Überfall in Kolbermoor

"Habe die Mordlust in den Augen gesehen"

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Der 53-jährige Kolbermoorer soll von den Angeklagten im Juni 2013 brutal gefoltert worden sein.
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Traunstein – Stundenlang sollen drei Männer einen 53-jährigen Kolbermoorer gefoltert und gequält haben. Das Opfer berichtete nun über die grausamen Details der Tat.

Drei Männer, im Alter zwischen 28 und 45 Jahren, müssen sich derzeit vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten, weil sie einen Kolbermoorer im Juni 2013 brutal gefoltert haben sollen. Unter anderem sollen sie ihn mit Faustschlägen und Fußtritten ins Gesicht malträtiert haben. Anschließend soll einer der mutmaßlichen Täter versucht haben, ihm ein Finger abzuschneiden, und ein anderer soll dem 53-Jährigen ein Messer in den Bauch gestoßen haben, wobei der Dünndarm des Opfers sechsfach perforiert wurde.

Am zweiten Verhandlungstag schilderte das Opfer selbst die grausame Tat in allen Einzelheiten, die ihm noch im Gedächtnis geblieben sind. Zuvor ging er aber noch auf die Vorfälle mit der Kellnerin ein, die zu den Folterungen geführt haben sollen. Sie habe ihm an dem Abend, einige Wochen vor der Tat, zweimal das Bier ausgeschüttet und habe wie eine Furie reagiert, als er sie darauf angesprochen habe. "Weiter weiß ich nur noch, dass ich rückwärts durch die Luft geflogen bin. Als ich hochgeschaut habe, waren da vier Männer, die zu mir gesagt haben, ich solle verschwinden." Am nächsten Tag habe er dann Strafanzeige wegen Körperverletzung, unter anderem gegen die Kellnerin, bei der Polizei gestellt. Dass dies der Hintergrund für die Tat gewesen sei, habe er allerdings erst später mitbekommen.

Opfer schildert die Folterungen

"Ich habe auf meine damalige Verlobte gewartet, die noch in dieser Nacht bei mir vorbeikommen wollte. Voller Vorfreude habe ich dann um 2.30 Uhr die Tür geöffnet, als es geklingelt hat und wurde mit einem massiven Faustschlag empfangen." Statt seiner Lebensgefährtin standen nämlich drei Männer an seiner Wohnungstür. Anschließend hätten sie ihm mehrere Schläge und Tritte gegen den Kopf verpasst. Genau könne er sich daran aber nicht erinnern, weil er immer wieder bewusstlos geworden sei. Erst im Wohnzimmer sei er wieder zu sich gekommen. "Da hat mich der 45-Jährige dann vor die Alternative gestellt: 'Finger ab oder Messer ins Herz'. Ich habe mich dann für den Finger entschieden." Danach habe der Angeklagte versucht, seinen kleinen Finger abzuschneiden. "Auch die anderen beiden Täter haben an meinem Mittel- und Zeigefinger herumgeschnitten. Das waren aber nur oberflächliche Verletzungen." Sein kleiner Finger sei aber bis heute taub und krumm.

Anschließend habe ihm dann der 28-jährige Angeklagte ein Messer in den Bauch gerammt. Im Gespräch mit chiemgau24.de meinte der Geschädigte: "Ich habe die Mordlust in seinen Augen gesehen." Danach sei er zu Boden gegangen, bevor ihm der 45-Jährige noch einen Fußtritt gegen den Kopf verpasst habe: "Ich konnte hören, wie die Knochen zermatschen", so das Opfer vor Gericht.

Mit seinen lebensgefährlichen Verletzungen schleppte er sich dann zur Wohnungstür, wo er gegen 11.45 Uhr von seiner Vermieterin gefunden wurde.

Angeklagte belasten sich gegenseitig

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte einer der Angeklagten, ein 45-jähriger Koch, ein teilgeständnis abgelegt. Er räumte ein, mit dem Messer am Finger des Geschädigten herumgeschnitten zu haben. Zudem habe er dem Kolbermoorer einige Faustschläge ins Gesicht verpasst. Von den Messerstichen in den Bauch des Opfers wisse er nichts. Grund für den Übergriff sei Rache gewesen: Weil der 53-Jährige eine Kellnerin und Lebensgefährtin eines der Angeklagten zwei Wochen vor der Tat hart angepackt und sie anschließend angezeigt haben soll, wollten sie ihm dafür eine "Abreibung verpassen", so der 45-jährige Angeschuldigte.

Der 28-jährige Angeklagte belastete mit seiner Aussage den Koch schwer. Selbst habe er nur einige Faustschläge gegen den Geschädigten geführt. Wie es zu dem Bauchstich gekommen sei, könne er sich nicht erklären. Der dritte Angeklagte machte keine Aussage zum Fall.

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