Töginger angeklagt: Prozess wegen Totschlags am Landgericht Traunstein

Ehefrau mit 40 Messerstichen getötet - Das Urteil: Schuldig im Sinne der Anklage

Angeklagter mit Verteidiger
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Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Erhard Frank

Traunstein/Töging am Inn - In der Nacht auf Sonntag, den 19. Januar, kam es in Töging zu einer grausamen Tragödie. Dabei soll ein damals 56-Jähriger seine 19 Jahre jüngere Frau niedergestochen haben. Nun muss sich der Mann vor dem Landgericht Traunstein für seine mutmaßliche Tat verantworten.

Das Wichtigste in Kürze:


  • Ein Mann ist wegen Totschlag angeklagt
  • Er soll seine Frau in der gemeinsamen Wohnung in Töging mit mindestens 40 Messerstichen getötet haben
  • Prozessauftakt ist am Dienstag (6. Oktober)
  • Verlesung der Anklageschrift erfolgt
  • Angeklagter äußert sich zur Sache
  • Ex-Frau bezeichnet Angeklagten als sehr aufbrausend
  • Neuer Liebhaber der Geschädigten: „Habe auch Drohungen erhalten“

Update, 16.48 Uhr - Das Urteil ist gefallen: Schuldig im Sinne der Anklage


Richter Erich Fuchs verkündet das Urteil. Der Angeklagte ist schuldig im Sinne der Anklage. Auf den 57-Jährigen warten nun insgesamt elf Jahre Haft. Zudem muss er die Kosten für das Verfahren und die Auslagen der Nebenkläger tragen. Der Angeklagte bricht während der Ausführungen vom Richter immer wieder kurzzeitig in Tränen aus.

Zur Begründung: Die Vorgeschichte und die Provokationen der Geschädigten waren für die Streitigkeiten in der Tatnacht verantwortlich. Mit mehr als 40 Messerstiche hat der Angeklagte seiner Ehefrau getötet, die noch vor Ort verblutet ist. Zusätzlich muss der 57-Jährige die Geschädigte noch gewürgt und einen Stich in den Schambereich gesetzt haben. Es habe sich über ein längeres zeitliches Geschehen gehandelt, mindestens über zehn Minuten. Daraus sei auch der Schluss zu ziehen, dass es sich nicht um ein explosionsartiges Geschehen gehandelt habe.

„Er hat das Schlimmste gemacht, was man einer Person antun kann. Er hat für eine Tragödie gesorgt“, so Fuchs. Natürlich sei er wohl provoziert worden, dennoch könne man nicht auf diese Art und Weise reagieren

Update, 15.15 Uhr: Plädoyers werden gehalten - Strafe zwischen neun und zwölf Jahre gefordert

Nun werden die Plädoyers gehalten. Der Staatsanwalt beschreibt nochmal das Tatgeschehen, das er als bewiesen ansieht. Die Schilderungen des Sohnes decken sich mit den Gutachten. Der Angeklagte habe nicht nur billigend in Kauf genommen seiner Frau das Leben zu nehmen, sondern es sei aufgrund der Vielzahl der Stiche eine Absicht gewesen. Es sei kein Mord, dafür fehlen die Merkmale, aber definitiv Totschlag. Daher komme eine Strafe zwischen fünf und 15 Jahre in Betracht.

Positiv müsse man ihm zu Gute halten, dass er keine Vorstrafen hat, dem Vergleich zugestimmt und sich bei der Mutter der Geschädigten entschuldigt hat. Zudem sei er wohl provoziert geworden. Dagegen spreche die Anzahl der Stiche gegen ihn. „Ich halte zwölf Jahre für angemessen“, so der Staatsanwalt abschließend.

Auch der Verteidiger stimmt dem Staatsanwalt hinsichtlich des Totschlags zu. „Wie kann diese Tat passieren? Das ist die große Frage“, so der Verteidiger. Dass eine Ehe mit so einem großen Altersunterschied nicht ohne Probleme ablaufen würden, sei jedem bewusst. Letztlich habe die Geschädigte bereits nach kurzer Zeit nach der geschlossenen Ehe einen neuen Freund gehabt.

