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Ist der Wolf eine Gefahr für den Tourismus?

Diskussion der BBV-Kreisgruppe Traunstein beleuchtete Kostenlawinen und Schutzszenarien

BBV-Kreisgruppe Traunstein
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von links vorne im Uhrzeigersinn: Geschäftsführer Stephan Semmelmayr (Chiemgau Tourismus), Josef Harbeck, Vorsitzender der Schafhaltervereinigung Traunstein, MdL Nikolaus Kraus, BBV-Kreisobmann Sebastian Siglreithmayr, BBV-Geschäftsführer Matthäus Michlbauer, FW-Bundestagskandidatin Andrea Wittmann, Martin Stief, Beauftragter des Netzwerks Große Beutegreifer, und Bezirksalmbauer Kaspar Stangassinger aus Berchtesgaden.

Haben angesichts zunehmender Wolfsrisse in der Region Almbewirtschaftung und touristische Naherholung noch eine Zukunft bei uns?

Traunstein - Angesichts einer gewaltigen Arbeits- und Kostenlawine für Schutzzäune, mit denen Wolfsangriffe auf Rinder- und Schafherden abgewehrt werden sollen, ergibt sich reichlich Diskussionsstoff. Bei einer Veranstaltung der Kreisgruppe Traunstein des Bayerischen Bauernverbands (BBV) nahmen Experten der Almbauern und Schafhalter, der Landwirtschaft, des Tourismus, des Netzwerks Große Beutegreifer und der Politik Stellung zum Thema.

Matthäus Michlbauer, Geschäftsführer des BBV aus Traunstein, machte die Situation deutlich: Er verwies auf eine Publikation der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft von November 2017, der zufolge ein Investitionsbedarf zwischen 241 und 413 Millionen Euro nötig wäre, um alle betroffenen Weidegebiete wolfssicher einzuzäunen. Im Bereich der Almen sei aufgrund des schwierigen Geländes mit zusätzlichem Kosten- und Arbeitsaufwand zu rechnen. „Ist es gerechtfertigt, solche Summen zum Schutz vor dem Wolf aus Steuermitteln zu bezahlen?“ Aktuell seien bundesweit 113 Rudel, in Bayern drei Rudel und ein Einzeltier bei der Dokumentationsstelle Wolf des Bundes erfasst.

BBV-Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer stellte sich angesichts der Wolfsrisse in Reit im Winkl und Kössen im letzten Jahr und der Ende Februar auf dem Scharam bei Siegsdorf fotografierten Wölfin die Frage, „ob den momentan noch durchziehenden Wölfen bald ein Rudel“ folge. Dann habe man ein echtes Problem. Entschädigungszahlungen für gerissene Tiere innerhalb eines Wolfsgebiets seien künftig nur noch bei Errichtung eines Schutzzauns innerhalb eines Jahres möglich. Er sprach sich für wolfsfreie Zonen, Entnahmegenehmigungen und generelle Bestandsobergrenzen aus.

Josef Harbeck, Vorsitzender der Schafhaltervereinigung Traunstein, argumentierte, bei den meisten Schafhaltern handle es sich um Hobbybetriebe mit eher kleineren Herden. „Wenn die die gewaltigen Kosten für die Schutzzäune vorfinanzieren müssen, sich für zehn Jahre verpflichten und dauernd kontrollieren müssen, dann lohnt sich der Aufwand nicht mehr.“ Dies sei auch mit Blick auf den Schafzüchter-Nachwuchs ungerecht.

Die Einzäunung großer Flächen mit Elektroschutzzäunen hielt Kaspar Stangassinger, Bezirksalmbauer aus Berchtesgaden, sowohl aus praktischer wie aus touristischer Sicht für „nicht realisierbar“. Entschädigt würden nur die gerissenen Tiere, oft würde aber die ganze Herde versprengt und sich zum Teil verletzen. Die Errichtung, Kontrolle und Instandhaltung von Schutzzäunen sei für Nebenerwerbslandwirte zusätzlich zur Almbewirtschaftung „nicht leistbar“. Mit dem Verschwinden der Rinder, Schafe und damit letztlich auch der bewirtschafteten Almen leide aus seiner Sicht auch der Erhalt der Biodiversität und des Landschaftsbildes.

Martin Stief aus Ruhpolding versuchte, als Vertreter des Netzwerks Große Beutegreifer des Bayerischen Landesamt für Umwelt eine Lanze für den Wolf zu brechen. Die Erfahrung seiner Frau als Almerin habe gezeigt, dass Kälberrisse oft auf Hunde zurückzuführen seien. Er glaube nicht, dass sich aufgrund der dichten Besiedlung bei uns ein Wolfsrudel ansiedeln würde. Erste Nahrungsquelle für den Wolf sei zudem das Wild. Verunstaltungen von Tieren mit offenen Bäuchen könnten auch andere Ursachen haben. „In Reit im Winkl sind alle von mir aufgenommen Tiere durch Kehlbiss getötet worden.“

„Eine gut funktionierende Almwirtschaft ist auch für uns Touristiker sehr wichtig“, sagte Stephan Semmelmayr, Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus. Andererseits gebe es auch Wolfsliebhaber unter den Touristen. Deshalb sollte man das Tier „weder verharmlosen noch verteufeln“. Auf Nachfrage ergänzte er, dass die Berichterstattung über Wolfsrisse in Reit im Winkl seines Wissens „nicht nachteilig für den Tourismus gewesen“ sei.

Andrea Wittmann, gelernte Touristikfachwirtin und Bundestags-Kandidatin der Freien Wähler, sprach sich für einen stärkeren Schulterschluss zwischen Tourismus und Landwirtschaft in puncto Wolf aus. Sie hob besonders die Bedeutung des Landschaftsschutzaspekts durch Schafbeweidung hervor. Ihr Landtagskollege Nikolaus Kraus verwies auf einen Wolf, der in Augsburg durch eine Baustelle geschlichen sei und plädierte für eine Entscheidung, „ob wir den Wolf oder die Weide wollen“.

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