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Komplexes Beschwerdebild beschäftigt Forschung

Initiative aus Traunstein soll Long-Covid-Patienten helfen - Chefarzt aus Berchtesgadener Land im Gespräch

Besonders die Atemorgane werden bei einer Covid-19-Erkrankung häufig stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Fall eines Long-Covid-Syndroms können Betroffene auch nach zwölf Monaten noch unter unterschiedlichen Beschwerdebildern leiden. Eine Initiative macht sich jetzt für Aufklärung und eine
bessere ambulante Versorgung von Long-Covid-Patienten stark.
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Besonders die Atemorgane werden bei einer Covid-19-Erkrankung häufig stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Fall eines Long-Covid-Syndroms können Betroffene auch nach zwölf Monaten noch unter unterschiedlichen Beschwerdebildern leiden. Eine Initiative macht sich jetzt für Aufklärung und eine bessere ambulante Versorgung von Long-Covid-Patienten stark.

Mehr als ein Jahr nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie gilt der Kampf nicht mehr nur der Eindämmung des Virus und seiner Varianten. Eine große Herausforderung ergibt sich auch durch die wachsende Zahl von Erkrankten, die langfristig unter den Symptomen einer Corona-Infektion leiden.

Berchtesgadener Land/ Traunstein - Die Beschwerdebilder der unter Long- und Post-Covid-Symptomen leidenden Menschen ist breit gefächert: Sie umfassen neben chronischen schweren Erschöpfungszuständen, Atemnot, Koordinations- und Konzentrationsstörungen auch Kopf- und Muskelschmerzen, Geruchs- und Geschmacksverlust sowie Depression, Angststörungen und die Beeinträchtigung weiterer Organe. Auch die Zahl jüngerer Menschen mit der genannten Symptomatik nimmt zu. Ebenso wächst die Zahl von Anträgen für eine Anerkennung als Berufskrankheit.

„Wir wissen noch viel zu wenig über die genauen Zusammenhänge und Heilungschancen langfristiger Covid-19-Symptome, müssen uns aber bereits jetzt Gedanken machen, wie wir in Zukunft mit möglichen Spätfolgen umgehen“, sagt der Traunsteiner Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner. Er ist im Februar selbst an Covid-19 erkrankt. Deshalb treibt er eine Initiative der CSU-Landtagsfraktion für einen Dringlichkeitsantrag mit voran. „Es geht darum, die Versorgung zu verbessern, Beratungsangebote auszubauen und den Wissenstransfer zu sichern.“

Steiner begrüßt den Aufbau von Spezialambulanzen an allen bayerischen Universitätskliniken, sieht aber speziell in der wohnortnahen Versorgung Betroffener noch „deutlichen Nachholbedarf“. „Wir brauchen ein fest institutionalisiertes Netzwerk zwischen Forschungseinrichtungen, ambulanter und stationärer Versorgung und Fachärzten, Rehabilitationseinrichtungen sowie Selbsthilfegruppen, um den Wissenstransfer und Forschungsfortschritt zu sichern.“ Weitere wichtige Punkte sind für ihn, Weiterbildungen über Long-Covid für Hausärzte sowie die Anerkennung von Post- bzw. Long-Covid als Berufskrankheit auch außerhalb des Gesundheitswesens voranzutreiben. Weiter wichtig sind aus seiner Sicht Regelungen zur ambulanten Versorgung von Post- und Long-Covid-Patienten an Kliniken. Bundesweit laufen inzwischen Forschungen zu den massiven Einschränkungen durch Long-Covid.

Das Beispiel von Michael R. (Name geändert) zeigt, wie schwierig die Situation für Long-Covid-Patienten bis heute sein kann. Der Mitarbeiter der Kreiskliniken Südostbayern infizierte sich im November bei der Arbeit mit dem Covid-19-Virus. Fünf Tage lang musste er stationär mit Sauerstoffzufuhr behandelt werden. „Ich stand kurz vor der Einweisung auf die Intensivstation mit Anschluß ans Beatmungsgerät, das machte mir Angst“, erinnert sich R. beim Pressegespräch.

