„Ich kann meine Liebe nicht mehr ausüben“

Die Vergessenen der Corona-Krise: Traunsteiner Tätowiererin ist verzweifelt

Corinna Barth
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Tätowiererin Corinna Barth aus Traunstein kann nicht verstehen, warum Tattoo-Studios nicht öffnen dürfen.

In ganz Deutschland dürfen Tattoo-Studios wieder öffnen, nur in Bayern nicht. Und das, obwohl körpernahe Dienstleistungen mittlerweile eigentlich wieder erlaubt sind. Die Szene ist sauer – und fühlt sich vergessen. Eine Traunsteiner Tätowiererin berichtet über ihre Lage.

Ruhpolding/Traunstein - Der am 3. März beschlossene Fünf-Stufen-Plan der Bundesregierung hat Hoffnung gemacht: Denn laut diesem dürfen neben Friseuren auch andere „körpernahe Dienstleistungen“ wie Kosmetikstudios oder Nagelstudios seit dem 8. März wieder öffnen. Das sollte eigentlich auch die Tattoo-Studios miteinbeziehen – nicht aber in Bayern.

Laut der Zwölften Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (BayIfSMV) sind Tätowierstudios, Piercingstudios, Permanent-Make-Up-Studios, (Wellness-)Massagesalons und vergleichbare Dienstleistungsbetriebe nämlich weiterhin geschlossen zu halten. Ein Zustand, der auch bei vielen unserer heimischen Tätowierer den Frust wachsen lässt.

„Ich kann meine Leidenschaft nicht mehr ausüben“

„Wir Tätowierer dürfen bis jetzt als einziges Bundesland nicht wieder arbeiten, obwohl wir unter strengsten hygienischen Vorschriften arbeiten“, sagt Corinna Barth, die in Traunstein das Studio „Courona Tattoo“ betreibt. „Es gibt bei uns keine Laufkundschaft, wir sind immer nur ein Kunde und ein Tätowierer. Ich freue mich für jeden, der wieder öffnen darf, aber warum dürfen andere körpernahe Dienstleistungen angeboten werden und wir dürfen nicht arbeiten?“ Ihr sei klar dass sie nicht systemrelevant ist, aber das seien viele andere die jetzt öffnen dürfen auch nicht.

„Viele von uns stehen am Rande ihrer Existenz und viele von uns mussten schon schließen“, sagt die Ruhpoldingerin. Das Öffnungsverbot belastet die Tätowiererin aber nicht nur finanziell, sondern auch psychisch. „Das Tätowieren ist für mich nicht nur Arbeit, das ist für mich eine Leidenschaft und ich denke, so geht es vielen Künstlern, egal ob es ein Maler oder ein Musiker ist. Das ist einfach eine Liebe die man hat, die man jetzt nicht mehr ausleben kann. Es ist eine gewisse Form von Freiheit, sich in seiner Kunst frei entfalten zu dürfen. Die wurde uns genommen und diese Freiheit wollen wir zurück.“

Lest zu dem Thema auch: Permanent Make Up: In Kosmetikstudios erlaubt, Ainringer darf trotzdem nicht öffnen (Plus Artikel)

Petition gestartet - Münchner Tätowierer zieht vor Gericht

Ihrem Unmut machen die Tätowierer wie auch viele Kunden jetzt auch im Internet Luft. Bei einer Online-Petition von Dr. med Alexander Wagner aus Schwarzach auf openpetition.de haben bereits über 18.000 Menschen (Stand 12. März 2021) gegen den Beschluss unterschrieben. Darin heißt es unter anderem: „Bei entsprechenden Hygienekonzepten (nur mit Termin, aktueller negativer Schnelltest, Hygieneschleuse mit Händedesinfektion sowie mit Handwaschbecken, welches mit Fuß zu bedienen ist, FFP2 Masken, Beschränkung der Personenzahlen im Studio, Abstände UND Zwischenwände, Desinfektion des Arbeitsplatzes, Einwegmaterialien, ...) ist die Ansteckungsgefahr nicht größer als bei Nagelpflege oder Haare schneiden.“

Noch einen Schritt weiter geht ein Münchner Tattoo-Studio. Der Chef von Temple Tattoo in Haidhausen hat beim Verwaltungsgericht einen Eilantrag eingereicht. Sein Ziel: wieder tätowieren und piercen zu dürfen. Er will klären lassen, ob ihm das nach gültigem Recht verboten werden kann.

jb

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