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„Hinter allem Schlechten auch immer etwas Gutes“

Nach Schädel-Hirn-Trauma 2015 bei Inzell: Katjas beschwerlicher Weg zurück zur Normalität

Katja Lößl (li.) besuchte mit Michael Lehmann die Kinderintensivstation, in der Sie vor sechs Jahren sehr viel Zeit verbringen musste.
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Katja Lößl (li.) besuchte mit Michael Lehmann die Kinderintensivstation, in der Sie vor sechs Jahren sehr viel Zeit verbringen musste.

Den 9. Juli 2015 vergisst Katja Lößl nie: An diesem Tag erleidet die damals 13-jährige Urlauberin in Folge eines schweren Sportunfalls bei Inzell unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma. Vor ihr liegt ein schwerer Weg.

Traunstein/Inzell - Zwei Wochen wird die junge Kölnerin im Klinikum Traunstein behandelt, die erste muss sie auf der Kinder-Intensivstation der Kinderklinik am Klinikum verbringen. Die Folgen des Unfalls spürt die bald 20-Jährige bis heute. Aber sie geht erfolgreich ihren Weg. „Ich hoffe, dass meine Geschichte zeigt, wie dankbar man für die eigene Gesundheit sein sollte, aber vor allem, dass hinter allem Schlechten auch immer etwas Gutes steckt“, sagt Katja Lößl.

Mit den Worten „ich brauche mal zehn Minuten für mich“ verabschiedet sie sich an jenem Sommernachmittag im Juli 2015 von ihren Eltern und ihrer Freundin aus der Inzeller Ferienwohnung. Bis zum nahen Grillabend will Katja Lößl eine Runde auf ihrem Longboard, also einem langen Skateboard, fahren.

Das Letzte, voran sie sich nach dem Aufwachen nach einer Woche auf der Kinder-Intensivstation erinnert, ist ihre Fahrt in einen Tunnel bei einem Waldstück. Dort finden sie Urlauber aus Stuttgart bewusstlos auf dem Boden liegend. Das ältere Paar hat Katja vom Fenster des gegenüberliegenden Restaurants aus hinfallen gesehen, aber sie stand nicht wieder auf. Die beiden erweisen sich als wahre Schutzengel, denn sie schauen nicht weg, sondern zeigen Zivilcourage und reagieren geistesgegenwärtig: Dank ihres raschen Handelns können Rettungskräfte die schwerverletzte 13-Jährige zeitnah zur Versorgung in die Kinderklinik am Klinikum Traunstein bringen.

Eltern ahnen zunächst nicht, was geschehen war

Katjas Eltern hören zwar die Sirenen der Rettungsfahrzeuge und Hubschrauber, ahnen aber nicht, dass es um das Leben ihrer Tochter geht. Als es zu dämmern beginnt und Katja immer noch nicht wieder aufgetaucht ist, setzen sie alle Hebel in Gang, um sie zu finden. 

Nach einem Anruf bei der Freiwilligen Feuerwehr meldet sich die Polizei bei den Lößls, sie könnten zu ihrer Tochter ins Klinikum Traunstein kommen. „Sie hatte keinen Ausweis und kein Handy dabei und war nicht ansprechbar, wir haben bis zum Schluss gehofft, dass es sich bei dem verunglückten Mädchen nicht um unsere Tochter handelt“, erinnert sich Klaus Lößl. Seine Frau Angelika erleidet eine Kreislaufschwäche, als Katja zur Kernspintomografie gebracht wird. Mithilfe des bildgebenden Verfahrens soll die Schwere ihrer Kopfverletzungen, zu denen auch ein Felsenbein-Anbruch am rechten Innenohr gehört, abgeklärt werden. Später erfahren die Eltern, dass sich Katjas Gehirn nach dem Unfall nun erst einmal erholen müsse.

„Die Woche auf der Intensivstation war sehr schwer“, sagen Angelika und Klaus Lößl. Aber auch sie haben Glück im Unglück und finden mit Michael Lehmann aus dem Team der Psychologischen Betreuung an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Traunstein einen verständnisvollen, zugewandten professionellen Begleiter durch diese nervenaufreibende Zeit.

„Er war von Anfang an dabei und hat uns betreut, schon am nächsten Tag konnten wir Einzelgespräche führen“, so Klaus Lößl. Ihm und seiner Frau fällt ein Stein vom Herzen, als Katja nach einer Woche aufwacht, ihre Eltern erkennt und Mama und Papa sagt. Der Teenager beginnt zu realisieren, was passiert ist – und dass aus dem Geburtstag am 21. Juli im Freundeskreis nichts wird. Dafür führt auch sie mit Michael Lehmann wohltuende Gespräche, hat Freude, wenn sie mit ihm oder anderen Kindern spielen kann und genießt mit bestem Appetit die Mahlzeiten aus der Klinikküche. „Du bist die hungrigste Patientin, die ich je kennen gelernt habe, sagten die Ärzte sowie auch Herr Lehmann mir täglich“, blickt Katja schmunzelnd zurück.

