Offener Führungsstreit in der CSU

Auch Traunsteins JU und Walch wollen Horst "Drehhofer" loswerden

+
Auch Traunsteins JU-Delegierte Baur und Walch sprechen sich nun offen gegen den CSU-Parteivorsitzenden Horst Seehofer aus.
  • schließen

Traunstein/Erlangen - Von einem Putsch ist die Rede: Die JU stellte sich am Wochenende offen gegen Horst Seehofer - anders als viele Oberbayern in der CSU will ihn auch der Traunsteiner Parteinachwuchs loswerden. *Mit Voting*

Nichts weniger als den Rücktritt des Parteivorsitzenden forderte die bayerische Junge Union bei ihrer Landesversammlung am Wochenende in Erlangen - zu jenen, die offen am Stuhl von Horst Seehofer sägen, gehören auch die JU-Delegierten aus Traunstein: Konrad Baur und Siegfried Walch. "Ja, wir haben auch für einen personellen Neuanfang gestimmt", so Baur gegenüber chiemgau24.de.

Schon seit Wochen Einigkeit gegen Seehofer

Traunsteins JU-Kreisvorsitzender Konrad Baur.

Eine "überwältigende Mehrheit", geschätzt drei Viertel, seien es gewesen, die bei der JU-Landesversammlung für den Antrag stimmten, so Baur: "Schon seit Wochen waren wir uns im Kreisvorstand darüber einig." In Oberbayern keine Selbstverständlichkeit: Die meisten oberbayerischen JU-Delegierten standen auch bei der Landesversammlung am Wochenende hinter Seehofer.

"So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Unser Problem ist die Glaubwürdigkeit, der Spitzname 'Drehhofer" kommt ja nicht von Ungefähr", begründet Traunsteins JU-Kreisvorsitzender Konrad Baur die Entscheidung. Schon im Wahlkampf habe sich Horst Seehofer mal für, mal gegen eine Obergrenze für Asylbewerber positioniert, sich mal pro, mal contra Merkel gestellt. "Unser Parteiprogramm stimmt, aber die Leute trauen uns die Umsetzung nicht mehr zu", so Baur. 

Traunsteins JU sicher: Seehofer wird nicht mehr Ministerpräsident

Dass Seehofer seinen geplanten Auftritt vor dem Parteinachwuchs am Samstag kurzfristig absagte, brachte bei einigen wohl das Fass zum Überlaufen: "Er will keine ehrliche Aussprache", konstatiert Baur - und schiebt hinterher: "Realitätsverweigerung ist bei ihm ja nie ausgeschlossen." Seehofers Absage am Samstag sei als "Abschiedsgruß an die JU" zu werten. 

Wird der Ministerpräsident noch als Spitzenkandidat für die Landtagswahlen 2018 antreten? "Nein", ist sich Baur sicher. Markus Söder könne er sich zwar gut vorstellen, aber auch EU-Abgeordneter Manfred Weber habe in Erlangen eine "brillante Rede" gehalten.

Auch Landrat Walch positioniert sich gegen Seehofer.

Traunsteins Landrat und JU-Delegierter Siegfried Walch knirschte bereits am Abend der Bundestagswahl mit den Zähnen: "Ein großer Teil der Stammwähler ist über lange Zeit nicht ernst genommen worden. Das muss Konsequenzen haben." Auch er stimmte in Erlangen nun gegen den Parteivorsitzenden. Noch im November könnte sich die Personalie Seehofer endgültig klären, schätzt Konrad Baur. 

Was meinen Sie?

xe

Zurück zur Übersicht: Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser