Friedliche Corona-Demos in Traunstein etablieren sich

Vom „Masken-Horror“ über „gequälte Schulkinder" bis zur Berlin-Demo

Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Traunstein
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Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Traunstein am 5. September 2020: Rund 130 Teilnehmer versammelten sich im Stadtpark.

Traunstein - Es war die inzwischen fünfte Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen in Traunstein: Ganz besonders stand dort diesmal auch die jüngste Großkundgebung in Berlin im Zentrum.

Rund 130 Teilnehmer waren es erneut, die Organisator Franz Lindlacher am Samstag, 5. September, überzeugen konnte: Die Corona-Demos in Traunstein - es war inzwischen die fünfte im zweiwöchigen Rhythmus - haben sich etabliert. "Es wird getestet was das Zeug hält und trotzdem gibt es kaum Infizierte. Aktuell befindet sich im Landkreis nur ein Patient deshalb im Krankenhaus", drückte Lindlacher seine Skepsis gegen die Einschränkungen der Regierung aus.


Fünfte Corona-Demo in Traunstein

Die Bilder sorgten bundesweit tagelang für Diskussionen: Bis zu 400 der insgesamt 40.000 Demonstranten bei der Corona-Demo in Berlin am 29. August stürmten die Treppe zum Reichstag, teils mit Flaggen des Deutschen Reiches. „Wir sind gegen Rassismus und Hetze, wir distanzieren uns vom Extremismus“, stellte Moderator Hubert Koch in Traunstein klar, der sich als „Querdenker“ bezeichnet und selbst auf der Großkundgebung in Berlin war.


Rund 130 Teilnehmer versammelten sich zur inzwischen fünften Corona-Demo in Traunstein.

„Die große Aufmerksamkeit, die Reichsbürger und Rechtsextreme bekommen, lenkt nur davon ab, was in Berlin wirklich passiert ist. Wir haben friedlich für unsere Grundrechte, für eine friedliche Zukunft und für eine Politik, die gegenüber den Bürgern ehrlich ist, demonstriert“, so Koch von „Querdenken Chiemgau-Rupertiwinkel“. Überall sei dort eine positive Energie zu spüren gewesen. Einige weitere Teilnehmer der Berlin-Demo traten ans Mikrofon: auch über „eingeschleuste Provokateure in Zivil“ wurde gemutmaßt, die bei der Berlin-Kundgebung am 29. August angeblich „Chaos verbreiten wollten".

Hubert Koch von „Querdenken Chiemgau-Rupertiwinkel“

Das zweite große Thema im Traunsteiner Stadtpark: Die Maskenpflicht für Bayerns Schüler ab der 5. Klasse. Rednerin Felicitas Englisch sprach davon, dass die Kinder mit den Masken „gequält“ werden sollen. Jener „Masken-Horror“ hätte eine negative Entwicklung der Schüler zur Folge, da sie auf die Mimik ihrer Gegenüber angewiesen seien. Die Unwirksamkeit von Stoffmasken gegen Viren sei erwiesen: „Was unseren Kindern angetan wird, ist sinnlos.“

Für die Polizei gab es keinen Grund, bei der Corona-Demo in Traunstein einzugreifen.

Noch schlimmer sei die Maskenpflicht in den Schulen für Kinder mit Asthma oder Behinderte, die vom Unterricht praktisch ausgeschlossen würden, so Marlies Neuhierl-Huber, Grünen-Gemeinderätin in Siegsdorf, am Mikrofon. Der Mund-Nasen-Schutz dürfe nicht zur Alltagsmaske werden. Außerdem wurde ein Ende des „Social Distancing“ gefordert. „Ich will keine Gesellschaft, in der jeder alleine vor sich hinwurstelt und in der man sich nicht mehr vertraut“, so Redner Herbert Buchner, der dafür viel Applaus bekam.

Wie auch bei den Kundgebungen zuvor hielt sich die Traunsteiner Polizei am Samstag im Hintergrund. Die Stimmung war friedlich, weder Parteifahnen noch extremistische Symbole waren auszumachen. Bei den rund 130 Teilnehmern war Platz genug, um die Sicherheitsabstände einzuhalten. Auch bei der Teilnehmeranzahl bewegte sich die jüngste Demonstration im bisherigen Rahmen.

xe

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