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30-jähriger psychisch Kranker vor Gericht

Urteil um Discounter-Großbrand in Großkarolinenfeld gefallen - aber nicht alle Fragen geklärt

Der Supermarkt in Großkarolinenfeld fiel den Flammen zu Opfer.
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Großbrand bei der Netto-Filiale in Großkarolinenfeld am 25. Juni 2021. Wegen der Brandstiftung am Supermarkt fällt am Montag wohl das Urteil gegen den mutmaßlichen Täter am Landgericht Traunstein.

Lichterloh brannte die Netto-Filiale am 25. Juni in Großkarolinenfeld - der Gesamtschaden: rund 3,5 Millionen Euro. Gegen den Täter wird am Montag wohl das Urteil gesprochen. „Es kam alles zusammen an diesem Tag“, sagte der 30-Jährige. Er soll unter Wahnvorstellungen gelitten haben.

Großkarolinenfeld/Traunstein - Wie ist die Brandstiftung am Netto-Supermarkt in Großkarolinenfeld im Juni rechtlich zu bewerten? Am Montag (6. November) wurde am Traunsteiner Landgericht das Urteil gesprochen. Der mutmaßliche Täter ist ein 30-Jähriger aus Großkarolinenfeld. Er war bereits am ersten Verhandlungstag voll geständig: „Es kam alles zusammen und an diesem Tag ist etwas in mir explodiert“, so der gebürtige Bosnier.

Update, 16.20 Uhr - Urteil um Discounter-Großbrand in Großkarolinenfeld gefallen

Was sich an der Großkarolinenfelder Netto-Filiale am 25. Juni abspielte, ist für Richter Andreas Bartschmid klar: „Der Angeklagte begab sich zum Supermarkt, nahm einen Stein und warf die Eingangstür ein. Dann zündete er an vier Stellen im Supermarkt Waren an, wohl mit einer Spraydose und einem Feuerzeug“, so der Richter. Weil das Gericht aber die psychische Krankheit des 30-Jährigen als erwiesen ansieht, könne er für die vorsätzliche Brandstiftung nicht bestraft werden. Der Mann wird deshalb in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.
 
„Es besteht die Gefahr, dass es beim Angeklagten weiterhin zu aggressiven Impulsdurchbrüchen kommt, die er nicht mehr steuern kann“, begründet es Richter Bartschmid. Eine Sachverständige, die den 30-jährigen Bosnier untersuchte, stellte bei ihm eine paranoide Schizophrenie fest. Er selbst gab an, „Geräusche“ gehört zu haben, die von einem „Magneten“ stammten, der ihm angeblich ins Ohr eingepflanzt worden sei. Er selbst bestritt die Tat aber vor Gericht nie.
 
Alles konnte aber durch den Prozess nicht aufgeklärt werden: „Was genau der Angeklagte im Supermarkt wollte, konnten wir nicht klären“, so der Richter. Dass er wirklich auf der Suche nach Geld war, hält das Gericht für unwahrscheinlich. Denn der Angeklagte hatte über 300 Euro Bargeld bei sich. „Wir sind uns nur sicher, dass es mit seiner psychischen Verfassung zusammenhängt.“ Ein Nachbar bemerkte schon früh den Einbruch in den Großkarolinenfelder Discounter und die Polizei erwischte den Mann auch auf frischer Tat, aber die Brandherde konnten nicht mehr früh genug gelöscht werden. Der Schaden wird von Richter Andreas Bartschmid auf „mindestens zwei bis drei Millionen Euro“ beziffert. Das Urteil ist rechtskräftig. 

Update, 15 Uhr - „Ich möchte mich entschuldigen“

Bei den Plädoyers herrscht Einigkeit: Weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung bezweifeln, dass der 30-jährige Angeklagte am 25. Juni die Netto-Filiale in Großkarolinenfeld in Brand steckte - und dass die Gründe dafür in seiner psychischen Krankheit zu finden sind. Auch Geld habe für den Mann keine Rolle gespielt, so die Staatsanwaltschaft. „Der Angeklagte bestritt auch nie, dass er die Tat beging“, so Staatsanwalt Markus Andrä.

Die psychische Krankheit des Angeklagten sei einerseits unbehandelt geblieben, andererseits habe er keine Krankheitseinsicht, so Verteidigerin Gabriele Sachse. Genau wie die Staatsanwaltschaft plädiert sie, den 30-Jährigen, der zur Tatzeit in Großkarolinenfeld wohnte, in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen und nicht in einer JVA. Vor dem Urteilsspruch wendet sich der Angeklagte auch mit letzten Worten ans Gericht: „Ich möchte mich nur entschuldigen.“ 

Nun fehlt nur noch das Urteil des Traunsteiner Landgerichts. 

