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Prozess vor dem Amtsgericht

Junge Frau bei Party in Traunsteiner Gasthaus vergewaltigt? Barkeeper freigesprochen

Ein Barkeeper sei in Traunstein unter all den anderen Partygästen plötzlich mit dem Finger in sie eingedrungen - doch die Zweifel an der Version der jungen Frau waren zu groß: Das Amtsgericht sprach den Angeklagten frei.

Traunstein - Es wurde schon vor der Party im November 2019 in einem Traunsteiner Gasthaus vorgeglüht - dort angekommen floss dann bei einer Dreier-Gruppe junger Frauen erst recht der Alkohol. „Es war ein lustiger Abend und viel getrunken wurde auch“, so eine der Zeuginnen. Doch dass eine von ihnen, 25 Jahre alt und aus München, währenddessen von einem Barkeeper mit dem Finger vergewaltigt wurde, sah das Amtsgericht am Montag (21. Juni) nicht als erwiesen an. Der angeklagte 41-Jährige wurde freigesprochen.

Vergewaltigung auf Party in Traunstein? Freispruch für Barkeeper

Zuerst Smalltalk während die Drinks gemixt wurden, dann sei der Angeklagte plötzlich auf der anderen Seite der Bar gestanden. Von hinten habe ihr der Barkeeper an die Brust gegrapscht („die Hände kamen immer wieder“), sei dann mit einer Hand in ihre Jeans und habe kurz einen Finger eingeführt. „Dann habe ich ihn mit den Ellenbogen weggestoßen und bin so laut geworden, dass er weglief“, erzählte die 25-Jährige. Mitten unter den Leuten gegen 2.30 Uhr sei das alles passiert. Etwas später rief die junge Frau die Polizei, am nächsten Morgen dann die Untersuchung im Krankenhaus.

Nur: Gesehen hat das niemand. Weder Gäste noch Securitys haben davon etwas mitbekommen. „Mir wäre der Barkeeper nicht wirklich aufgefallen. Ja, er war mal kurz vor der Bar und hat getanzt, aber es gab keine Anmachversuche oder so“, berichtete eine Frau aus der Dreier-Gruppe. Im Laufe der Nacht habe man sich dann aus den Augen verloren. „Am nächsten Tag hat sie in zwei, drei Sätzen erzählt, was passiert ist.“ Dass sich der Angeklagte irgendwie auffällig oder negativ verhalten habe, konnte kein Zeuge bestätigen.

Frauengruppe sei „zum Teil kurz vorm Blackout“ gewesen

Sicher ist nur: Es wurde viel getrunken. „Alle waren entspannt und haben Gas gegeben“, erinnerte sich ein anderer Barkeeper der Traunsteiner Party als Zeuge. Die Frauengruppe sei sogar „zum Teil kurz vorm Blackout“ gewesen. Über zwei Promille Alkohol hatte die angeblich Geschädigte im Blut, als es passiert sein soll. Mit ausschlaggebend für den Freispruch war auch ein DNA-Gutachten. Im Intimbereich und auf der Unterwäsche ließen sich nur DNA-Spuren der Frau selbst finden. An den restlichen Klamotten waren Spuren anderer Leute - aber keine vom Angeklagten. Auch laut gerichtsmedizinischem Gutachten sei die Tat „nicht nachweisbar“.

Der Angeklagte arbeitet schon sein ganzes Berufsleben in der Gastronomie und ist nicht vorbestraft. Von den Vorwürfen sei er „völlig überrascht und geschockt“ gewesen, berichtete ein Kriminalpolizist von der ersten Vernehmung. Vor Gericht erinnerte sich der 41-Jährige, kurz auf der anderen Seite der Bar gewesen zu sein, aber die Vorwürfe stritt er ab. „Es gibt keine objektiven Beweismittel“, so auch sein Anwalt Jens Diedrich. Die Staatsanwältin war trotz allem von der Schuld des Mannes überzeugt. Sie forderte zwei Jahre und acht Monate Haft wegen Vergewaltigung. Die Frau habe schließlich keinen Belastungseifer und sei zum ersten Mal in dem Traunsteiner Gasthaus gewesen.

Vergewaltigung ganz ohne DNA-Spuren? Richter: „Schwer vorstellbar“

„Vielleicht ist die Tat passiert, das wäre eine Riesensauerei“, so Richter Thilo Schmidt in der Urteilsbegründung. Aber das einzige Beweismittel, das für eine Schuld spreche sei die 25-Jährige selbst. „Aber auch sie konnte nicht alle Zweifel ausräumen und machte selbst widersprüchliche Angaben“, begründete es das Amtsgericht. Es sei nur schwer vorstellbar, dass sich so eine Tat ganz ohne DNA-Spuren ereignet. Richter Schmidt: „Irgendetwas wird wohl passiert sein. Aber wir wissen nicht was. Und dass es der Angeklagte war, lässt sich nicht feststellen.

xe

Rubriklistenbild: © Sophia Kembowski/dpa

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