Traunreuter (63) wegen Doppelmordes im "Hex-Hex" verurteilt

Ferdinand F. schneidet vor dem Urteil noch Grimassen - nun muss er lebenslänglich in Psychiatrie

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Der Angeklagte Ferdinand F. mit seinem Anwalt Walter Appel und dem Dolmetscher (neben ihm) im Gerichtssaal kurz vor der Verkündung des Urteils.
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Traunreut/Traunstein - Alle Zeugen sind gehört, die Plädoyers wurden gehalten: Am Montag fiel das Urteil gegen Ferdinand F., der zwei Kneipengäste erschossen haben soll. „Das Gesetz kennt bei Mord nur eine Strafe: Lebenslang“, betonte der Vorsitzende Richter Erich Fuchs bei der Urteilsverkündung.

Update, 11.08 Uhr: Urteil gefallen

Gegenüber den zahlreichen Pressevertretern schneidet der Angeklagte Ferdinand F. vor Beginn der Hauptverhandlung Grimassen und deutete mit den Fingern das „Peace-Zeichen“ in Richtung der Kameras. 

Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs verliest um kurz nach 10 Uhr das Urteil: Ferdinand F. wird wegen Mordes in zwei Tateinheiten sowie versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung zu einer lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt

Es wird eine Unterbringung in einem psychischen Krankenhaus nach Paragraph 63 des Strafgesetzbuches angeordnet. Die Kammer gehe davon aus, dass solch rechtswidrige Taten wie diese erneut passieren könnten, Ferdinand F. ist für die Allgemeinheit als gefährlich einzustufen. Der Sachverständige habe ihn als „tickende Zeitbombe“ bezeichnet. 

Der Angeklagte verfolgt die Urteilsverkündung regungslos mit leicht gesenktem Kopf, den Blick starr auf den Vorsitzenden Richter Erich Fuchs gerichtet. 

Lokal mit den Worten „Die Polizei wird kommen“ verlassen 

Zur Urteilsbegründung in punkto Tatgeschehen äußert sich Richter Fuchs wie folgt: Der Angeklagte habe das Lokal „Hex-Hex“ am Tatabend besucht, welches nur wenige Meter von seiner Wohnung am Georgsplatz entfernt liege. Er habe dort Bier und Schnaps konsumiert. Zeugen im Lokal hätten nichts bemerkt, was auf Unstimmigkeiten im Laufe des Abends hingedeutet hätte. 

Als die Wirtin das Lokal habe schließen wollen und den Angeklagten aufgefordert habe, die Räumlichkeiten zu verlassen, sei die Stimmung gekippt, es sei zu Diskussionen gekommen. Der Angeklagte habe bezahlt und das Lokal mit den Worten „Die Polizei wird kommen“ verlassen. 

Gegen 22 Uhr habe Ferdinand F. zuhause ein Gewehr samt einem Magazin mit fünf Schuss geholt. Etwa um 22.24 Uhr habe der Mann das Lokal erneut betreten. Der Angeklagte sei nach Ansicht des Vorsitzenden Richters über das vorherige Verhalten der Wirtin und den für ihn empfundenen Rauswurf verärgert gewesen und habe sich entschlossen, die Insassen in der Kneipe zu töten. Anders könne die Mitnahme und das anschließende Verhalten des Angeklagten nicht erklärt werden. 

Angeklagter leide unter „krankhafter seelischer Störung“ 

Nach dem Massaker sei er zurück in seine Wohnung gegangen, habe die Waffe vom Blut abgewaschen und sich umgezogen. Dann sei er an den abgesperrten Tatort zurückgekehrt. Dort habe er sich mit Polizisten unterhalten und sei schließlich als Tatverdächtiger identifiziert und festgenommen worden. 

Bei der Tatausführung habe Ferdinand F. unter einer krankhaften seelischen Störung in Form einer organischen Persönlichkeitsstörung gelitten. Sein Zustand werde sich weiterhin verschlechtern. Richter Fuchs gehe davon aus, dass er heimtückisch gehandelt habe, da er die Wehrlosigkeit der Opfer ausgenutzt habe. 