Update, 12.10 Uhr - Gutachterin sieht Wahngedanken bei Angeklagtem

„Er wirkte geordnet“, berichtet die psychiatrische Gutachterin von ihren beiden Treffen mit dem Angeklagten - aber dazu gehöre eben auch, dass der 30-Jährige seine psychischen Auffälligkeiten leugne. Er wolle lieber ins Gefängnis, als Medikamente zu nehmen. Auch ihr gegenüber berichtete der Mann von „Geräuschen“ in seinem Ohr. Sie seien durch Metalle oder Magneten ausgelöst, die ihm eingepflanzt worden wären. Der Magnet hätte außerdem Elektroschocks ausgelöst. „Wahngedanken“, sind es in den Worten der Sachverständigen.

Auch ein HNO-Arzt habe ihn deswegen im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum untersucht, doch „nichts Wegweisendes“ finden können. Auch einen Tinnitus hält die Sachverständige für äußerst unwahrscheinlich. Sie geht davon aus, dass der 30-Jährige, der zur Tatzeit in Großkarolinenfeld wohnte, bereits seit fünf Jahren unter paranoider Schizophrenie leidet. Ohne Medikamente könne sich ein chronisches Störungsbild mit hohem Risiko für Gewaltkriminalität entwickeln. Die Sachverständige empfiehlt deshalb eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.
 
Nun werden Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers halten, gefolgt vom Urteil des Traunsteiner Landgerichts. 

Update, 10.40 Uhr - Polizist berichtet von seinem Einsatz

Zwei Polizisten, die am Abend des 25. Juni am brennenden Netto-Supermarkt in Großkarolinenfeld vor Ort waren, berichten dem Traunsteiner Landgericht nun als Zeugen. Einer der Beamten erzählt, wie er mit einem Feuerlöscher den Discounter betrat. „Der erste Brandherd war bei den Süßigkeiten, die habe ich gelöscht. Dann bin ich weiter in die Mitte des Supermarktes gegangen und hab beim zweiten Brandherd, bei den brennenden Backwaren, den Feuerlöscher leergemacht.“ Von insgesamt vier brennenden Stellen berichtet der Polizist.
 
Auch ein Kriminalpolizist wird vernommen, der etwas später am Tatort in Großkarolinenfeld eintraf. Der 30-jährige Angeklagte sei da schon von uniformierten Kollegen festgenommen und zur Polizeiinspektion nach Rosenheim gebracht worden. Der Zeuge beschreibt, was sich abspielte: „Bei unserem Eintreffen war es schon viel zu gefährlich, in das Gebäude hineinzugehen.“ Durch die Verpuffung habe dann schlagartig der ganze Supermarkt gebrannt: „Wir konnten nicht mehr viel machen.“ 

Nun wird eine psychiatrische Gutachterin Auskunft über den Angeklagten geben. Von der Staatsanwaltschaft wurde er bisher als schuldunfähig eingeschätzt, weil er unter einer schweren psychischen Krankheit leiden soll. 

Brand des „Netto“ in Großkarolinenfeld - Urteil am Landgericht

„Ich habe einen Stein gegen die Tür des Supermarkts geworfen, bin hineingegangen und wollte Geld aus der Kasse nehmen. Aber es war kein Geld da“, erklärte er seine Tat. Das habe in ihm „etwas ausgelöst“, es sei „irgendetwas passiert“. Er habe an zwei oder drei Stellen im Supermarkt Feuer mithilfe eines Feuerzeugs und eines Deo-Sprays, das er im Supermarkt gefunden habe, gelegt. Auch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 30-Jährige während der Tat unter einer Schizophrenie mit Wahnvorstellungen litt. Er habe deshalb im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt.

Supermarkt in Großkarolinenfeld geht in Flammen auf

Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre
Brand eines Supermarktes am 25. Juni.
Brand eines Supermarktes am 25. Juni. © jre

Der Gesamtschaden für den Discounter beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf mindestens 3,5 Millionen Euro: Der Neubau wird mit 2,3 Millionen Euro veranschlagt, Umsatzausfall und der Wert der vernichteten Waren sind mit mindestens einer Million Euro anzusetzen und der Abriss habe des zerstörten Supermarktes habe 200.000 Euro gekostet. Angeklagt ist der Mann aber nicht nur wegen vorsätzlicher Brandstiftung, sondern auch wegen Besitzes von Jugendpornografie. Denn bei den Ermittlungen fand man auch zwölf dementsprechende Fotos auf seinem Handy.

Die Verhandlung am Traunsteiner Landgericht wird am Montag um 9 Uhr fortgesetzt. Es werden zwei weitere Zeugen sowie die Gutachten gehört, ehe Plädoyers und Urteil erwartet werden.

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xe

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