Viele der Stiche hätten keinerlei Wirkung gehabt. Zudem habe er sich dem Verfahren gestellt und auch dem Vergleich zugestimmt. Er leide unter der gesamten Situation und sei auch nicht mehr der Jüngste. Er habe eine Tragödie gesetzt, doch nicht nur für die Angehörigen der Geschädigten, sondern auch für seine Familie. Daher plädiere er für 9 Jahre.

Der Angeklagte hat das letzte Wort: „Ich habe das Schlimmste getan, was man einem Menschen antun kann. Ich habe das Leben vieler zerstört. Ich kann es leider nicht rückgängig machen. Es tut mir leid. Ich hab das nicht gewollt“.

Das Gericht zieht sich nun zur Beratung zurück. Gegen 16 Uhr soll dann das Urteil verkündet werden.

Update, 14.49 Uhr - Psychologisches Gutachten ohne Auffälligkeiten

Wie Richter Erich Fuchs noch vor dem Gutachten berichtet, ist der Angeklagte bisher nicht vorbestraft. Laut dem Sachverständigen machte der Angeklagte bei den gemeinsamen Terminen einen psychisch stabilen Eindruck. Dabei gab der 57-Jährige an, gelegentlich Alkohol zu konsumieren.

Er habe keine relevanten Auffälligkeiten beim Angeklagten festgestellt. „Er war immer höflich und kooperativ“, so der Gutachter. Es bestehe keine Selbstmordgefahr, er habe keine Wahnvorstellungen oder depressive Züge.

Die Trennung sei belastende Situation für den Angeklagten gewesen. „Im Bett getrennt, am Tisch zusammen – das war sicherlich nicht einfach für ihn“, so der Gutachter. Ein massiver Reiz wäre dann der Auslöser gewesen, in diesem Fall das Foto seiner Ehefrau mit ihrem neuen Liebhaber.

Es folgen die Plädoyers. 

Update, 12. Oktober 13.49 Uhr - Rechtsmediziner: „Halsstich entscheidende Todesursache“

Laut dem Gutachter gebe es keine Hinweise auf einen alkoholisierten Zustand des Angeklagten. Er selbst habe angegeben, über den Tag drei bis fünf Bier getrunken zu haben. Inzwischen hat der 57-Jährige auch einige Kilos abgenommen.

Der Angeklagte selbst habe einige kleinere Schürfwunden am Körper gehabt. Diese können in der Auseinandersetzung oder bei der Festnahme entstanden sein. An seinem Ellenbogen wurde wie am Finger eine Bisswunde festgestellt.

Dem Angeklagten macht der Bericht des Sachverständigen sichtlich zu schaffen. Immer wieder hört man ein leises Schluchzen. Oft hält er seine Augen dabei geschlossen.

Bei der Untersuchung der Geschädigten fielen Würgegriffe am Hals auf. Dieser hätte mindestens 30 Sekunden dauern müssen. Das decke sich mit den Aussagen des Sohnes, der von einem Würgen seiner Stiefmutter beim zweiten Streit berichtet hatte. Man erkenne auf jeden Fall eine zeitlichen Unterschied zu den Stichverletzungen – etwa 20 Minuten zum Todeszeitpunkt.

Bei der Leichenöffnung konnten zwei Stiche für den Tod ausgemacht werden. Zum einen wurde die linke Halsschlagader fast komplett durchtrennt. „Alleine dieser Stich wäre tödlich gewesen und könnte zehn Minuten später als der erste Stich getätigt worden sein“, so der Gutachter. Ein zweiter entscheidender Stich wurde im Brustbereich entdeckt. Dieser erfolgte in die Leber.