Der Angeklagte selbst könne sich an die Tat selbst nach eigener Aussage nicht erinnern. Für die Geschädigten seien die physischen wie psychischen Folgen untragbar. „Das Gesetz kennt bei Mord nur eine Strafe: Lebenslang“, betont Fuchs zum Abschluss. „Wir haben den Strafrahmen in Anbetracht der Tatsache, dass der Angeklagte bei der Tat erheblich alkoholisiert war, nicht gemildert.“

Vorbericht:

Seit 17. September sitzt der 63-jährige Ferdinand F. aus Traunreut im Inn-Salzach-Klinikum in Haft - und dort wird er auch bleiben: Nicht mal seine Verteidiger zweifeln an seiner Schuld. Alle Prozessbeteiligten fordern eine Unterbringung in der Psychiatrie, dem wird das Gericht heute höchstwahrscheinlich folgen. 

Bekommt der Traunreuter lebenslänglich?

Der Angeklagte Ferdinand F. mit einem seiner Anwälte, Michael Vogel (links).

Doch welche Strafe bekommt Ferdinand F. für sein Blutbad in der Kneipe "Hex Hex"? Mit dem Gewehr soll er dort zwei 31-jährige Männer erschossen haben, auch die Wirtin und eine Bedienung verletzte er schwer. Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage fordern lebenslänglich - heißt: Mindestens 15 Jahre wäre der Traunreuter weggesperrt. Die Anwälte des Angeklagten forderten vom Gericht lediglich unter diesem Strafmaß zu bleiben.

Mord oder Totschlag?

Ein weiterer offener Punkt: Waren die Todesschüsse in der Kneipe Mord? Staatsanwaltschaft und Nebenklage meinen eindeutig "ja". Staatsanwalt Björn Pfeifer sprach von einem "menschenverachtenden Vernichtungswillen" bei Ferdinand F., der Anwalt der Nebenklage, Jörg Zürner, bezeichnete die Taten gar als "Hinrichtung". Die Verteidiger meinen dagegen, es habe sich nicht um Mord, sondern um Totschlag gehandelt. 

Nur einer weiß, warum es passiert ist

Warum Ferdinand F. mutmaßlich geschossen hat, wird weiter sein Geheimnis bleiben. Nicht mal der psychiatrische Gutachter traute sich hier ein Urteil zu: "Vielleicht war er gekränkt, weil die Gäste seine mitgebrachte Brotzeit nicht mochten, weil ihm das Bier nicht schmeckte oder weil er von einer Frau, der Wirtin, dann hinausgeworfen wurde." Auch die Bedienung oder die Wirtin der Kneipe - die beiden Überlebenden - konnten sich das ganze erklären

Milderes Urteil wegen Alkohol und Zuckerkrankheit?

Der psychiatrische Gutachter bewertete Ferdinand F. wegen seiner jahrelangen Zuckerkrankheit und der Alkoholisierung von zwei Promille als "vermindert schuldfähig". Die Krankheit hätte Gehirnschäden beim Angeklagten hinterlassen. Aber: Die Einsichtsfähigkeit sei beim Angeklagten voll erhalten gewesen. Es wird sich zeigen, inwieweit sich die Einschätzung des Sachverständigen auf das Urteil auswirken wird. 

Entschuldigung erst in allerletzter Sekunde

Ferdinand F. selbst blieb während des ganzen Prozesses äußerst zurückhaltend. An die Tat könne er sich nicht mehr erinnern, an das Davor und Danach aber durchaus. Ein Geständnis gibt es also nicht. Zu einer Entschuldigung konnte sich der ehemalige Bauarbeiter erst im "letzten Wort" durchringen - und auch erst dann, als ihn Richter Erich Fuchs daran erinnerte. Als die verzweifelten Angehörigen - teils in Tränen - aussagten, zuckte er nicht mit der Wimper. Ganz anders, als er seine früheren Arbeitskollegen vor Gericht sah: er lächelte, grüßte und winkte. 

Das Traunsteiner Landgericht verkündet das Urteil um 10 Uhr. chiemgau24.de wird gleich im Anschluss berichten.

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