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DIVI warnt: „Momentan nicht unter Kontrolle...“

Corona-Lage in der Region: Kliniken Südostbayern treffen intern erste Vorbereitungen für Triage

Corona-Intensivstation in einer Klinik (Archivbild)
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Corona-Intensivstation in einer Klinik (Archivbild).

München/Landkreis – Die Corona-Zahlen in Bayern und der Region sind zuletzt dramatisch gestiegen. Deswegen wird auch die Lage auf den Intensivstationen immer prekärer. Bei den Kliniken Südostbayern werden intern deswegen sogar nun erste Triage-Vorbereitungen getroffen.

Ob es in den Kliniken des Verbundes in den Kreisen Traunstein und/oder Berchtesgadener Land tatsächlich zu Triage-Situationen kommen wird, ist zwar derzeit noch offen, allerdings bereiteten sich die Kliniken zusammen mit der Ethikkommission intern darauf vor. Dies sagte der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Südostbayern, Uwe Gretscher, dem Bayerischen Rundfunk (News-Ticker Dienstag, 23. November).

Vor allem die „nächsten zwei Wochen“ würden Ärzten, Pflegern und sonstigem Personal große Sorgen bereiten, da die nun getroffenen Maßnahmen erst verzögert wirken würden, hieß es. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte Ende letzter Woche einen nochmals verschärften Kurs im Kampf gegen Corona und Impf-Verweigerer angekündigt. chiemgau24.de hatte ausführlich darüber berichtet. Die „harte Notbremse“ für Hotspots würde dabei vom Klinikpersonal „sehr begrüßt“, so der Klinik-Vorsitzende weiter. Weitere Probleme bereiten Personalmangel und schwere Covid-Verläufe bei immer jünger werdenden Patienten (Plus-Artikel).

Dr. Jens Deerberg-Wittram, Geschäftsführer der RoMed-Kliniken in Stadt und Landkreis Rosenheim, hatte bereits vor rund zehn Tagen gewarnt: „Wenn ein Patient, der eigentlich auf Intensiv liegen sollte, auf Normalstation kommt, birgt das ein gewisses Risiko.rosenheim24.de hatte darüber berichtet (Plus-Artikel). Das Wort „Triage“ wurde damals vermieden, allerdings wurden die „Abstriche“, die derzeit in den Kliniken teilweise bereits gemacht werden müssen, geschildert. Diese verdeutlichen die dramatische Lage: Weg vom Personalschlüssel 1:2, weg von Monitorüberwachung und Beatmung sowie Stationen, auf denen vier oder fünf Pflegekräfte bis zu 24 Patienten umsorgen müssen – und damit nicht mehr zwingend umgehend und optimal auf die Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Patienten reagieren zu können.

Kurzfristig fünf freie Intensivbetten im InnKlinikum

Auch die aktuellsten Zahlen aus der Region verdeutlichen die extrem angespannte Situation. Die Hospitalisierungsinzidenz in Bayern liegt in Bayern derzeit bei 8,7 (Quelle/Stand: LGL, 22. November, 8 Uhr). Der Wert ist im Vergleich zum Vortag zwar leicht gesunken, aber Südostbayern bleibt weiter im Fokus: Die Intensivbetten-Auslastung im Leitstellenbezirk Rosenheim (Stadt und Landkreis Rosenheim, Landkreis Miesbach) liegt derzeit bei sehr hohen 87,9 Prozent (Vortag 88,4).

Im Zuständigkeitsbereich der ILS Traunstein (Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting) lag die Auslastung am Montag (22. November) gar bei 97,0 Prozent. Am Dienstag (23. November) sank der Wert auf 90,9 – was allerdings teilweise der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass im Landkreis Mühldorf kurzfristig fünf freie Intensivbetten gemeldet worden sind (Quelle/Stand: DIVI, 23. November, 6.15 Uhr). Dies dürfte - zumindest teilweise - in Zusammenhang mit der Tagesmeldung aus dem Innklinikum vom 22. November stehen, wo die Kliniken für den Zeitraum zwischen 19. und 21. November fünf Patienten mit Wohnsitzen in den Landkreisen Mühldorf bzw. Altötting meldeten, die im Zusammenhang mit Corona im Krankenhaus verstorben seien.

„Corona-Lage momentan nicht unter Kontrolle“

Laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) würde es inzwischen fast überall in Deutschland bereits Patientenverlegungen wegen überlasteter Kliniken geben. „Die Corona-Lage ist sehr besorgniserregend und momentan nicht unter Kontrolle“, sagte Divi-Präsident Gernot Marx. Man mache sich große Sorgen. Mehr als 3670 Covid-19-Patienten würden derzeit auf Intensivstationen in Deutschland versorgt, knapp 1200 seien vergangene Woche hinzugekommen. Regional, etwa in Bayern, Thüringen, Sachsen und einigen Ballungszentren seien die Intensivstationen bereits überlastet.

Doch die Verlegungen werden bereits zunehmend schwieriger. Weil die Infektionszahlen überall steigen und die Kliniken sich füllen, könnten Abverlegungen nicht mehr so einfach erfolgen, schilderte Gretscher weiter. Deswegen sei in den Kliniken Südostbayern derzeit nur noch die „absolute Notfall-Versorgung“ gewährleistet. Alle nicht dringlichen Operationen wurden bis auf weiteres verschoben, auch von Krebs-Patienten.

Triage-Team im Landkreis Neu-Ulm gegründet

Und auch in anderen Regionen in Bayern wird die Situation immer prekärer, wie nun ein weiteres Beispiel aus dem Landkreis Neu-Ulm in Schwaben belegt. Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wurde dort ein Triage-Team gegründet. Dies gehe aus einem Schreiben an Mediziner hervor, das unter anderem Landrat Thorsten Freudenberger (CSU) unterzeichnet hat, hieß es weiter. Die zuständige Kreisverwaltungsbehörde hat inzwischen bestätigt, dass es ein solcher Brief existiert.

Im Landkreis Neu-Ulm betrifft es die Kreisspitalstiftung Weißenhorn, die an insgesamt drei Orten die Kliniken des Landkreises betreibt. Eine Sprecherin der Stiftung erklärte, dass zunächst die Pandemie-Beauftragten klären sollten, wie weiter vorgegangen werden soll. Die Maßnahmen seien bisher „rein präventiv“, konkrete Schritte zur sogenannten Triage noch nicht geplant. Es sei Klinikalltag, dass Ärzte entscheiden, wie Patienten behandelt werden, sagte sie.

mw/mh

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