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Doppelmord von Aschau

Video: Prozess nach Doppelmord am Donnerstag

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Traunstein - Der 58-Jährige Josef O. soll im vergangenen Jahr ein Rentnerehepaar in Aschau getötet haben. Am Donnerstag wurde der Prozess fortgesetzt. *NEU: Video*

UPDATE, Donnerstag 16.45 Uhr

Weil der Angeklagte mit einer Taschenlampe einmal einen Schlag auf den Kopf bekommen haben soll, veranlasste das Gericht nun noch eine MRT-Untersuchung für den 58-Jährigen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass dieser Schlag keine Auswirkungen auf seine geistige Verfassung hatte.

Am Dienstag, 10. Februar wird die Verhandlung fortgesetzt. Ein Video vom Gericht folgt.

UPDATE, Donnerstag 16.10 Uhr

Der behandelnde Psychiater des Angeklagten machte ebenfalls am Nachmittag seine Aussage. Ihm zufolge sei Josef O. hochgradig suizidgefährdet. Seit dem jüngsten Selbstmordversuch sei er auch in einem speziellen Haftraum untergebracht, der keine Gegenstände enthält, mit denen man sich verletzen oder töten könne.

In den Gesprächen mit dem 58-Jährigen sei das zentrale Thema der Betreuungsentzug für seine Mutter und das damit verbundene Betreuungsverfahren: "Wir reden fast über nichts anderes." Die Tat sei für ihn eine ausweglose Situation gewesen.

UPDATE, Donnerstag 15 Uhr

Am Nachmittag dreht sich nun alles um den Überfall in Brannenburg, den ebenfalls Josef O. begangen haben soll. Der ermittelnde Beamte schilderte am Nachmittag die Ereignisse des 24. November 2013. Demnach sei der maskierte Täter gegen 19.40 Uhr bei der Geschädigten aufgetaucht. Zunächst habe er behauptet, dass er eine Autopanne hätte und telefonieren müsse. So habe er sich Zutritt zum Wohnhaus verschafft.

Im Haus habe er dann sein Messer ausgepackt und die 58-jährige Frau und ihre Mutter bedroht. Er habe dann die EC-Karte der Geschädigten nebst Pin und Bargeld gefordert. Anschließend habe er die jüngere Frau dazu gezwungen eine milchige Flüssigkeit zu trinken, die er mitgebracht hatte - wie sich später herausstellte, waren es aufgelöste Schlaftabletten.

Aufgrund der vielen Überschneidungen mit der späteren Tat in Aschau, habe man einen DNA-Vergleich veranlasst. "Die spuren an der Gartentür der Geschädigten aus Brannenburg war identisch mit der DNA des Angeklagten", so der Polizist.

Anschließend schilderte auch das 58-jährige Opfer die Tat. Sie beschrieb, wie sie vom Täter gezwungen wurde, die Flüssigkeit mit den Schlaftabletten zu trinken: "Ich habe zu ihm gesagt, dass ich es trinken werde, wenn er nur meiner Mutter nichts tut." Sie habe sich anschließend schlafend gestellt, bis der Täter das Haus verlassen hatte.

UPDATE, Donnerstag, 12.35 Uhr

Ein Finanzermittler der Polizei konnte am Vormittag noch ein wenig Licht in die Finanzgeschäfte des Beschuldigten bringen. Ihm zufolge habe es eine Selbstanzeige des Angeklagten gegeben - wegen Aktiengeschäften, die er in Luxemburg getätigt habe. In Folge dieser Selbstanzeige habe er über 200.000 Euro zurückzahlen müssen.

In den letzten 18 Monaten vor seiner Festnahme habe er Einnahmen von rund 102.000 Euro gehabt. Seine Ausgaben beliefen sich im gleichen Zeitraum allerdings auf 154.000 Euro. Finanziert habe er sich durch immer neue Kredite und Darlehen.

UPDATE, Donnerstag, 10.50 Uhr:

Der Kriminaloberkommissar, der für die Vernehmung und Betreuung des Angeklagten zuständig war, machte ebenfalls am Vormittag seine Aussage. Bei der ersten Vernehmung habe der 58-Jährige zunächst nur den Kreditkartenbetrug zugegeben. Zudem habe er gestanden, dass er eine weitere Person dazu angestiftet habe. "Von einer Entführung des Ehepaars wisse er nichts, hat er gesagt." Bei der zweiten Vernehmung sei der Kommissar allerdings nicht dabei gewesen.