Insgesamt gab es drei Dutzend Stiche im Bauchbereich. Eine Stichverletzung wurde sogar im Schambereich der Geschädigten festgestellt. Diese passe nicht in das Muster. Es gab auch einige Wunden, die auf eine aktive Gegenwehr hinweisen, beispielsweise in der Hand oder am Ellenbogen. Zusammenfassend seien über 40 Stiche gezählt worden. Überraschend sei ein systematisches Stichmuster, wie etwa auf einem Schachbrett. „Es wurden Abstände im Bauchbereich eingehalten“, so der Rechtsmediziner.

Die Todesursache könnte man hauptsächlich auf ein Verbluten durch den Stich bei der Halsschlagader zurückführen. Alle anderen Wunden, besonders der Stich in die Leber, hätten durch einen Notarzt unter Umständen nicht zwingend zum Tod führen müssen.

Es folgt der Bericht des Blutspurengutachtens. Es werden Bilder vom Tatort gezeigt. Es gebe laut dem Experten keine Blutspurenmuster von großen Verletzungen. Das komme aber oft vor, da das Blut nicht immer freie Bahn hat. Insgesamt spreche das ganze Muster jedoch für eine große Dynamik, die sowohl für ein Geschehen im Stehen und Liegen hinweisen. Im gesamten Badezimmer gebe es keinen Platz, der nicht mit Blut verschmiert ist. 

Der Angeklagte sitzt mit dem Kopf nach unten gerichtet auf der Anklagebank und wirkt abweisend. Die Bilder sieht er sich nicht an. 

Nach einer Mittagspause folgt das psychologische Gutachten vom Angeklagten

Update, 12. Oktober 12.06 Uhr - Bodycam zeigt blutverschmierten Täter – Vergleich in der Nebenklage

Das Video zeigt den Angeklagten bei der Festnahme. Er ist komplett blutverschmiert im Gesicht. Der damals 56-Jährige wurde im Anschluss an seine Festnahme über seine Rechte belehrt. Der Angeklagte kann sich die Aufnahmen gar nicht anschauen und schlägt sich seine Hände vor das Gesicht. Er wirkt ziemlich mitgenommen.

Die Polizisten bestätigten den Eindruck ihrer Kollegen vom ersten Prozesstag. Nach der Festnahme machte der Töginger einen gefassten Eindruck. Er habe sehr emotional gewirkt. „Ich weiß, was ich getan habe“, soll der Angeklagte aber gegenüber einen Polizisten geäußert haben.

Bisher gibt es noch keine Rückmeldung vom Sohn, ob er nun aussagen möchte oder nicht. Die Nebenkläger einigten sich auf einen Vergleich, unabhängig von der Aussage des Sohnes.

Demnach wird der Angeklagte den drei Angehörigen der Geschädigten ein Hinterbliebenengeld in Höhe von je 10.000 Euro bis zum 1. November 2020 bezahlen. Zudem wird der 57-Jährige die Beerdigungskosten von rund 2500 Euro und die Verfahrenskosten übernehmen.

Inzwischen hat der Sohn des Angeklagten über Whatsapp mitgeteilt, dass er von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch macht. Dafür äußert sich nun der Ermittlungsrichter, durch den der Sohn nach der Tat vernommen wurde. Er habe das Geschehen sehr sachlich geschildert. Der Tathergang deckt sich mit der Anklageschrift. Bei den Messerstichen sei jedoch alles verschwommen gewesen.

Wieso der Sohn als Soldat nicht eingegriffen habe, entgegnete dieser dem Richter, dass es ihm zu gefährlich gewesen sei. Seine Stiefmutter habe sich gewehrt. Die Bewegungen wären sehr unkontrolliert gewesen. Seine verbalen Versuche, den Streit zu beenden, haben nicht geholfen. „Die Schreie seiner Stiefmutter verfolgen ihn in seinen Träumen“, schildert der Richter eine Aussage des Sohnes. Der Vater habe dem Sohn zufolge beide Hände für die Tat verwendet.

