Heidi und Ernst Flieher wollen Leerstand am Traunsteiner Stadtplatz verhindern

„Das Kleinzeug hatte sonst keiner“: Elektro Machatschek hört nach 65 Jahren auf

Ernst und Heidi Flieher schließen ihr Geschäft „Lampen Machatschek“ am Stadtplatz in Traunstein.
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Ernst und Heidi Flieher schließen ihr Geschäft „Lampen Machatschek“ am Stadtplatz in Traunstein.

Bald ein Traditionsgeschäft weniger am Traunsteiner Stadtplatz: „Elektro Machatschek“ war noch ein Fachhandel vom alten Schlag. Heidi Machatschek-Flieher und ihr Mann sind jetzt mit dem Abverkauf beschäftigt - haben aber Zuversicht, einen Leerstand abwenden zu können.

Traunstein - Es ist einer jener Läden, wie es sie immer seltener gibt: Man atmet Geschichte, wenn man bei Heidi und Ernst Flieher ins Geschäft kommt. Der alte Kassentisch und das rustikale Holzregal dahinter sind hier verbaut, seit „Elektro Machatschek“ am Traunsteiner Stadtplatz einzog. 1969 war das, 13 Jahre nachdem das Geschäft in der Scheibenstraße gegründet wurde. Aber bald wird Schluss sein: „Ende April hören wir auf“, so Inhaberin Heidi Machatschek-Flieher im Gespräch mit chiemgau24.de.

Elektro Machatschek in Traunstein schließt

Glühbirnen in allen Größen, Kabel, Leuchtenteile, Batterien, Lampen, Fassungen, Steckerleisten... „Schon die Vertreter haben oft zu uns gesagt, dass solche Geschäfte fast schon ausgestorben sind“, sagt Heidi Machatschek-Flieher - und mit etwas Stolz fügt sie hinzu: „Das ganze Kleinzeug hatte sonst keiner in Traunstein.“ Es ist aber weder die Corona-Krise, noch sind es fehlende Umsätze, die nun das Ende von „Elektro Machatschek“ einläuten. Das Ehepaar geht in Rente, ein Nachfolger ließ sich nicht finden. „Auch die IHK hat über anderthalb Jahre bei der Suche geholfen, aber ohne Erfolg“, so Machatschek-Flieher.

Das auffällige und hell beleuchtete Innenleben bei „Lampen Machatschek“ in Traunstein.

Traditionsgeschäfte leben mit der Zeit von der Stammkundschaft. Beim Machatschek war das nicht anders. „Wir hoffen, dass Sie ein bisschen Wehmut empfinden über unser Aufhören. Und dass wir Ihnen a bisserl abgehen“, lässt auch Heidis Mutter Erika Machatschek ausrichten, die 1956 das Geschäft mit aus der Taufe hob. „Mein Vater hat damals mit dem Goggomobil die Waschmaschinen ausgefahren. Und ich hab‘ schon Stecker und Bügeleisen repariert, da war ich noch in der Volksschule“, erinnert sich Heidi Machatschek-Flieher.

Viele Interessenten für die Machatschek-Geschäftsräume

Über die Jahre haben die Fliehers 2007 eine Paketannahme für die Post in den Laden integriert („das lief gut und war zuletzt richtig ausfüllend“) und 2009 eine Lottostelle. Die Poststation haben Heidi und Ernst Flieher aber schon am 1. Februar an „EP:Seidl“ in der Maxstraße abgegeben. Bekannt ist „Elektro Machatschek“ auch für eine andere Besonderheit: Man kann noch immer mit D-Mark bezahlen. „Einmal im Jahr sind wir zur Landesbank nach München gefahren und haben umgetauscht. Das waren jedes Mal 500 bis 1000 Euro.“ Auch österreichische Schilling haben die Fliehers bis vor einigen Jahren angenommen.

Über „Call & Collect“ haben die Fliehers auch momentan ihr Geschäft noch geöffnet.

Wie geht es nun weiter am Stadtplatz 30? Heidi Machatschek-Flieher ist zuversichtlich einen Leerstand abwenden zu können: „Ich bin mir recht sicher, dass wir den Laden schnell wieder vermieten können. Wir sind für vieles offen.“ Ein Fitnessstudio, ein Handy-Reparaturgeschäft, ein Café - Anfragen habe es schon viele gegeben, die Richtige sei allerdings noch nicht dabei gewesen. Im Idealfall steht ein neues Geschäft schon dann parat, wenn Heidi und Ernst Flieher aufhören - geplant Ende April, nur wenn sich der Lockdown noch länger zieht, wollen die beiden ein paar Wochen dranhängen. Aber dann wird beim Machatschek das sprichwörtlich letzte Licht ausgelöscht. Schade für Traunsteins Geschäftswelt.

xe

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