Geburtstage in Untersuchungshaft verbracht

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James A. wurde entführt.

Traunstein/Speyer - Am Donnnerstag wird in Traunstein der Prozess gegen die Rentner-Gang von Chieming fortgesetzt. Den vier betagten Angeklagten wird vorgeworfen, ihren ehemaligen Finanzmakler entführt zu haben, um ihn dazu zu bringen, ihm anvertraute Anlagegelder wieder herauszurücken.

Es ging um knapp 2,3 Millonen Dollar. In den letzten Wochen begingen zwei der Angeklagten hinter Gittern ihren Geburtstag: Der Mitentführer, ein US-Amerikaner deutscher Herkunft, wurde 61; die Ehefrau des 74-jährigen Hauptangeklagten aus Chieming ist jetzt 80 Jahre alt.

Die vier Angeklagten - zwei Männer und zwei Frauen - müssen sich wegen gemeinschaftlicher Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung, einer zusätzlich wegen Raubs, verantworten. Das Verfahren gegen einen weiteren Täter, einen 67-jährigen Arzt im Ruhestand aus Schliersee und Ehemann der 64-jährigen Angeklagten, wurde wegen Verhandlungsunfähigkeit aufgrund Herzproblemen vorläufig eingestellt.

Den geplanten Verhandlungsablauf hatte der Hauptangeklagte, ein 74-jähriger Bauunternehmer, am ersten Verhandlungstag völlig durcheinander gebracht mit ausufernden und verharmlosenden Schilderungen zu Details der Tat. Trotz aller Schönfärbereien brachen bei dem wegen Körperverletzungsdelikten vorbestraften 74-Jährigen vor Gericht aggressive Verhaltensweisen durch - so erklärte er, er habe mit dem Geschädigten "ein hartes Gespräch" führen, eine "Endlösung" erzielen wollen.

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Heftige Attacken ritt der Hauptangeklagte gegen den gekidnappten 57-Jährigen. Der Finanzberater habe "beim Leben seiner Mutter" die Seriosität der Geschäfte beteuert. Die ersten Anlagegeschäfte via Bauträgermodell in Florida mit Zinserträgen bis zu zwölf Prozent seien zur vollsten Zufriedenheit der Investoren verlaufen. Die Zahlungen seien teils früher als fällig eingetrudelt. Zum vereinbarten Termin Ende 2002 habe der 57-Jährige einen Barscheck über die Restsumme von 680 000 Dollar offeriert. Nachdem er und seine Frau - so der Angeklagte - dem Finanzmann völlig vertrauten, legten sie den Betrag für weitere fünf Jahre ab 1. Januar 2003 an. Davon sahen sie keinen Cent wieder.

Dazu der 74-Jährige: "Bis zum Dezember 2007 hatten wir keine Ahnung, was 2005 und 2006 hinter unserem Rücken gelaufen ist. Er hat allen Großanlegern wie uns seither nichts mehr bezahlt."

Tatsächlich, das habe man recherchiert, habe der 57-Jährige nie ein reelles Geschäft vorgehabt, "ein Schneeballsystem aufgebaut, alle getäuscht und das Geld selbst verbraucht". Zwei Jahre habe man mit dem Geschädigten verhandelt: "Nichts haben wir gekriegt. Wir sind nur verarscht worden."

Der 74-Jährige griff die Staatsanwaltschaft an, die von dem "Schneeballsystem" des 57-Jährigen nichts habe wissen wollen. Staatsanwalt Dr. Gregor Stallinger verwahrte sich dagegen. In Kaiserslautern werde ein Ermittlungsverfahren gegen den Nebenkläger geführt, berichtete Vorsitzender Richter Karl Niedermeier: "Vielleicht wird er mal angeklagt, vielleicht auch nicht." Auf verbale Angriffe der Verteidiger gegen den Geschädigten reagierte dessen Anwalt, Dr. Steffen Christmann aus Speyer: "Mäßigen Sie sich mit Unterstellungen, die keineswegs belegt sind. Derartige Behauptungen sind in keiner Weise bewiesen."

Der zweite Verhandlungstag startet mit der Anhörung der übrigen drei Angeklagten. Wahrscheinlich am Nachmittag tritt der 57-jährige Geschädigte in den Zeugenstand.

kd/Oberbayerisches Volksblatt

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