Nun folgen die Ergebnisse der Sachverständigen.

Update, 12. Oktober 11.01 Uhr - Tochter des Angeklagten: „Er war schockiert und so traurig“

Der Sohn des Angeklagten befindet sich in einem Berliner Krankenhaus. „Er ist in Therapie wegen psychischer Probleme. Er hat wegen der Tat posttraumatische Störungen“, so die Tochter. Sie wisse nicht, ob ihr Bruder aussagen möchte. Über die Tat hätte sie mit ihrem Bruder nur wenig gesprochen. Sie möchte ihn diesbezüglich nicht unter Druck setzen.

Der Angeklagte muss während der Zeugenbefragung immer wieder weinen, besonders wenn es um seinen Sohn geht. Während der Vernehmung gibt es keinen Blickkontakt zwischen der Tochter und dem Vater.

Das Verhältnis zwischen der Zeugin und der Geschädigten wäre gut gewesen. Nach der Hochzeit habe sich die Beziehung jedoch verschlechtert. „Sie wurde entschlossener. Sie hat gemeinsame Unternehmungen ohne Grund gemieden. Das Handy war ihr noch wichtiger“, berichtet die Zeugin. Die Scheidung habe die Tochter nur so nebenbei erfahren.

Sie lebte im Gegensatz zu ihrem Bruder nicht beim Angeklagten, doch sie habe oft in der gemeinsamen Wohnung des Angeklagten und der Geschädigten übernachtet, auch wenn ihr Vater als Fernfahrer beruflich nicht zu Hause war. „Ich bin nicht gern allein“, so die Tochter. Den Vorwurf die Geschädigte hätte ihr nur hinterher räumen müssen, kann die Tochter zum großen Teil nachvollziehen. Sie sei nicht so ordentlich.

Der Vater hätte die Scheidung nicht gut verkraftet. Die Geschädigte fühlte sich offenbar eingeengt und als Dienstmagd ausgenutzt. „Er war schockiert. Die Trennung so kurz nach der Hochzeit war überraschend. Mein Vater war traurig“, erzählt die Tochter. Es habe oft verbalen Streit gegeben.

„Er hat schon eine strenge Hand gehabt, aber er war liebevoll“, berichtet die Tochter über die Erziehung ihres Vaters. Er habe damit klare Regeln aufgestellt. Sie selbst habe eine Ohrfeige gegenüber ihrer Mutter mitbekommen, die dann auch zur Scheidung geführt habe.

Die Tochter soll nun versuchen Kontakt mit ihrem Bruder aufzunehmen, um zu erfahren, ob er aussagen möchte oder eben nicht. Während der ersten Pause sprechen der Angeklagte und seine Tochter. Als nächstes wird eine Bodycam-Aufzeichnung von der Festnahme gezeigt und zwei weitere Polizeibeamte werden befragt.

Update, 6. Oktober 16.18 Uhr - Neuer Liebhaber der Geschädigten: „Habe auch Drohungen erhalten“

Der damalige neue Freund äußert sich nun. Er habe die Geschädigte im September 2019 in einer Chatgruppe kennengelernt. Das erste Treffen zwischen beiden hätte im Dezember stattgefunden. Sie hätte ihm gesagt, dass sie nicht glücklich ist in ihrer Ehe. Er habe sich um 180 Grad am Tag der Hochzeit geändert. Er sei sehr bestimmend gewesen. Auch mit der Tochter des Angeklagten sei es manchmal schwierig gewesen. Das Verhältnis zum Sohn, der gemeinsam in der Wohnung lebte, sei dagegen gut gewesen.

Bereits Anfang Dezember hätte die Geschädigte von einer Scheidung gesprochen. „Sie wollte einfach nur weg“, berichtet der Zeuge. Sie habe allerdings keine Wohnung gefunden. Sie wollten zunächst eine Fernbeziehung führen und schauen, wie es sich entwickelt. Anfang Januar wären sie gemeinsam bei seiner Cousine in Eggenfelden zu Besuch gewesen.