UPDATE, Donnerstag, 10.35 Uhr:

Die Schwester der getöteten Ehefrau machte anschließend ihre Aussage. Sie hatte die Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgegeben, nachdem ihre Schwester zu einer Verabredung im Café nicht aufgetaucht und drei Tage nicht auffindbar war. "Sie ist nicht ans Telefon gegangen und war weder in ihrem Happinger- noch im Aschauer Haus erreichbar", so die Zeugin. Außerdem könne sie sich nicht vorstellen, dass ihre Schwester sich gewehrt habe: "Sie war eine zierliche Person. Ich kann mir nicht denken, dass sie jemanden angreift."

UPDATE, Donnerstag, 10.25 Uhr:

Zu Beginn des zweiten Prozesstags versuchte das Landgericht noch einmal herauszufinden, was mit dem Vermögen des Beschuldigten passiert sein mag. Der 58-Jährige selbst wollte sich dazu am ersten Verhandlungstag nicht äußern. Zu diesem Zweck wurde ein Rosenheimer Rechtsanwalt bestellt, der für das Betreuungsverfahren der demenzkranken Mutter des Angeklagten im März 2014 bestellt worden war.

Im Zuge dieses Verfahrens musste der Angeklagte damals die Vermögensverzeichnisse einreichen. "Bei einem Konto waren im Zeitraum von drei Jahren Abhebungen in einer Gesamthöhe von rund 270.000 Euro", so der Rechtsanwalt. Ein Teil des Geldes sei aus dem Verkauf eines Wohnhauses gekommen. "Der Beschuldigte hat fast täglich Abhebungen in einer Höhe von 1000 Euro getätigt." Was mit dem Geld passiert war, konnte auch er nicht sagen.

Als er dann im Zuge des Betreuungsverfahrens die Konten der Mutter für den Angeklagten sperren ließ, sei er von ihm bedroht worden. "Wenn du meine Familie zerstörst, dann zerstör ich auch deine", habe er zu ihm gesagt und ihn mehrfach dazu aufgefordert, die Konten wieder freizugeben.

Während der Aussage des Rechtsanwalts schlug der Angeklagte fast minütlich die Hände vor dem Gesicht zusammen, schnaufte ständig laut aus und schüttelte den Kopf. Mit wütender Stimme fragte er anschließend den Rechtsanwalt, wer ihn angerufen und für das Betreuungsverfahren bestellt habe. Richter Fuchs wiegelte aber die "Fragestunde" ab: "Solche Dinge müssen in einem Zivilverfahren geklärt werden." Doch mit einer Frage traf Josef O. ins Schwarze: "Wie viele Betreuungsprozesse führen sie im Jahr?" Der Rosenheimer Rechtsanwalt antwortet nur lapidar: "Mehr als drei aber weniger als 300." Auf die nächste Frage, ob er immer Geld bekomme, egal wie das Betreuungsverfahren ausgehe, bekam der 58-Jährige keine Antwort mehr.

Der Vorbericht:

An diesem Donnerstag wird der Prozess gegen den 58-jährigen Josef O. fortgesetzt. Er soll im Juni 2014 ein Ehepaar in Aschau ermordet haben. Auf der Suche nach Geld und Wertgegenstände soll er in das Ferienhaus der Eheleute eingebrochen sein. Als die beiden überraschend nach Hause kamen, soll er sie mit einem Dachgepäcktrager und einem Küchenmesser getötet haben.

Bei den Vernehmungen des damals Tatverdächtigen am Nachmittag des 13.Juli gestand dieser, das Ehepaar in Aschau getötet zu haben und führte die Kriminalbeamten der SOKO "Amsel" zum Ablageort der Leichen auf dem Samerberg

Lesen Sie dazu:

Neben dem Doppelmord wird dem ehemaligen Justizvollzugsbeamten auch der Raubüberfall auf zwei Frauen in Brannenburg zur Last gelegt. Mit einem Küchenmesser bewaffnet soll der Täter damals eine 58-jährige Frau und ihre 87-jährige Mutter zur Herausgabe der EC-Karte samt PIN gezwungen haben. Insgesamt soll der vermummte Täter so 1.200 Euro erbeutet haben.

Am ersten Verhandlungstag hat der Angeklagte bereits Angaben zu beiden Taten gemacht. Auch mehrere Ermittlungsbeamte beschrieben ihre Ergebnisse der Untersuchungen. Mit den Worten des 58-Jährigen "Ich bin im Grunde ein ehrlicher Mensch" und "das in Aschau war für mich keine Straftat" endete der erste Verhandlungstag.

Aus dem Archiv:

Der Fundort der Leichen

Leichenfund am Samerberg

Der Tatort

Rentner-Ehepaar umgebracht 

Die Fahndungsfotos der Polizei

Doppelmord: Wer hat diese Fahrzeuge gesehen?

Rubriklistenbild: © ps

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