Corona-Bewältigung Thema im Traunsteiner Kreistag

Impffortschritt und Schnelltests: Zwischen „ruck zuck“ und „bitterer Situation“

Der Vorschlag, den der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch unterbreitet, ist ein verlockender: Abwenden von der 7-Tages-Inzidenz hin zur Quote der bereits Geimpften.
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Traunsteins Landrat Siegfried Walch (Fotomontage).

Wie kommt der Landkreis Traunstein bei den Schnelltests und beim Impfen gegen das Coronavirus voran? Obwohl nicht auf der Tagesordnung war der Kampf gegen die Pandemie eines der Hauptthemen im Kreisausschuss.

Traunstein - Es war die erste Sitzung des Kreisausschusses am Mittwoch, 24. März, nachdem Siegfried Walch (CSU) mit seinem Öffnungskonzept bayernweit für Schlagzeilen sorgte - und Lob gab es für den Landrat auch von einem Fachmann: „Es ist richtig, die Öffnungen vom Impffortschritt abhängig zu machen“, so Kreisrat Dr. Lothar Seissiger (FW), der auch in den Impfzentren in Altenmarkt und Ainring aktiv ist. Das Konzept sei wegen der klaren Vorgaben „hervorragend konzipiert“, im Gegensatz zu jenen Konzepten der Ministerpräsidenten.

Bis zu 6000 Impfungen täglich wären im Landkreis Traunstein momentan möglich

Aber wie könnte der Landkreis Traunstein beim Impfen noch schneller vorankommen? Mittlerweile wurden knapp 16.000 Bürger mit der Erstimpfung versorgt, über 7900 haben auch die Zweitimpfung erhalten. „Könnte der Landkreis die Impfdosen auch direkt selbst bestellen oder muss er sich an die Zuteilung der EU halten?“, wollte Seissiger wissen. Man habe bereits vieles versucht, doch auf eigene Faust könne das Landratsamt nicht bestellen, so Walch: „Eine bittere Situation.“ Denn über die Impfzentren, den Impfbus oder die Hausärzte könnten täglich bis zu 6000 Impfungen im Landkreis verabreicht werden.

Dr. Lothar Seissiger aus Siegsdorf, Impfarzt und Kreisrat.

„Seit drei Monaten impfen wir, aber seit drei Monaten verwalten wir auch den Mangel“, berichtete Dr. Seissiger. Immer wieder müsse man Termine streichen, weil Dosen fehlten. Landrat Walch ging dabei auf die kurzzeitige Absetzung des AstraZeneca-Impfstoffes vorige Woche ein: „Ein hochwirksamer Stoff, der aus Showgründen abgesetzt wurde. Wir mussten 1300 Termine deswegen absagen.“

Personen der Prio-2-Gruppe sollten sich jetzt anmelden

Siegfried Walch zeigte sich trotzdem zuversichtlich: „Wir verimpfen von Woche zu Woche mehr, das Tempo nimmt an Fahrt auf. Die Produktion steigt und es werden immer mehr Impfstoffe zugelassen.“ Mittlerweile sei im Landkreis schon fast jeder Interessierte aus der höchstpriorisierten Gruppe geimpft. „Und weil es jetzt schnell gehen wird, sollten sich auch Menschen aus der Prio-2-Gruppe registrieren und sich um Termine kümmern“, so Walch. Gemeint sind unter anderem Über-70-Jährige, Schwererkrankte, Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Erzieher oder Grundschullehrer. Hier kann man sich anmelden.

Auch die Versorgungslage bei den Schnelltests wurde im Kreisausschuss thematisiert. 70.000 Schnelltests habe man ganz frisch erhalten, so Landrat Walch. Die Versorgungslage für die Schulen nach den Osterferien schaue also gut aus. „Wir haben uns schon mit Tests bevorratet, die noch nicht zugelassen waren, aber jetzt ihre Zulassung bekommen haben.“ Kreisrätin und Berufsschullehrerein Burgi Mörtl-Körner (Grüne) zeigte sich „heilfroh“ über die Tests.

Über die Schnelltests an Schulen

Das ist die einzige Chance, solange wir noch nicht geimpft sind“, so die Traunsteinerin Mörtl-Körner. In der Berufsschule wüssten die Schüler über die Schnelltests bescheid, es gebe Erklärvideos und niemand würde bei einem positiven Test diskriminiert: „Ziel ist es ja, die Klassen weiterhin in die Schulen zu bringen.“ Für Berufsschüler sieht sie „sicherlich keine Gefahr“, dass die Tests psychische Schäden hinterließen. Mörtl-Körner berichtet, dass gleich nach dem Testen mit dem Unterricht begonnen werden könne - mit Maske. 15 Minuten später habe man dann schon das Ergebnis.

Grünen-Kreisrätin und Berufsschullehrerin Burgi-Mörtl Körner.

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