Er selbst habe auch Drohungen vom Angeklagten erhalten. Er habe seine Beziehung zerstört. Diese seien bis zum 9. Januar gekommen. Von körperlichen Auseinandersetzungen hätte die Geschädigte nie etwas erzählt. Der letzte Kontakt wäre in der Tatnacht gegen 23 Uhr gewesen.

Damit endet der erste Prozesstag. Der zweite Verhandlungstag ist am 12. Oktober.

Update, 6. Oktober 15.20 Uhr - Ex-Frau bezeichnet Angeklagten als sehr aufbrausend

Ein Polizist berichtet vom Einsatz vom Tötungsdelikt in der Töginger Wohnung. Die Ermittlungen decken sich mit den Vorwürfen, die in der Anklageschrift verlesen wurden. „Es wurden gezielte Stiche Richtung Herz und Hals gesetzt“, berichtet der Polizist. Die ersten Einsatzkräfte fanden die Geschädigte bereits leblos im Badezimmer vor. Der Angeklagte hätte dabei neben seiner Ehefrau gesessen, ihren Kopf gehalten und immer wieder den Namen seiner Frau von sich gegeben. Nach der Festnahme habe der 57-Jährige sehr abwesend gewirkt. Der eintreffende Notarzt hätte nur noch den Tod feststellen können.

Der Angeklagte habe oft nach seiner Frau gefragt. Bei der Vernehmung wurde ihm mitgeteilt, dass diese gestorben ist. Der Angeklagte sei daraufhin zusammengebrochen. Im Anschluss habe er auch den Polizisten berichtet, dass er sich nicht mehr an die Tat erinnern würde. Generell habe er sehr emotional reagiert. Er würde wissen, dass er in das Gefängnis kommt und er würde es sagen, wenn er sich an etwas erinnern würde. Es sei ja letztlich eh egal.

Die Nachbarn hätten der Polizei von mehreren Streitigkeiten berichtet. Auslöser wäre der neue Freund seiner Ehefrau gewesen. Von seiner Ex-Frau wurde der Angeklagte als sehr aufbrausend beschrieben und sei auch öfters mal handgreiflich geworden. Er habe zudem eine Spielsucht. Kurz nach der Tat hätte der Angeklagte einen Promillewert von 0,3. Der Drogentest sei negativ gewesen.

Bei den Ladungen der beiden Kinder ist wohl etwas schief gelaufen Zumindest sind beide nicht erschienen und sollen zum nächsten Prozesstag am 12. Oktober kommen. Nun äußert sich die Mutter des Opfers und somit auch Schwiegermutter des Angeklagten.

Ihr sei der Altersunterschied von Anfang zu groß gewesen. „Wir waren nicht erfreut über die Beziehung, aber wir konnten es unserer Tochter in diesem Alter ja nicht mehr verbieten“, so die Zeugin. Es sei kurz nach der Hochzeit zu Diskrepanzen zwischen ihrer Tochter und dem Angeklagten gekommen. Ihr sei es zu viel geworden und bemängelte fehlende Hilfe. Zudem würde der Ehemann ihr nicht zuhören. Vor Dezember 2019 hätte sie allerdings keine größeren Streitigkeiten geschweige denn körperliche Auseinandersetzungen zwischen beiden mitbekommen.

Mitte Dezember hätte die Tochter von ihrem neuen Freund erzählt. Er hätte ihr Kraft gegeben. Sie wollte ausziehen und den neuen Freund richtig kennenlernen. Zu den Kindern des Angeklagten hätte die Geschädigte ein gutes Verhältnis gehabt, dennoch wäre sie gefühlt für beide verantwortlich gewesen. Am Ende entschuldigte sich der Angeklagte bei der Schwiegermutter: „Es tut mir leid. Ich wollte das nicht.“

Als nächstes sagt der damalige neue Freund der Geschädigten aus.

