Experte überprüfte Gutachten und stellt Ergebnis vor

Es scheint klar: Bebauung der Daxerau ohne Gefahren für Anwohner

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Prof. Dr. Markus Disse von der TU München überprüfte die bestehenden hydraulischen Gutachten, wie sich eine Bebauung der Daxerau in Traunstein auswirken würde. Die Ergebnisse wurden am Freitag im Rathaus vorgestellt. 

Traunstein - Bewohner der Daxerau wehren sich: Die geplanten Wohnhäuser in der Nachbarschaft würden die Hochwassersituation verschärfen, Gutachten werden angezweifelt. Die Gutachten wurden überprüft, das Ergebnis nun vorgestellt. 

"Ja, in der Daxerau werden durch die Bebauung Retentionsflächen verloren gehen. Aber für die Anwohner gibt es keine Verschlechterung gegenüber dem Ist-Zustand", so lautet das Fazit von Markus Disse. Er hat einen Lehrstuhl für Hydrologie an der TU München und untersuchte - auf Druck der Anwohner hin - die bestehenden Gutachten des Büros "Aquasoli", die die Stadt Traunstein in Auftrag gab. Am Freitag um 17 Uhr wurden die Ergebnisse vorgestellt. 


Ergebnis klar: Keine Verschlechterung für Bewohner der Daxerau

Eigentlich war es als "runder Tisch" gedacht: Oberbürgermeister, Investoren, Wissenschaftler, Stadträte und drei Beschwerdeführer. Doch letztere kamen nicht, nach eigenen Angaben teils aus beruflichen Gründen. So blieben den Anwesenden nach dem Vortrag von Markus Disse praktisch keine offenen Fragen mehr. Auch Burgi Mörtl-Körner, deren Grünen-Fraktion im Stadtrat stets gegen das Bauprojekt stimmte, hielt sich zurück. 

Grafik, wie das neue Wohnviertel in der Daxerau aussehen könnte. 120 Wohnungen könnten in 13 Gebäuden entstehen.

Das Gutachten von "Aquasoli" sei "sehr solide" und habe nur einen Knackpunkt: "Es wurde mit günstigeren Bodentypen in der Daxerau und auf dem Hochberg gerechnet, ohne es zu begründen", so Disse. Tatsächlich hat man es dort mit wenig bzw. kaum wasserdurchlässigen Gleyböden zu tun. "Bei diesen Böden fließt rund 20 Prozent weniger Wasser ab, als bei den Bodentypen, mit denen Aquasoli rechnete", so Disse.

"Klimawandel nicht einberechnet"

Außerdem gelten diese verringerten Abflusszahlen "nur" für ein hundertjähriges Hochwasser. Für ein Extrem-Hochwasser wurden die Abflusszahlen nicht neu berechnet, "und auch den Klimawandel haben wir nicht einbezogen", so Disse. Trotzdem: Auch bei einem hundertjährigen Hochwasser seien die Folgen für die Anwohner - Bodentypen hin oder her - nicht anders. Disse untersuchte auch ein Gegengutachten der Anwohner. Es rechnete zwar mit korrekten Bodentypen, sei in den Aussagen zur Hydraulik aber "nicht belastbar", so Disse: "Aquasoli hat genauer nachgemessen."

Die alten Tennishallen sind inzwischen abgerissen. Auf jener Fläche soll die Wohnbebauung entstehen. 

Hat die geplante Bebauung der Daxerau auch Auswirkungen auf die Gemeinden im weiteren Verlauf der Traun? Auch das schließt Markus Disse klar aus. "Der Verlust des Retentionsraums in der Daxerau wird sich auf den Pegel in Stein so auswirken, als würde ein Promille mehr an Niederschlag fallen." Die Bürgermeister von Nußdorf, Traunreut und Altenmarkt äußerten in der Vergangenheit nämlich ebenfalls Bedenken. 

"Akzeptieren, dass fachliche Dinge sind wie sie sind"

Die Grundaussagen Disses Überprüfung wurden zuletzt auch schon im Stadtrat bekannt. Um aber auch nochmal mit den Daxerauern zu sprechen wurde aus den Reihen des Stadtrates ein "runder Tisch" mit allen Beteiligten vorgeschlagen. Die Anwohner forderten eigentlich ein komplett neues Gutachten, nicht nur eine Überprüfung. "Irgendwann muss akzeptiert werden, dass fachliche Dinge sind wie sie sind", so Oberbürgermeister Christian Kegel zuletzt im Stadtrat. Auch andere Stadträte wie Sepp Kaiser sprachen jetzt von einem "eindeutigen Ergebnis".

Wie geht es weiter? Das Ingenieurbüro Aquasoli muss seine Gutachten nun erneut überarbeiten. Danach wird es dem Stadtrat mitsamt dem kompletten Bebauungsplan nochmal zum Beschluss vorgelegt. Für die Bebauung der Daxerau gibt es nach wie vor eine stabile Mehrheit im Stadtrat: Zuletzt stimmten wieder 17 Räte dafür und sechs dagegen.

xe

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