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Am anderen Ende der Welt fand er seinen Traumberuf

„Einzigartig und geil“: Wie Julian aus Traunstein Deutscher Meister im Schafescheren wurde

Julian Karl, Deutscher Meister im Schafescheren, mit einem Walliser Schwarznasenschaf.
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Julian Karl, Deutscher Meister im Schafescheren, mit einem Walliser Schwarznasenschaf.

Traunstein hat einen neuen Deutschen Meister: Julian Karl hat den Titel jetzt im Schafescheren geholt - für den 22-Jährigen Leidenschaft, Beruf und „Sport“ zugleich. Wir haben mit ihm über seine steile Karriere gesprochen, die nicht auf einem heimischen Bauernhof, sondern am anderen Ende der Welt begann.

Traunstein - „Man ist fokussiert, man schwitzt, ist wie im Tunnel.“ Fünf Schafe in zwölf Minuten waren es, die Julian Karl im Finale der Deutschen Meisterschaft schor. Auf die Sekunde gleich war er mit seinem Konkurrenten, „aber bei mir war die Qualität besser.“ Stolz ist der junge Traunsteiner, wenn er an den 19. August zurückdenkt. Seitdem darf sich Karl Deutscher Meister in der Mittelklasse im Schafescheren nennen. Im Gespräch mit chiemgau24.de erinnert er sich ans Finale als ein „einzigartiges, geiles Erlebnis“.

Julian Karl aus Traunstein Deutscher Meister im Schafescheren

1200 Merinoschafe standen bei den Meisterschaften für die 56 Scherer an einem Wochenende in Kißlegg bereit. Eine Jury auf der Bühne, drei Klassen, dazu 300 Zuschauer beim Finale. „Man könnte das ganze schon als Sport bezeichnen“, so Julian Karl. Aber die Zeit ist letztendlich zweitrangig. Es geht ums Scherverhalten, die Endqualität und nicht zuletzt darum, dass es auch dem Tier gut geht. Der 22-Jährige hat jetzt daheim in Traunstein aber nicht nur einen kleinen Pokal stehen, er verdient mit den Tieren inzwischen seinen Lebensunterhalt. Schon mit 19 hat er mit dem Schafescheren den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt.

Julian Karl „in Aktion“.

Los ging es nicht in der elterlichen Landwirtschaft, wie man vermuten könnte, sondern bei einem Neuseeland-Trip nach der Schule. Zum Geldverdienen ist er dort zufällig in der Schafscherindustrie gelandet, als Wollpresser. Dort, am anderen Ende der Welt, ist es ein Wirtschaftszweig von hoher Bedeutung: auf einen Neuseeländer kommen fünf Schafe. Irgendwann hat er sich an die Schermaschine gewagt, einen Kurs belegt und wurde immer besser. „Letztendlich habe ich in Neuseeland meinen Traumberuf gefunden“, erzählt Julian Karl.

„Schafescheren ist wie Fitnessstudio“

Nach den 15 Monaten zurück in Deutschland hat er es einfach probiert. Sein erster Kunde: ausgerechnet Extremkletterer Alexander Huber. „Am Anfang ging es echt noch zäh, aber durch die Mundpropaganda ist das ganze dann im zweiten Jahr explodiert.“ Trotzdem macht Julian Karl „nebenbei“ noch eine Zimmererlehre. Sein „Revier“ reicht heute vom Lech über Niederbayern bis nach Österreich. Für einen guten Kunden fährt er sogar bis nach Wolfsburg. Inzwischen schafft Julian Karl an einem Arbeitstag 200 Tiere von ihrer schweren Wolle zu befreien. „In Neuseeland gälte ich damit noch immer als Anfänger“, so der Traunsteiner.

„Jedes Schaf ist anders“, überlegt Julian Karl. Zu seinem Beruf gehört viel Feingefühl. „Beim Scheren muss man sich mit dem Schaf bewegen, es kontrollieren.“ Die Haut des Tiers straffziehen, Falten umgehen und darauf achten, dass die Beine des Schafs in der Luft bleiben. Eine Arbeit, die sich nicht automatisieren lässt. „Man schwitzt den ganzen Tag, das Scheren ist für mich wie Fitnessstudio“, lacht der 22-Jährige - denn die „Meisterschaftsschafe“ aus Kißlegg brachten um die 70 Kilo auf die Waage.

Julian Karl mit den Schafen einer Kundin am Westerbuchberg bei Übersee.

Je nach Rasse muss ein Schaf ein- bis zweimal im Jahr unter die Klingen. Die Wolle wird nicht nur zum Stricken oder Dämmen verwendet, sondern in Garten und Landwirtschaft auch als Dünger. Die meisten Bauern und Hobbyschäfer, die Julian Karl besucht, haben nur maximal 15 Tiere. Nur in Saalbach, bei seinem größten Kunden, hat er am Stück so richtig zu tun: 350 Schafe schert der Traunsteiner dort dann in zwei Tagen. Und für Julian Karl steht heute fest: „Seit ich mit dem Scheren angefangen habe, sind Schafe meine Lieblingstiere. Manche sind faszinierend, manche sind langweilig. Aber jedes hat einen anderen Charakter. Irgendwann will ich selbst Schafe hüten.“

xe

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