Masernalarm: „Impf-Müdigkeit“?

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Traunstein - Im Landkreis treten vermehrt Fälle von Masern auf. Die Ärzte sind besorgt: Wer keinen ausreichenden Impfschutz hat, sollte diesen dringend nachholen.

Privatdozent Dr. Gerhard Wolf (Chefarzt der Kinderklinik am Klinikum Traunstein), Prof. Dr. Thomas Glück (Chefarzt der Abt. für Klinische Infektiologie der Klinken SOB) und Dr. Stephan Gebrande (Gesundheitsamt Traunstein) weisen besorgt darauf hin, dass in den vergangenen Wochen gehäuft Fälle von akuten Maser-Infektionen bei Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen in unserer Region diagnostiziert wurden.

Ein Teil der Patienten ist stationär behandelt worden, aber auch einige Praxen berichten einzelne Masernfälle. Masern waren über viele Jahre in unseren Landkreisen überhaupt nicht mehr beobachtet worden. Aber auch aus anderen Regionen Deutschlands und der Welt wird in letzter Zeit immer wieder über Masern-Ausbrüche berichtet. Damit erlebt leider eine Infektion eine Renaissance, die noch vor wenigen Jahren in der westlichen Welt als praktisch ausgerottet angesehen wurde.

Hintergrund des Wiederaufflammens von Masern-Infektionen in Deutschland und in anderen westlichen Ländern ist die leider immer mehr zu beklagende „Impf-Müdigkeit“ - sei dies einfach aus Nachlässigkeit, aus falsch verstandener Rücksicht auf das Kind, dem man den Nadelstich für die Impfung nicht zumuten möchte, oder aus schwer nachvollziehbaren "weltanschaulichen" Gründen.

Es muss insbesondere im Hinblick auf den zuletzt erwähnten Punkt eindringlich darauf hingewiesen werden, dass Masern keinesfalls eine "gutartige Kinderkrankheit" sind. Einer bis drei von 1000 an Masern Erkrankten sterben an Masern oder deren Folgen. Kinder unter fünf Jahren sind gefährdeter als Erwachsene. Masern können schwer verlaufen und insbesondere waren auch die in letzter Zeit bei uns beobachteten Fälle von Masern bei den Erwachsenen durch schweres Krankheitsgefühl mit Notwendigkeit der Krankenhaus-Behandlung, starkem Ausschlag, hohem Fieber und begleitender Leberentzündung charakterisiert. Dies alles kann durch eine einfache Schutz-Impfung verhindert werden.

Damit wir in Deutschland nicht wieder grassierende Masern-Ausbrüche haben, ist es unbedingt erforderlich, dass ein möglichst hoher Teil (über 95%) der Bevölkerung gegen Masern geimpft ist.

Die Unterzeichnenden rufen daher dringlich auf, dass jeder seinen Masern-Impfschutz überprüft oder überprüfen lässt. Dies gilt nicht nur für Kinder, sondern insbesondere auch für Erwachsene – etwa die Hälfte der jüngst im Landkreis beobachteten Masernfälle betrafen nicht oder nicht ausreichend geimpfte Erwachsene. Wenn kein ausreichender Impfschutz besteht, kann der Hausarzt die Impfung jederzeit nachholen.

Bei der Immunisierung gegen Masern handelt es sich um eine unkomplizierte und von der ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut allgemein empfohlene Schutzimpfung.

Die Impfung wird sehr gut vertragen, eines von 10 Kindern kann einen Ausschlag entwickeln, die sogenannten „Impfmasern“, die allerdings nicht ansteckend sind. Schwerwiegende allergische Reaktionen sind extrem selten. Im Vergleich zu den Nebenwirkungen einer Impfung ist das Risiko einer echten Maserninfektion ungleich höher: 1 von 1000 Masernpatienten entwickelt eine lebensgefährliche Gehirnentzündung, woran etwa jeder 10 Patient verstirbt. Dieses Risiko besteht bei einer Masernimpfung nicht.

Es muss an dieser Stelle der irrigen, immer wieder vorgebrachten Meinung, dass Impfungen das Immunsystem „schwächen“ und Infektionen es "stärken" mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden. Der Impfstoff ahmt die Infektion nach, so dass sich das körpereigene Immunsystem sehr wohl mit der Krankheit auseinandersetzt. Im Gegenteil, eher wird das Immunsystem durch eine schwere Infektion, wie es eine Masern-Erkrankung darstellt, stark beansprucht und in der Rekonvaleszenz folgt nicht selten eine Phase der Immunschwäche mit Anfälligkeit für weitere Infektionen.

Insgesamt gibt es keinen vernünftigen Grund, nicht gegen Masern zu impfen. Nicht oder nicht ausreichend (das heißt nicht mindestens zwei Mal mit dem Mumps/Masern/Röteln (MMR-) Impfstoff) geimpfte Personen werden von den Unterzeichnenden dringend aufgerufen, ihren Impfschutz überprüfen und vervollständigen zu lassen.   

Pressemeldung der Kliniken Südostbayern

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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