Mann aus Bergen wegen Anbau verurteilt

Cannabis-Öl gegen Krebs? Richter: "Sie haben einen Heilerwahn"

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Traunstein/Bergen - Er baute im Keller kiloweise Marihuana an, doch wollte er damit angeblich kein Geld verdienen, sondern mit Cannabis-Öl Krebs heilen - verurteilt wurde der Bergener nun trotzdem. 

Knapp vier Kilogramm Marihuana erntete ein 52-jähriger Bergener von seiner Aufzuchtanlage im Keller. Anfang Oktober 2018 erwischte ihn die Polizei, nun wurde der geständige Mann am Donnerstag vom Amtsgericht Traunstein verurteilt: Zwei Jahre Haft auf Bewährung lautete das Urteil. Der Bergener stellte aus den Pflanzen Cannabis-Öl her und gab es Bekannten, in der Hoffnung, damit Krebs zu heilen.

Cannabis-Öl habe Krebs besiegt - Richter: "Blanker Unsinn"

"Auch wenn es aus schulmedizinischer Sicht blanker Unsinn ist, war die Sicht des Angeklagten, damit Krebsleiden lindern zu können", so Richter Wolfgang Ott in der Urteilsbegründung: "Es gibt kein Indiz, dass er das Marihuana oder das Öl gewinnbringend verkauft hat. Der Angeklagte ist damit anders zu behandeln, als ein gewöhnlicher Giftler." Das Urteil lautete schließlich auf unerlaubten Besitz, Herstellung und Abgabe von Betäubungsmitteln, nicht aber auf Handeltreiben. 

Je 70 Gramm Cannabis-Öl gab der Bergener einem Bekannten aus Ungarn ("Er wollte sich ausprobieren") und einer krebskranken Frau, wie er vor Gericht aussagte. Im Gegenzug habe er Heilerde von der Frau erhalten, die von Edelsteinen energetisch aufgeladen sei - aber kein Geld: "Heilsteine, Pendeln, Rutengehen, diese 'alternativen Geschichten' interessieren mich schon lange", so der 52-Jährige. Richter Ott hielt dagegen: "Man kann sich schon mit sowas beschäftigen, aber man kann auch in ein Extrem hineinfallen und nicht mehr herauskommen. Und Sie sind da schon drin, in einem Heilerwahn. Sie leben in einer Scheinwelt."

Marihuana-Reste angeblich auf Komposthaufen entsorgt - oder im Müsli

Als "durchaus intelligent, ruhig und besonnen" beschrieb ein psychiatrischer Gutachter den Mann vor Gericht. "Können Öle Krebs heilen?" wollte der Richter vom Gutachter wissen: "Man liest zwar manchmal davon, aber ich persönlich wüsste davon nichts. Auch die Studienlage weist nicht darauf hin." Der Angeklagte war dagegen überzeugt, dass - neben einer herkömmlichen Operation - auch sein Cannabis-Öl der Bekannten half, den Krebs zu besiegen. 

Die Staatsanwaltschaft blieb skeptisch: Für die Herstellung des Öls wurde nämlich nur ein kleinerer Teil des Marihuanas verwendet - was passierte also mit dem Rest? Ein Teil sei verschimmelt, ein anderer Teil von Spinnmilben befallen worden, so der Angeklagte. Außerdem habe er die Marihuanastengel auch ins Müsli gemischt oder die Reste auf den Komposthaufen geworfen. "Eine Bewährung ist auch nur deshalb gerade noch vertretbar, weil sie schon fast sieben Monate in Untersuchungshaft gesessen sind", so Richter Wolfgang Ott zum Urteil.

Verteidiger Günter Reisinger und sein Mandant waren mit dem Urteil zufrieden, die Staatsanwaltschaft überlegt noch, ob sie Rechtsmittel dagegen einsetzt - das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig. 

xe

Rubriklistenbild: © Pixabay 7raysmarketing

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