Elektroschocker und Machete sollen zum Einsatz gekommen sein

Brutale Wohnungsüberfälle im Chiemgau: Gericht verhängt lange Haftstrafen

Traunstein/Traunreut - Insgesamt 24 Jahre Haft forderte der Staatsanwalt im Plädoyer - wie fallen heute die Urteile aus? Vier Männer stehen wegen zwei Wohnungsüberfällen in Traunreut und Traunstein vor Gericht.

Update, 16.39 Uhr - Brutale Wohnungsüberfälle im Chiemgau: Gericht verhängt lange Haftstrafen

Das Traunsteiner Landgericht hat die Urteile gegen die vier Männer gefällt. Die beiden Angeklagten, die bei beiden Überfällen in Traunreut und Traunstein dabei waren, müssen die härtesten Strafen hinnehmen. Acht Jahre ins Gefängnis muss ein 48-jähriger Garchinger, der dem Opfer in Traunstein unter anderem mit einer Machete drohte. Gefährliche Körperverletzung, besonders schwerer Raub, Verschaffen von Drogen und versuchte Nötigung urteilt das Gericht.

Sieben Jahre Haft bekommt ein 33-jähriger Traunreuter aufgebrummt, der ebenfalls an beiden Überfällen beteiligt war. Er soll beim Überfall in Traunstein dem Opfer einen Elektroschocker angelegt haben. Die Straftatbestände sind die gleichen wie bei seinem 48-Jährigen Komplizen. 

Die anderen beiden Angeklagten, die nur bei einem der Überfälle dabei waren und dort nur eine „unterstützende“ Rolle spielten, wie es der Vorsitzende Richter Erich Fuchs nennt, kommen glimpflicher davon. Ein 37-jähriger Chieminger bekommt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Er soll beim Raub Beihilfe geleistet haben. Außerdem wurde er wegen Körperverletzung und Verschaffen von Drogen verurteilt.

Der vierte Angeklagte, 32 Jahre alt und aus Traunreut, kommt mit einer Geldstrafe von rund 1000 Euro davon: Beihilfe zur Körperverletzung und Besitz von Rauschgift. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. 

Erstmeldung:

Ein Traunreuter wurde in seiner Wohnung - vor den Augen seiner 79-jährigen Mutter - zusammengeschlagen, weil drei der Angeklagten wohl etwas „klären“ wollten. Die Tat geschah im April 2019. Einen Traunsteiner traf es laut Anklage wesentlich härterBei ihm tauchten drei der Angeklagten angeblich mit Machete und Elektroschock-Gerät auf. Handy, Geld und Cannabis-Produkte für seine Krankheit wurden dem Mann abgenommen. Am ersten Prozesstag berichtete er vom Überfall vor Gericht.

Urteil zu Wohnungsüberfällen in Traunreut und Traunstein

Gegen die vier Männer wird am heutigen Dienstag, 27. Oktober, das Urteil gesprochen. Das Traunsteiner Landgericht kommt dafür um 16 Uhr zusammen. Die Angeklagten sind zwischen 32 und 48 Jahre alt und alle im Landkreis Traunstein groß geworden. Im Plädoyer forderte die Staatsanwaltschaft insgesamt über 24 Jahre Haft für die Männer. Besonders im Zentrum stehen die beiden Männer, die an allen zwei Raubüberfällen beteiligt gewesen sein sollen. 

Ein 48-jährige Garchinger - 23-fach vorbestraft - sei „Auslöser beider Überfälle“ in Traunreut und Traunstein gewesen. Er habe in der Traunsteiner Wohnung dem Opfer auch mit der Machete gedroht. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn neun Jahre Haft, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und besonders schweren Raubs. Die Verteidigung sah knapp die Hälfte als ausreichend. Ebenfalls an beiden Überfällen beteiligt war ein 33-jähriger Traunreuter. Er soll beim Überfall in Traunstein den Elektroschocker betätigt haben. Er stand unter offener Bewährung. Acht Jahre will ihn die Staatsanwaltschaft im Gefängnis sehen, die Verteidigung forderte vier Jahre.

Für die beiden anderen Angeklagten plädierten die Anwälte auf Freispruch. Sie seien bei den Überfällen nur dabei gewesen und hätten sich passiv verhalten. Die Staatsanwaltschaft forderte für die Männer aus Chieming bzw. Traunreut dagegen sechs Jahre Haft bzw. eine Haftstrafe von 15 Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Im Wesentlichen waren die Angeklagten geständig: Keiner leugnete, an einem der Tatorte in Traunreut oder Traunstein gewesen zu sein.

chiemgau24.de wird aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

xe

Rubriklistenbild: © Boris Roessler

Kommentare