Was folgte, war eine Odyssee zwischen Haus- und Lungenfacharzt für die Bewilligung seiner Reha-Maßnahme in einer Lungenfachklinik. Auch bei der Wiedereingliederungsmaßnahme Wochen später folgten bei der Arbeit „immer wieder plötzliche Erschöpfungszustände, Atemnot und Schwindel“. Für den über 50-Jährigen macht das die Situation bis heute schwierig, „weil ich mich nicht mehr voll belastbar fühle“.

Barbara Herning will mit ihrer Selbsthilfegruppe für Long-Covid-Betroffene im Landkreis den Austausch über die Situation und Hilfsangebote fördern.

Unter den Nachwirkungen ihrer Covid-19-Infektion leidet auch Barbara Herning aus Traunreut bis heute. Die 74-jährige pensionierte Physiotherapeutin hatte sich im April letzten Jahres angesteckt, wie mittlerweile knapp 11.000 weitere Landkreisbürger. Nach Atemproblemen, Haarausfall, Konzentrations- sowie Magen- und Darmstörungen in der Akutphase bekommt sie aktuell immer noch bei Anstrengungen Bluthochdruck und geht regelmäßig „extrem erschöpft“ zu Bett.

Wie sie im Gespräch erzählt, musste sie „hart kämpfen, um aus dieser negativen Situation herauszukommen“. Was fehlt, sind ihrer Ansicht nach Anlaufstellen und Ansprechpartner, bei denen ehemals an Covid-19-Erkrankte Hilfe finden, um besser mit den Folgen ihrer Erkrankung umgehen zu können. „Die Schwächen infolge einer Corona-Infektion sind in unserer Leistungsgesellschaft ein Tabu-Thema, weil man nicht weiß, wie man damit umgehen soll“, sagt Herning. Hilfreich sein kann oft schon ein Gespräch.

Nicht zuletzt deshalb hat die 74-Jährige im Frühjahr über den AWO-Kreisverband Traunstein eine Selbsthilfegruppe initiiert.

Kurz-Interview mit Prof. Dr. Rembert Koczulla

Chefarzt Prof. Dr. Rembert Koczulla, Facharzt der Fachklinik für Pneumologie an der Schön Klinik Berchtesgadener Land in Schönau am Königsee

Kurz-Interview mit Prof. Dr. Rembert Koczulla, Facharzt der Fachklinik für Pneumologie an der Schön Klinik Berchtesgadener Land in Schönau am Königsee.

Die Fachklinik ist bundesweit als Reha-Einrichtungen unter anderem auch für langfristige Symptome nach einer Covid-19-Erkrankung gefragt. Wieviel Patienten behandeln sie pro Monat?

Prof. Koczulla: Wir haben durchschnittlich 50 bis 70 Patienten zu einer Post-Covid-Behandlung im Haus, die je nach Beschwerdesymptomatik und Schwere der Covid-19-Erkrankung drei bis fünf Wochen bleiben. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch.

Wie sieht die Altersstruktur aus?

Prof. Koczulla: Das Alter der Patienten reicht von 16 bis 80 Jahre. Der Schwerpunkt liegt allerdings zwischen 40 und 60 Jahren.

Wie sehen die Beschwerdebilder ihrer Patienten aus?

Prof. Koczulla: Wir sehen eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheitsmuster, wobei bei uns Lungenbeschwerden naturgemäß am meisten vorkommen.

Wie lange dauern die Behandlungen und im Schnitt und werden deutliche Verbesserungen erzielt?

Prof. Koczulla: Bislang publizierte Daten deuten darauf, dass Beschwerden bis zu zwölf Monate und länger anhalten können. Covid-19-Patienten mit mildem Verlauf erscheinen im Durchschnitt nach sechs Monaten bei uns, Patienten mit schwerem Verlauf und Klinikaufenthalt meist schon nach zwei Monaten. Wir begleiten die Behandlungen mit einer Vielzahl von Therapien wissenschaftlich. In der Regel erzielen wir gute Verbesserungen bei Luftnot, Husten und dem auch als „Fatique“ bekannten Erschöpfungssyndrom.

Axel Effner

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