Update, 6. Oktober 12.51 Uhr - Angeklagter: „Ich habe sie geliebt“

Der 57-Jährige möchte sich zur Sache äußern. Dabei kommt es immer wieder zu emotionalen Ausbrüchen. Zwischenzeitlich muss die Verhandlung sogar kurzzeitig unterbrochen werden. Die Geschädigte habe er Anfang 2018 im Internet kennengelernt. Seit Mai hätten sie gemeinsam in Töging gewohnt. Nach einem Herzinfarkt habe seine Ehefrau ihm sogar ein Mal das Leben gerettet, da diese nach einem Anruf wieder zurück in die Wohnung gefahren ist und den Notarzt verständigt hat. Die Beziehung habe sich bestens entwickelt, er habe sie geliebt und sie hätten sogar ein gemeinsamen Kindeswunsch gehabt. Im Oktober 2019 haben sie geheiratet.

Generell habe sich der Altersunterschied von fast 20 Jahren manchmal bemerkbar gemacht. „Sie wollte einfach noch etwas erleben“, so der Angeklagte. Doch aufgrund seiner Herztabletten habe er Erektionsprobleme gehabt und sie hätten kaum noch sexuellen Verkehr vollzogen. Auch sein Beruf als Kraftfahrer, bei dem er unter der Woche nie zu Hause ist, erschwerte die Situation.

Bereits einen Monat nach der Hochzeit habe der 57-Jährige Veränderungen bei seiner Ehefrau festgestellt. „Sie ist innerhalb der Wohnung auf Distanz gegangen. Auch ihr Handy war plötzlich mit einer Tastatursperre belegt“, berichtet der Angeklagte. In einem Chatverlauf sei ihm besonders eine Person aufgefallen mit der sie mehr Kontakt hätte. Doch er sollte sich keine Sorgen machen.

Am 23. Dezember 2019 habe sie ihm dann plötzlich ihren Scheidungswunsch mitgeteilt. „Ich bin komplett aus den Wolken gefallen. Sie hat mir gesagt, sie wollte sich nicht bevormunden lassen und nicht nur der Putzteufel sein“, so der Angeklagte. Irgendwann habe er jedoch herausgefunden, dass sie einen neuen Freund hat. Dabei sei es sehr laut geworden, warum sie ihm nicht die Wahrheit sagen würde. Irgendwann habe er sich jedoch damit abgefunden und beide hätten nach einer neuer Wohnung gesucht.

Der Tag vor der Tat sei ganz normal verlaufen. „Wir haben gemeinsam gegessen und eingekauft. Wir haben zwar getrennt geschlafen, aber zusammen gelebt“, berichtet der 57-Jährige. Man habe sich zwar öfters über belanglose Sachen gestritten. Wenn seine Ehefrau generell mit ihrem neuen Freund kommuniziert hätte, sei sie anders gewesen. Das habe ihn provoziert. Oft sei sie dann jedoch in einen anderen Raum gegangen.

Um 1 Uhr abends sollte er ihr noch etwas bei einem Handyspiel erklären. Beim Beenden des Spiels habe er dann ein gemeinsames Foto seiner Frau mit ihrem neuen Freund gesehen. „Vorher gab es ein ähnliches Bild von uns. Das hat mich so wütend gemacht“, erklärt der Angeklagte. Sie habe dies sofort bemerkt und das Handy zurückgezogen. Anschließend wollte er ihr das Handy aber wegnehmen. Danach hat sein Sohn beide trennen können.

„Ich war so in Rage. Ich habe ihr dann gesagt, sie soll die Wohnung am nächsten Tag verlassen“, erklärt der 57-Jährige. Der Streit habe sich im Anschluss hochgeschaukelt. Seine Frau habe ihn beschimpft und über ihn gelacht. Dabei ging es offenbar auch um seine Erektionsprobleme. Danach habe er keinerlei Erinnerungen mehr. Erst im Polizeiauto sei er wieder bei Bewusstsein gewesen. „Überall war Blut. Da wusste ich, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Ich habe auch gefragt, was mit meiner Frau ist“, so der Angeklagte abschließend.

