Fahrrad-Demo in Traunstein als Happening

200 Teilnehmer setzten sich bei Korso für kinderfreundliche Radwege ein

Fahrrad-Demo in Traunstein
+
An der Spitze einer bunten Gruppe aus 200 Erwachsenen und Jugendlichen auf Rädern, Kindern auf Gehrädern, Radlern mit Kinderanhängern und Fußgängern führte Mitinitiator Dr. Patrick Nepper in Traunstein die Radler-Demo durch die Innenstadt an.

Traunstein - Die Stadt will fahrradfreundlicher werden. Das hat der Stadtrat Anfang des Jahres durch den Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, machte am Samstag eine große Fahrrad-Demonstration deutlich.

Die Demonstration stand unter dem Motto „Kidical Mass: Platz da für die nächste Generation“. Abgesichert durch die Polizei machten sich rund 200 Radler und Fußgänger aller Altersgruppen im Schritt-Tempo auf einen Rundkurs durch die Innenstadt.


Die Veranstaltung in Traunstein machte den bundesweiten Auftakt zu zahlreichen weiteren „Kidical Mass“-Aktionen in mehr als 108 Städten in Deutschland, Belgien, England, Österreich und der Schweiz. Zum Weltkindertag am gestrigen Sonntag und im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche forderten die Teilnehmer ein Umdenken in der Verkehrspolitik.

Angesichts der beachtlichen Zahl an Radl-Unterstützern sprach Dr. Patrick Nepper bei der Begrüßung der Teilnehmer im Stadtpark von einem „großen Erfolg“ der Aktion. Zusammen mit Ilja Frank und Nils Bödeker hat der Stadtrat der Grünen vor über einem Jahr den Traunstein Bicycle Club gegründet. Dessen Ziel sei, die Große Kreisstadt „zum perfekten Raum zum Radeln“ zu machen. Ein wesentliches Anliegen sei, „dass sich Kinder sicher und selbstständig mit ihren Fahrrädern in unserer Stadt bewegen können“.


Die Realität sehe jedoch anders aus, so Nepper. Speziell an der Wegscheid, der Wasserburger Straße, der Herzog-Friedrich-Straße, der Chiemseestraße und an anderen Stellen gebe es „zu schmale, ungeschützte oder häufig gar keine Radwege“. Aus Angst um die Sicherheit würden viele Eltern ihre Kinder deshalb mit dem Auto zur Schule fahren.

Nepper verwies auf aktuelle Berichte des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und des Deutschen Kinderhilfswerks, die sich ebenfalls für sichere Radwege starkmachen. Für Traunstein fordere man deshalb ein durchgehendes Radwegenetz in beide Richtungen, dazu eine räumliche Trennung von Kfz und Radverkehr in Tempo-50-Zonen und auf vielbefahrenen Straßen bei Tempo 30. Wichtig seien zudem farblich markierte Fahrradstreifen. Der Traunstein Bicycle Club werde dabei unterstützt vom ADFC Traunstein, den Fridays for Future, dem Offenen Raum Traunstein, den Grünen, der SPD und der Kreisgruppe des Bund Naturschutz.

SPD-Stadtrat Nils Bödeker, der Trausteins ersten Pop-up Radweg auf Zeit an der Ludwigstraße initiiert hat, erklärte, die Strecke habe zwar mehr nach Baustelle als nach Radweg ausgesehen, sei aber „rege genutzt“ worden. Im Rahmen des letzten Elternabends an der Ludwig-Thoma-Grundschule habe es „sehr positive Rückmeldungen“ dazu gegeben. Im Rahmen einer Schulumfrage bei Eltern und Kinder zu den Schulwegplänen sollen die gefährlichen Punkte herausgearbeitet werden. Als positiv wertete Bödeker die Initiative seines CSU-Stadtratskollegen und Verkehrsreferenten Konrad Baur für einen „Verkehrsdialog mit dem Bürgern“.

Claudia Lahr, Elternbeiratsvorsitzende an der Ludwig-Thoma-Grundschule, plädierte in ihrer Stellungnahme dafür, den begrenzten Straßenraum in der Stadt „gerechter aufzuteilen“. In der Schulstadt mit mehreren tausend Schülern sollten die Kinder nach der vierten Klasse auch selbstständig und sicher in den Unterricht radeln können. Die Praxis sehe so aus, dass sich häufig Schüler auf dem Rad und zu Fuß gehende Grundschüler auf dem Gehweg in die Quere kommen.

Dagmar Heid, Tourenleiterin und Sprecherin des ADFC Traunstein, monierte, dass die Radler häufig auf Gehwege ausweichen müssten: „Deshalb werden wir nicht als vollwertige Verkehrsteilnehmer wahrgenommen.“ Konflikte mit Fußgängern seien vorprogrammiert. Sie verwies auf de ADFC-Klimatest im Netz. Mit der Teilnahme daran könne jeder seine Zufriedenheit mit den Radwegen in Traunstein dokumentieren. Infos dazu: https://fahrradklima-test.adfc.de/

Den nächsten “Slow Roll” durch die Stadt mit Schrittgeschwindigkeit organisiert der Traunstein Bicycle Club am 17. Oktober um 10 Uhr.

Axel Effner

Kommentare