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Zwei Männer missbrauchten Rosenheimerin im Schlaf

Urteil: „Gemeinschaftliche Vergewaltigung“ - doch einer kommt auf freien Fuß

Immer wieder sei sie halbwach geworden und dann wieder „weg“ gewesen: Eine 32-jährige Rosenheimerin wurde im August 2020 in ihrem eigenen Bett von zwei Bekannten vergewaltigt - heute ist am Landgericht das Urteil gefallen.

Update, 16.13 Uhr - Urteil: „Gemeinschaftliche Vergewaltigung“ - doch einer kommt auf freien Fuß

Das Urteil ist gefallen. Ein 39-jähriger Rosenheimer und ein 51-jähriger Kolbermoorer werden wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung schuldig gesprochen. Aber nur einer der beiden muss im Gefängnis bleiben. Der Rosenheimer kommt mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf freien Fuß. Während die Vorsitzende Richterin Heike Will das Urteil verkündet, herrscht bei ihm große Erleichterung. Die Strafe für den Kolbermoorer beträgt zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis. Beide saßen bereits neun Monate in Untersuchungshaft.

Das Traunsteiner Landgericht sieht die Anklage als bestätigt. In der Nacht auf den 22. August 2020 gingen die Männer mit einer gemeinsamen Freundin (32) in Rosenheim fort und landeten dann schwer alkoholisiert in deren Wohnung. Als sich die Frau schlafen legte, wurde sie vom 39-Jährigen ausgezogen. Er führte Oralverkehr bei ihr aus, ohne in sie einzudringen. Der Kolbermoorer ging dagegen erheblich weiter und vergewaltigte die Frau im Schlaf. Das Gericht geht davon aus, dass die Tat spontan passierte und nicht geplant war. Beide Männer waren vor Gericht geständig.

Richterin Will stellt in ihrer Urteilsbegründung noch zwei Dinge deutlich heraus: „Mit einem Täter-Opfer-Ausgleich kann man sich nicht freikaufen. Es soll der Befriedung der Gesamtsituation dienen.“ Denn im Rahmen dieses Täter-Opfer-Ausgleichs zahlten die beiden Männer bereits 20.000 Euro Schmerzensgeld, weitere 5000 Euro werden folgen.

Und die Richterin geht nochmal auf das Plädoyer von Verteidiger Markus Frank ein. Er forderte auch für seinen Mandanten, den 51-jährigen Kolbermoorer, eine Bewährungsstrafe und bezog sich dabei auf jüngere Urteile des Amtsgerichts Rosenheim. Dort kamen in zwei Fällen Vergewaltiger ebenfalls mit Bewährungsstrafen davon. Richterin Heike Will: „Wir wissen nicht, was in Rosenheim los ist. Aber der Linie, die in Rosenheim gefahren wird, werden wir uns nicht anschließen. Das waren völlig falsche und fast schon skandalöse Enscheidungen.“

Update, 13.28 Uhr - Anwälte fordern Bewährung - und berufen sich auf Rosenheimer Vergewaltigungsurteile

Die beiden Verteidiger fordern für die Angeklagten jeweils nur Bewährungsstrafen. Ein Jahr und neun Monate zur Bewährung sieht Anwalt Maximilian Pauls für den 39-jährigen Rosenheimer als gerecht an, zwei Jahre zur Bewährung fordert Verteidiger Markus Frank für den 51 Jahre alten Angeklagten aus Kolbermoor. Frank führt in seinem Plädoyer auch zwei jüngere Urteile des Amtsgerichts Rosenheim an: In beiden Fällen wurden die Männer, trotz eines Eindringens in die Körper der Opfer, nur zu Bewährungsstrafen verurteilt.
 
Alkohol ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung“, argumentiert Anwalt Pauls. Sein Mandant habe „nur“ den Oralverkehr bei der 32-jährigen Rosenheimerin ausgeführt, ohne mit der Zunge eingedrungen zu sein - „er ließ sich einmalig dazu hinreißen“. Das Geständnis des 39-jährigen Rosenheimers sei auch deswegen so wertvoll, weil über DNA-Spuren nichts mehr nachweisbar gewesen sei. Und nur durch die vorsichtigen Hinweise, die der Angeklagte der Frau gab, sei die Straftat überhaupt ans Licht gekommen.
 
Dass man in den Chats nach der Tat eine Wiederholung plante, sei „absurd“, so der Verteidiger des 51-jährigen Kolbermoorers, Markus Frank - obwohl dort deutlichste Worte fielen. „Das war eine Art der Verarbeitung, das ganze zu überspielen, das schlechte Gewissen zu kaschieren.“ Der Täter-Opfer-Ausgleich mit einer Schmerzensgeldzahlung von 25.000 Euro sei „mustergültig“, so Anwalt Frank. Außerdem müsse man dem Kolbermoorer seine positive Sozialprognose anrechnen und dass er, wie auch der andere Angeklagte, bereits seit neun Monaten in Untersuchungshaft sitzt.

Nun fehlt nur noch das Urteil des Landgerichts Traunstein unter Vorsitz von Richterin Heike Will. 

Update, 10.55 Uhr - „Wie kann man guter Freundin sowas antun?“ Staatsanwalt will lange Haftstrafen

Es ist ein teils emotionales Plädoyer, das Staatsanwalt Moritz Weinhart hält. „Mir fehlt noch immer jegliches Verständnis, wie man einer guten Freundin so eine Tat antun kann.“ In den Taten des 51-jährigen Kolbermoorers und des 39-jährigen Rosenheimers sieht der Staatsanwalt eine gemeinschaftlich begangene Vergewaltigung.
  
Auch wenn der Rosenheimer „nur“ Oralverkehr an der Geschädigten ausgeführt habe, gelte auch das als Vergewaltigung. Erschwerend komme hinzu, dass er das Opfer zuvor entkleidete. Vier Jahre Haft fordert Staatsanwalt Weinhart für den 39-Jährigen. Der Kolbermoorer drang auch immer wieder in die 32-jährige Rosenheimerin ein. In seinem Fall plädiert die Staatsanwaltschaft auf vier Jahre und sechs Monate Gefängnis. „Bewährungsstrafen kommen nicht in Betracht.“

„Eine Oberfrechheit“ sei es außerdem, dass die beiden in einem Chat nach der Tat eine Wiederholung planten. „Und Alkohol darf keine Ausrede sein und rückt das ganze in kein besseres Licht“, so Moritz Weinhart. Trotzdem seien die Männer deswegen vermindert schuldfähig. Für die Angeklagten spreche außerdem, dass von den 25.000 Euro Schmerzensgeld 20.000 Euro bereits bezahlt sind, dass sie geständig, reuig und nicht vorbestraft sind. Außerdem sei die Tat nicht von langer Hand geplant gewesen. 

Nun darf man auf die Plädoyers der Verteidiger gespannt sein. Im Anschluss wird am Traunsteiner Landgericht das Urteil fallen. 

Erstmeldung

Rosenheim/Traunstein - Man sei so betrunken gewesen und dann auf die „spontane Idee“ gekommen, gestanden die beiden Angeklagten bereits ein: gegen einen Rosenheimer, 39 Jahre alt, und einen 51-jährigen Kolbermoorer wird das Landgericht Traunstein am Dienstag (6. Juli) das Urteil fällen. Beide sind wegen Vergewaltigung angeklagt. Die Tat soll sich in der Nacht auf den 22. August 2020 ereignet haben. Nach einem alkoholreichen Abend im Rosenheimer Nachtleben sei die Frau, 32 Jahre alt, mit den beiden Männern in ihre Wohnung gegangen. Nachdem sie sich schlafen legte wurde sie von den beiden vergewaltigt.

Frau aus Rosenheim im Schlaf vergewaltigt? Urteil am Landgericht Traunstein

Alle drei kannten sich, mit dem Jüngeren der beiden Angeklagten war die Frau sogar gut befreundet. Zu Intimitäten sei es zuvor nie gekommen. „Ich lag wie gelähmt in meinem Bett und konnte mich nicht wehren“, beschrieb die Geschädigte die schreckliche Situation. Für aussagekräftige Blut- oder Haaranalysen war es schon zu spät, als die 32-Jährige etwa drei Wochen später zur Polizei ging - denn laut einem Gutachten können solche Blackouts nicht allein vom Alkohol herrühren.

Bevor das Urteil fällt werden am Landgericht auch noch die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehalten. Die Verhandlung beginnt um 9.30 Uhr. rosenheim24.de wird aktuell aus dem Gericht berichten.

xe

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand

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