anwalt Andreas Kastenbauer für den 33-jährigen Priener, der den Geschädigten bei den Schlägen festgehalten haben soll - „das ist aber alles andere als bewiesen“, so Kastenbauer. Eine Zeugin, die die Vorgänge in der Marquartsteiner Wohnung mitansehen musste, konnte sich daran nicht erinnern. Für die beiden anderen Angeklagten, die nur nach Marquartstein mitfuhren und sich völlig im Hintergrund hielten, fordern die Anwälte Michael Vogel und Korbinian Ortner Freisprüche.

Das Urteil am Traunsteiner Landgericht wird am 2. Juni um 9.30 Uhr verkündet.

Update, 13.17 Uhr - Zwei Angeklagte mit etlichen Vorstrafen

Der Prozess gegen die vier Männer aus dem Landkreis Rosenheim, die im Oktober 2020 einen jungen Marquartsteiner in seiner Wohnung überfallen haben sollen, neigt sich langsam dem Ende entgegen. Nun wurde am Traunsteiner Landgericht das Vorstrafenregister der Angeklagten bekannt, später werden auch noch die Plädoyers von Verteidigern und Staatsanwaltschaft gehalten.

Es stellt sich heraus, zwei der Angeklagten haben noch absolut weiße Westen bei der Justiz: der 23-Jährige aus Rosenheim und der 20-Jährige aus Prien. Sie sind es auch, die beim Überfall nur passiv in der Wohnung gestanden sein sollen. Anders schaut die Sache dagegen beim 22-jährigen Hauptangeklagten aus Kolbermoor und dem 33-jährigen Priener aus.

Vor allem wegen Drogen - Besitz und Handel - wurde der Kolbermoorer mehrmals verurteilt, das erste Mal bereits mit 18 Jahren. Auch der Körperverletzung und einer versuchten, schweren räuberischen Erpressung hat er sich schon strafbar gemacht. Der 22-Jährige war beim Überfall auf eine Shell-Tankstelle in Rosenheim beteiligt. Berichtet wird, dass er bereits mit 14 Jahren mit Haschisch und Ecstasy Bekanntschaft machte, wenige Jahre später kamen auch Kokain und Speed hinzu.

„Ich möchte jetzt meinen Quali machen und dann die Mittlere Reife“, so der Angeklagte zur Vorsitzenden Richterin Heike Will. Denn nach der Schule fand der 22-Jährige keine Arbeit. Er sieht sich selbst auf einem besseren Weg und weiß auch schon, wohin es beruflich gehen soll.

Ganze zwölf Vorstrafen sind es beim Angeklagten aus Prien, der 33 Jahre alt ist. Die Urteile reichen von Körperverletzung über Sachbeschädigung und Betrug bis hin zur Trunkenheit im Verkehr. Auch in seinem Leben spielte Kokain bisher eine Rolle – wie auch in der Nacht vor der Tat. Der 22-jährige Kolbermoorer sei es gewesen, der in Marquartstein dann der „Rädelsführer“ war und das Opfer – damals erst 17 Jahre alt – mit Schlägen traktierte und einem Messer bedrohte. Der 33-jährige Priener habe ihn bei den Schlägen teils festgehalten. 

Erstmeldung

Marquartstein/Traunstein - Zwei der jungen Leute, die sich am 4. Oktober 2020 in der Marquartsteiner Wohnung aufhielten, die überfallen wurde, sagten vor dem Landgericht bereits aus. Womöglich soll am heutigen Dienstag (17. Mai) das Urteil am Traunsteiner Landgericht gesprochen werden.

Die Angeklagten - vier Männer aus dem Landkreis Rosenheim - müssen sich wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung verantworten. Am ersten Verhandlungstag wären die Angeklagten mit ihren Aussagen an der Reihe gewesen: Drei von ihnen schwiegen aber zu den Vorwürfen. Vom Hauptangeklagten - 22 Jahre alt und aus Kolbermoor - kam zumindest ein Teilgeständnis. Seine drei Kumpanen seien zwar dabei gewesen, hätten sich aber an nichts beteiligt.

Vom damals erst 17 Jahre alten, vorrangigen Opfer soll das Quartett zuerst nur 50 Euro gefordert haben. Im Laufe der Auseinandersetzungen verlagerte sich das Geschehen aus dem Freien hinein in die Marquartsteiner Wohnung. Dort habe der 22-jährige Hauptangeklagte dann die „Schulden“ aus dem Kokain-Geschäften aber auf über 3000 Euro erhöht. Dem 17-Jährigen sei ein Messer an den Hals gedrückt worden, auch Schläge habe es gesetzt. Laut Staatsanwaltschaft habe ein 33-jähriger Angeklagter aus Prien den Teenager auch noch festgehalten, als er geschlagen wurde.

Die Verhandlung am Traunsteiner Landgericht beginnt um 9.30 Uhr. chiemgau24.de berichtet aktuell vom Prozess.

xe

Rubriklistenbild: © Montage pa/dpa