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Bauernhof nahe Traunreut geriet nach anonymen Hinweisen ins Visier

„Es war erschreckend“: Jungrinder aus „Haut und Knochen“ - Urteil gegen Ex-Bäuerin

  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Sie waren abgemagert und für ihr junges Alter viel zu klein und zu leicht: Eine Ex-Bäuerin aus der Traunreuter Umgebung wurde jetzt verurteilt, weil sie ihre Jungrinder zu schlecht fütterte - ein Tierarzt sprach von Tieren aus „Haut und Knochen“.

Traunreut/Traunstein - Über sechs Stunden zog sich der Prozess, die Frau verteidigte sich nach Kräften, am Ende setzte es dann doch eine Geldstrafe: Weil sie ihre sechs Jungrinder viel zu schlecht fütterte muss eine ehemalige Landwirtin aus der Nähe von Traunreut jetzt 2800 Euro Geldstrafe zahlen. Das Traunsteiner Amtsgericht urteilte am Donnerstag (12. August) auf Tiermisshandlung. „Für mich waren die Tiere gesund und vital, ich habe mir nichts gedacht“, meinte die Frau dagegen.

Abgemagerte Jungrinder: Urteil wegen Tiermisshandlung am Amtsgericht Traunstein

Ganz anders sah es die Amtstierärztin vom Veterinäramt: „Bei unserer Kontrolle im Juni 2019 schätzten wir die Jungrinder auf höchstens neun Monate, dabei waren sie schon fast doppelt so alt. Der Anblick war erschreckend für uns.“ Schon in den Jahren zuvor fiel den Behörden der Hof negativ auf, der Hinweis zur Kontrolle 2019 kam dann durch einen anonymen Anruf. Die Tiere schrieen und würden nicht gefüttert, lautete der Tipp ans Landratsamt. „Wenn sie die Tiere nicht ohnehin zum Schlachter gebracht hätte, hätten wir sie ihr abgenommen“, so die Amtstierärztin.

Die ehemalige Landwirtin sah sich 2019 auch wegen schweren Herausforderungen im privaten Umfeld überfordert. „Ich habe versucht, mich zu zerteilen.“ Die Landwirtschaft habe ihr immer viel bedeutet und habe sie zum Schluss „vereinnahmt“. Inzwischen arbeitet sie in einem anderen Beruf. Wegen der Fütterung suchte sie auch den Rat des LKV (Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung e.V.). „Ich habe mein Futter sogar im Labor untersuchen lassen, ließ die Menge berechnen und passte sie mit dem Futterberater an.“ Sie vermutete, dass die Tiere eher an einem Parasiten litten und deshalb unterernährt wirkten.

Nicht alle Vorwürfe gegen die Landwirtin erhärteten sich

Tatsächlich warf die Staatsanwaltschaft der Frau auch vor, weitere sieben Kühe viel zu schlecht ernährt zu haben. Doch dieser Vorwurf erhärtete sich in den Augen von Richter Thilo Schmidt nicht. Zwei Berater des LKV attestierten den Kühen vor Gericht einen normalen körperlichen Zustand. „Es lag Futter aus und sie haben gut gefressen. Ich kann ausschließen, dass sie Schmerzen hatten oder litten“, so einer der Milchviehproduktionsberater. Jedoch schauten sie auch erst drei Wochen nach der Kontrolle des Landratsamtes auf dem Hof nahe Traunreut vorbei. Verteidiger Martin Neugebauer argumentierte, dass 42 Prozent aller geschlachteten Rinder in Südbayern ein ähnliches Gewicht hätten, wie die beanstandeten Kühe.

Das Landratsamt zog schließlich einen weiteren Tierarzt aus Pittenhart hinzu. Auch ihm fielen zwei der Jungrinder am meisten auf, die er als Tiere „aus Haut und Knochen“ beschrieb: „Für ihr Alter hätten sie mindestens doppelt oder dreimal so schwer sein müssen. Das kann man so nicht stehen lassen.“ Aber keines der Tiere sei krank oder am Verhungern gewesen. Sie hätten wohl regelmäßig Futter bekommen, jedoch zu wenig. „Es hat gereicht, um zu überleben. Da sieht man als Tierarzt oft schlimmere Sachen.“

xe

Rubriklistenbild: © Oliver Dietze

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