Update, 6. Oktober 10 Uhr - Streit in Töging: Aus Eifersucht Ehefrau mit über 40 Stichen getötet?

Der Prozess hat mit einigen Minuten Verspätung begonnen. Es gibt drei Nebenklagen. Zu Beginn verliest der Staatsanwalt die Anklageschrift:

Am 19. Januar 2020 gegen 2.30 Uhr soll es zwischen dem Angeschuldigten und seiner Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung in Töging am Inn zu einem Streit gekommen seien. Der Grund hierfür sei, dass der Angeklagte auf ihrem Smartphone ein Foto und Chatverläufe seiner Frau mit deren neuen Freund gefunden haben soll. Es habe sich eine körperliche Auseinandersetzung im Badezimmer entwickelt. Dort hätte der Sohn des Angeschuldigten beide ein erstes Mal trennen können.

Etwa fünf Minuten später wäre der Angeschuldigte zu der Geschädigten zurück gekehrt, um ihr erneut das Mobiltelefon wegzunehmen. Dabei habe er sie gewürgt. Um sich zu wehren, habe sie in den rechten Zeigefinger und in die linke Ellenbeuge gebissen. Der Sohn hätte erneut den Streit kurz unterbrechen können

Der Angeschuldigte habe sich im Anschluss in die Küche begeben und ein circa 30 Zentimeter langes Edelstahl-Küchenmesser mit einer Klingenlänge von rund 19 Zentimeter an sich genommen. Mit diesem sei er erneut in das Schlafzimmer zu seiner Ehefrau und habe ihr einen Stich in den Bauch versetzt. Die Geschädigte sei daraufhin in das Badezimmer geflohen. Doch der inzwischen 57-Jährige sei ihr gefolgt und habe sie dort zu Boden gebracht.

Anschließend habe er mindestens 40 Mal im Bereich des Halses, des Bauches und der Brust auf die Geschädigte eingestochen. Obwohl sie um ihr Leben gefleht hätte, habe er immer weiter zugestochen. Auch der Sohn hätte ihn weder durch Zureden, noch durch Zerren abhalten können. Ein Stich habe die linke Halsschlagader durchsetzt. Durch die Vielzahl der Einstiche im Bauch sei das Opfer im Bad aufgrund des massiven Blutverlusts nach innen und außen verstorben.

Als nächstes äußert sich der Angeklagte zu seiner Person und zur Sache. 

Vorbericht:

Mit mindestens 40 Stichen soll der Angeklagte mit einem Küchenmesser auf seine 37-jährige Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung in Töging eingestochen haben, die noch vor Ort verblutete. Auslöser für den Streit waren wohl Fotos seiner Frau mit ihrem neuen Freund, die sie auf ihrem Smartphone hatte. Zwei Mal habe der Sohn des Angeschuldigten den Streit noch unterbrechen können, ehe die Auseinandersetzung jedoch eskalierte.

Ehefrau mit über 40 Messerstichen getötet? Prozess wegen Totschlag gegen Töginger am Landgericht Traunstein

Die Nachbarn haben laut Polizeimeldung damals den Notruf getätigt. Doch für die 37-Jährige kam jede Hilfe zu spät, sie verstarb noch in der Wohnung infolge der schweren Stichverletzungen. Der Angeklagte wurde vor Ort festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Einige Nachbarn waren über den tödlichen Ehestreit schockiert.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein erhob Anklage gegen den inzwischen 57-Jährigen wegen Totschlags. Das Gericht hat für den Prozess drei Verhandlungstage angesetzt. Prozessauftakt ist am Dienstag, 6. Oktober, um 9 Uhr. Die weiteren Termine sind am 12. und 19. Oktober.

chiemgau24.de wird aktuell aus dem Landgericht Traunstein berichten.

jz

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