Wohnbaugenossenschaft Haidforst

Heimliche Abrisspläne und veruntreutes Geld? Vorstand nimmt Stellung

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Allein im sogenannten Langblock (links) stehen sechs Wohnungen leer. Wird zu langsam saniert? 800 Wohnungsbewerbungen hat die Genossenschaft derzeit vorliegen.
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Traunstein - Bei vielen Mietern herrscht Verunsicherung, auch auf der Mitgliederversammlung gab es keine Aussprache: Ein Insider und der Vorstand äußern sich zu Leerstand, Abrissplänen und veruntreutem Geld.

Rund 450 Wohnungen gehören der "Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst". Sie ist damit der größte Vermieter in Traunstein und richtet sich vor allem an sozial schwächere Menschen. "Genau das ist meine Befürchtung: Dass man die alten Häuser aus der Nachkriegszeit soweit verkommen lässt, dass nur noch ein Abbruch in Frage kommt und die alten Mieter raus müssen", so ein Bewohner der Haidforst, der über Jahrzehnte für die Genossenschaft gearbeitet hat.

Überplanung von ganz Alt-Haidforst?

"Es gibt bereits Pläne, dass der sogenannte Langblock abgerissen wird. Und es sind sogar schon Pläne aufgetaucht, nach denen das ganze alte Viertel überplant werden soll", so der Insider. 13 neue Wohnblöcke mit insgesamt rund 200 Wohnungen würden demnach rund um die Ringstraße gebaut. "Die jetzigen, günstigen Mieten von vier bis fünf Euro pro Quadratmeter könnten doch nie gehalten werden", befürchtet er - außerdem: Das ganze Ensemble um die Ringstraße sei schützenswert.

Protestplakate: Stehen Abrisse in Alt-Haidforst an? Es soll "überwiegend saniert" werden, so der Vorstand - und "auch der Neubau eines Hauses ist denkbar".

Was ist dran an den Gerüchten? Tatsächlich wird die Baugenossenschaft im kommenden Jahr ein großes Sanierungskonzept mit Experten erstellen: "Ohne vorgreifen zu wollen, kann schon jetzt gesagt werden, dass wohl überwiegend saniert wird - aber auch der Neubau eines Hauses ist denkbar", so Uwe Wieteck, Vorstand der Genossenschaft. 

Bei den angesprochenen Plänen, ausgearbeitet von einem Traunsteiner Ingenieurbüro, handle es sich nur um eine "Machbarkeitsstudie", so Wieteck - zum einen sei sie nicht abgeschlossen, zum anderen würden dort nur grundsätzliche Dinge, wie eine theoretisch mögliche Bebauungshöhe, eine maximal mögliche Wohnungsanzahl oder die Stellplatzproblematik behandelt. 

Der Wohnungsleerstand in Haidforst

Und der Vorwurf des absichtlichen Leerstandes? "Als es noch den genossenschaftseigenen Bauhof gab wurden leere Wohnungen sofort renoviert um keine Mieteinnahmen zu verlieren", so der Insider. Doch der Bauhof wurde im März geschlossen, insgesamt 22 leerstehende Wohnungen könnten inzwischen gezählt werden. 

"Von den angeblich 22 leeren Wohnungen sind zwei bereits neu vermietet, drei bezugsfertig und drei werden gerade saniert", so Vorstand Uwe Wieteck. Letztlich wären es 14 Wohnungen die in Haidforst leer stehen - eine aber schon seit rund zwei Jahren. Der Grund laut Wieteck: "Bei der Sanierung haben größere Wohnungen Priorität. Früher wurde oftmals nur teilsaniert, heute werden Komplettsanierungen durchgeführt." 

Bis zu 30.000 Euro investiere man in die Sanierung einer Wohnung. Allein im vergangenen Jahr seien 710.000 Euro in die Modernisierung von 36 alten Wohnungen gesteckt worden, so Wieteck. Denn die Nachfrage ist riesig: Rund 800 Bewerbungen für Wohnungen liegen der Baugenossenschaft aktuell auf. Überhaupt stehe die Genossenschaft wirtschaftlich so gut da wie nie, so der Vorstand: Die Bilanzsumme liegt bei 13,6 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote bei über 34 Prozent.

"Sonderzahlung" in Höhe von 10.000 Euro

Der langjährige Mitarbeiter der Wohnbaugenossenschaft erhebt einen weiteren, schwerwiegenden Vorwurf: Einem früheren Geschäftsführer der Genossenschaft half er immer wieder bei der Renovierung seines Privathauses. Just als die Arbeiten beendet waren, wurden dem Mitarbeiter plötzlich 10.000 Euro vom Konto der Genossenschaft überwiesen - deklariert als "Sonderzahlung". Veruntreutes Geld?

"Die Geschäftsführung stellte damals fest, dass er über einen längeren Zeitraum eine halbe Lohnstufe geringer eingruppiert war, als seine Kollegen", so Vorstand Uwe Wieteck zu dem Vorwurf: Es habe sich also nur um eine rückwirkende Ausgleichszahlung gehandelt. Unser Insider wundert sich: "Wenn dem so wäre, könnte ich rechtlich nur für drei Monate rückwirkend das höhere Gehalt fordern." Wieteck hält dagegen, dass man damals mit seinen Leistungen eben sehr zufrieden gewesen sein.

Auf der Suche nach einem Geschäftsführer

Einen neuen Geschäftsführer hat man bei der Wohnbaugenossenschaft Haidforst derweil noch immer nicht gefunden. Allein im Laufe der vergangenen zwölf Monate standen drei verschiedene Männer an der Spitze: Michael Hofmann, Rudi Reiser und Tobias Weber. Seit Anfang Oktober ist der Posten wieder unbesetzt. Es scheint einfachere Jobs zu geben.

xe

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