Gutes Ende einer gefühlt endlosen Geschichte

Feierliche Eröffnung des Kulturforums Klosterkirche in Traunstein

Architekt Peter Färbinger (rechts) übergab Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer den symbolischen Schlüssel als Backware.
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Architekt Peter Färbinger (rechts) übergab Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer den symbolischen Schlüssel als Backware.

Traunstein – Mit einer schönen Veranstaltung nahm die gefühlt endlose Geschichte der Sanierung des Traunsteiner Kulturforums Klosterkirche ein feierliches Ende. Fast zehn Jahre Planung, Diskussion und Bau hatte es bis zu diesem Tag gedauert, wie Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer feststellte.

Die Segnung des Kulturforums nahmen der katholische Dekan Georg Lindl und der evangelische Dekan Peter Bertram vor. Die von allen Festrednern hervorgehobene Bedeutung von Kunst und Kultur für die Menschen brachten sie auf den Punkt: Kultur ist Lebensmittel. Auf die Frage des Oberbürgermeisters, ob die Katholische Kirche mit der Segnung den säkularisierten Bau wieder übernehmen und damit die Unterhaltskosten tragen wolle, lehnte Stadtpfarrer Lindl dankend ab. Für die musikalische Unterhaltung mit Klassik und Boogie Woogie sorgten Silke Aichhorn (Harfe) und Zoran Curovic (Trompete) sowie Michael Alf (Piano).


In seiner Rede ging das Stadtoberhaupt auf die ganz unterschiedlichen Nutzungen ein. Die städtische Galerie habe im Südflügel des ehemaligen Klosters schöne Ausstellungsräume. Im Kirchenraum brächten Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen oder auch private Feiern Leben in die Stadt. „Ich will, dass dieses Forum ein Forum für alle Traunsteinerinnen und Traunsteiner, für die einheimischen Kulturschaffenden, Kulturvereinigungen und Vereine wird. Wir werden deshalb grundsätzlich keine Raummiete für diesen Nutzerkreis verlangen“, betonte Dr. Hümmer. Dabei ging er auf das bis zum Baubeginn wunderbare Wirken der Kulturfördervereinigung ARTS in der Klosterkirche ein.

Die wechselvolle Geschichte des Hauses begann 1690, als das Kloster nach nur dreijähriger Bauzeit eingeweiht wurde. Im Zuge der Säkularisation wurde es im 19. Jahrhundert geschlossen. Die Kirche diente dann ein halbes Jahrhundert als Getreidespeicher, ehe es die Stadt Traunstein erwarb und zu einer Mädchenschule umbaute. 1857 übernahmen die Englischen Fräulein das Kloster. Die Klosterkirche wurde neu geweiht. Nach 1945 wurde das Gotteshaus der Pfarrstiftung St. Oswald als Schulkirche überlassen, bis das denkmalgeschützte Gebäude endgültig entweiht wurde und die Stadt den Gebäudekomplex in den 1970er Jahren zurückerwarb.


In seinen weiteren Ausführungen ging der Oberbürgermeister auf die kulturelle Vielfalt, die schönen Künste, die Pflege des kulturellen Erbes und die Einrichtungen der kulturellen Bildung in der Kulturstadt Traunstein ein und betonte, dass Traunstein Heimat und Kulturraum sei. Als Kulturstadt sei Traunstein eine menschliche Stadt, die zum Schönen und Guten fähig sei.

Der Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernhard Sibler, hielt die Festansprache.

Der Festredner, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernhard Sibler, war froh, dass Kunst und Kultur nach dem völligen Verlust durch den Lockdown langsam wieder anfangen. Kunst und Kultur seien der Bereich, in dem der Staub des Alltags abgewischt werde, so Sibler. Deshalb müssten Kunst und Kultur unter Einhaltung der pandemischen Vorgaben wieder hochgefahren werden. Keine Miete zu verlangen, sei daher eine kluge Entscheidung der Stadt.

Der Bau unterstreiche, dass die Stadt im Sinn von Ortschaftsmitte arbeite. Er sei Mittelpunkt, wo sich die Menschen träfen und die Kultur im Austausch lebten. Man spüre das aufeinander Einlassen, um die Welt aus der Perspektive der anderen zu sehen. So sei Kultur ein Beitrag zu Demokratie. Kunst und Kultur habe eine hohe staatspolitische Verantwortung für Toleranz.