Überraschungsgäste zum 18. Geburtstag von Katja

Zu Katjas 18. Geburtstag wurden das Ehepaar, das damals die Rettung gerufen hatte, und Michael Lehmann als Überraschungsgäste eingeladen. Für alle Beteiligten wurde diese Feier zu einem unvergesslichen Ereignis. Und als Geburtstagsessen gab es Katjas geliebten Kaiserschmarrn. Eher unüblich in seinem Beruf, ist der 61-jährige Lehmann bis heute mit Katja Lößl und ihren Eltern im Kontakt.

„Es gibt nichts Schlimmeres, als am Bett eines schwer verletzten oder sterbenden Kindes zu stehen“, sagt der Heilpädagoge und Sozialpsychologe. „Ich könnte diese Arbeit nicht machen, wenn ich nicht wüsste, dass es zumeist gut wird.“ So wie bei Katja Lößl. Die Arbeit mit ihr und ihren Eltern hat er als sehr intensiv in Erinnerung und so verwundert es nicht, dass er die Familie ein Jahr nach dem Unfall wiedersieht.

„Wir sind noch einmal hingefahren, weil ich die Region nicht als Ort meines Unfalls, sondern als Urlaubsort in Erinnerung behalten möchte“, sagt Katja Lößl. Die junge Frau kann heute gut mit ihrer Situation umgehen, sie ist eine starke, selbstreflektierte Persönlichkeit. Nach ihrer Entlassung aus dem Klinikum liegen noch schwierige Zeiten vor ihr. Kinderklinik-Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. habil. Gerhard Wolf hat sich für einen Reha-Platz in der Nähe von Köln eingesetzt, aber Katja muss wegen eines Trommelfellrisses in den darauffolgenden Jahren drei Mal operiert werden, der vierte Eingriff steht gerade an.

Als sie nach der Reha in die Schule zurückkehrt, merkt sie, dass sie „anders“ ist. Das Lernen fällt ihr, außer in Mathematik, deutlich schwerer. Sie braucht eine Lesebrille und bekommt 2017 ein Hörgerät. Schon 2016 „fing das Hinterfragen und die Depressionen an“, erzählt Katja Lößl. Auf tiefes Verständnis stößt sie bei einem Seminar für Menschen mit Schädel-Hirn-Traumata. Dort findet sie auch einen Freund, der ihre Beschwerden besser nachvollziehen kann als jeder nicht Betroffene.

Trotz Merk- und Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfschmerzen bei Stress schafft Katja Lößl das Abitur, darauf ist sie zu Recht stolz. Unterdessen in einer Ausbildung zur Industriemechanikerin und begeistert beim Klettern unterwegs – „das gibt mir Halt“ – sagt sie: „Ich gehe jetzt den Weg, der für mich 2015 nicht mehr zu denken war und bin darauf stolz. Ich bin dankbar, für das, was ich trotz Schmerzen Schönes erleben durfte.“ Sie sei früher erwachsen geworden, habe sehr viel erlebt und erfahren. Dies helfe ihr auch bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit als Leiterin einer Ministranten-Gruppe. Wenn ein Kind beispielsweise sage, dass es Schmerzen habe, „bin ich viel aufmerksamer, weil man nicht weiß, was dahintersteckt.“ 

Dass sie selbst von Pflegekräften und Ärzten im Klinikum Traunstein viel Aufmerksamkeit erfahren hat, hat Katja Lößl noch heute vor Augen. „Alle waren sehr lieb und aufmerksam“, erinnert sie sich. Besonders gut gefallen habe ihr, „dass sie mit mir und nicht über mich geredet haben“, betont sie, die „immer wissen will, was los ist.“ Auch ihre Eltern, die sagen, dass „Ärzte und Pflegekräfte über sich hinausgewachsen“ seien, erinnern sich noch heute, dass sie „jederzeit mit Fragen und Ängsten kommen“ konnten.

Diese klare Kommunikation sei die Stärke der „fantastischen Arzt-Eltern/Patienten-Kommunikation“ von Dr. Wolf, sagt Michael Lehmann und Chefarzt Dr. Gerhard Wolf weitet dieses Lob auf das gesamte Team der Kinderklinik aus. „Wir haben flache Hierarchien und geben uns gegenseitig Rückmeldungen“, erklärt er. „Ein total wertvolles Feedback für uns“ sei es, wenn alle Mitwirkenden - von Rettungskräften bis zu Klinikbeschäftigten - die mit den jungen Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen gebangt hätten, erführen, dass diese wie Katja Lößl einen guten Weg gegangen seien. „Hier schließt sich dann der Kreis“, sagt Dr. Wolf – und ist schon auf dem Sprung zum nächsten Notfall.

Pressemitteilung KLINIKEN SÜDOSTBAYERN AG

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