Deshalb sei es wichtig, die Strukturen zu erhalten. Dies tue Traunstein im Bewusstsein, eine lange Tradition und ein Stück Heimat zu erhalten. Was in Traunstein mit dem Kulturforum stattgefunden habe, sei von Grund auf gelungen. Eine Bausubstanz, die über Jahrhunderte entstanden sei, werde für die Zukunft erhalten. „So geht vernünftige Politik. So stelle ich sie mir vor“, erklärte der Staatsminister.

Auf den kulturellen Mittelpunkt und die kulturelle Bedeutung Traunstein wies auch Landrat Siegfried Walch hin. Er schlug den Bogen von Heimat zur Zusammengehörigkeit. Kultur, Heimat und Tradition gehörten zum christlichen Wertefundament. Es sei ein Raum geschaffen worden, in dem Kultur erlebbar sei, Heimat ohne Kultur sei nicht denkbar. Sich als Kulturstadt zu bezeichnen, sei auch eine ideelle und materielle Herausforderung.

Das Ergebnis des Entstandenen könne sich sehen lassen. Ein neuer Leuchtturm sei in Traunstein entstanden. Ein Raum, in dem sich immer wieder etwas verbinde, das zunächst nicht so ausschaue, als würde es zusammengehören. „Ich wünsche dem Kulturforum viel Leben und Zuspruch“, so der Landrat.

Architekt Peter Färbinger von Färbinger Rossmy Architekten meinte, er habe ein sehr gutes Gefühl. Die Politik sei mit dem Ergebnis hochzufrieden. Das Objekt sei seinerzeit heiß umkämpft gewesen. Wenn die Interessenten aber gewusst hätten, was auf sie zukomme. Das Kulturforum Klosterkirche sei danach ständig in aller Munde gewesen.

Kulturgüter sollten zur Belebung einer Stadt beitragen. Traunstein sei mit einem guten Beispiel vorangegangen. Aufgrund der bewegten Geschichte, die die Klosterkirche hinter sich habe, sei es eine große Herausforderung gewesen, eine zeitgemäße Antwort für die Erweiterung zu finden. Leider habe sich die große Lösung mit der Kleinkunstbühne nicht durchgesetzt. Der jetzige moderne Anbau ergänze sich jedoch mit dem Bestand. Alles in allen sei es ein spannendes Projekt mit 20 Architekten und Planern sowie 25 Gewerken gewesen. Im Anschluss seiner Rede übergab Architekt Färbinger dem Oberbürgermeister den symbolischen Schlüssel als Backware.

Für den humoristischen Ausklang der Veranstaltung sorgte Albert Rosenegger, der einen Brief des bauernschlauen, hintergründigen und doppelsinnigen Landtagsabgeordneten Josef Filser im Stile von Ludwig Thoma an Minister Sibler verfasst hatte. Thoma lebte selbst drei Jahre in Traunstein und hat die Stadt in seinen Werken mehrfach unter dem Namen „Dornstein“ verewigt. Also hätten die Dornsteiner eine Kirche hergerichtet, wo nun die Kultur hineingehen könne, schrieb Filser. Drei Oberbürgermeister hätten sich daran die Zähne ausgebissen. Etliche Stadträte hätten oft nicht mehr gewusst, wofür sie bereits abgestimmt hätten. Jetzt sei das Gebäude unverhofft fertig und nur wenige würden wegen des vielen Geldes schimpfen, das ausgegeben worden sei. Die Akustik sei verbessert worden, weil sie ursprünglich mit dem Echo vom Königssee um den ersten Platz gekämpft habe. Jetzt hingen die Vorhänge eben nicht vor den Fenstern, sondern an der Wand.

Nun hofften alle, dass das Kulturforum so gut besucht werde wie das Forum in Rom, denn die Traunsteiner seien dafür bekannt, dass sie nicht so kulturversessen seien. Durch den Besuch des Georgiritts und das Zählen der Rosse meinten sie, dass dies bezüglich der Kultur das ganze Jahr reiche. Jetzt müssten sie schon in das Forum hineingehen, wenn die Kultur darin schon auf sie warte.

Bjr

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