31-Jähriger aus Kreis Traunstein verurteilt

Kinder missbraucht: Angeklagter kommt mit Bewährungsstrafe davon

  • schließen

Traunstein - Zwei Mädchen, die eigentlich nur zum Spielen den Stiefsohn besuchten, wurden von einem 31-Jährigen missbraucht. Das Landgericht fällte am Mittwoch das Urteil. 

Update 16.55 Uhr: Urteil wegen Kindesmissbrauch gefallen

Mit einer Bewährungsstrafe ist ein 31-Jähriger aus dem nordwestlichen Landkreis Traunstein am Landgericht am Mittwoch davongekommen. Er missbrauchte zwei Mädchen im Alter von sieben und elf Jahren, außerdem wurden Links zu Kinderpornos der übelsten Sorte auf seinem Handy gefunden. Das Traunsteiner Landgericht verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Der Angeklagte muss sich außerdem einer Therapie unterziehen. 

Die Strafe fiel auch wegen des Geständnisses des Angeklagten recht mild aus: denn ohne das Geständnis hätte das Gericht den 31-Jährigen wohl freisprechen müssen, weil die Missbrauchsvorwürfe schwer zu beweisen waren. Die vier Fälle des sexuellen Kindesmissbrauchs spielten sich zwischen September 2017 und Juli 2018 ab. Die Mädchen waren eigentlich Freundinnen des ehemaligen Stiefsohns des Angeklagten. Während sie zum Spielen kamen, verging sich der Mann an den Mädchen. 

Der Angeklagte beteuerte, die Kinder mit Händen und der Zunge "nur oberflächlich" berührt zu haben und nicht eingedrungen zu sein. "Es ist nicht zu entschuldigen", fügte er in seinen letzten Worten an. 

Update, 14.22 Uhr: So wird der mutmaßliche Kinderschänder beschrieben

Was für ein Mensch ist der Angeklagte und wie verlief sein bisheriges Leben? Das psychiatrische Gutachten des Sachverständigen Dr. Stefan Gerl liefert dazu jetzt Einblicke. Die Biographie des 31-Jährigen klingt ziemlich verkorkst.

Im Alter von gerade mal zehn Monaten wurde der Mann adoptiert, weil die Mutter Alkoholikerin war. Sein leiblicher Bruder verhungerte als Kind angeblich. Schwierigkeiten gab es bereits im Kindergarten, ab der 7. Schulklasse besuchte der Angeklagte Förderunterricht. Die Mittlere Reife schaffte er, wurde später aber aus dem Internat hinausgeworfen. Zwei Lehren brach er ab.

Sein erstes leibliches Kind wurde ihm entzogen, er ist unterhaltspflichtig. Seit der Angeklagte volljährig ist, ist er verschuldet – 20.000 Euro haben sich inzwischen angehäuft, unter anderem wegen Handyverträgen. Wegen Diebstahls und Schwarzfahren ist er vorbestraft. Vor rund fünf Jahren zog der 31-Jährige in den Chiemgau und lernte seine Ex-Partnerin kennen, dessen Sohn er mit betreute.

In den vergangenen Jahren trank der Angeklagte immer mehr Alkohol, teils mehr als zehn Halbe Bier am Tag. Abgesehen vom Alkoholkonsum beschrieben ihn Nachbarn und Ex-Partnerinnen aber als freundlich und hilfsbereit. Persönlichkeitsstörungen sieht der Psychiater beim Angeklagten nicht. Er habe sich einsichtig gezeigt, suche die Schuld aber auch bei anderen.

Wie es zu den Taten kam konnte er auch dem psychiatrischen Gutachter nur schwer erklären: Er sei angetrunken gewesen und habe wohl impulshaft agiert. An die Taten könne er sich nur noch schwer erinnern und doch wisse er noch, dass es ihm danach “richtig schlecht” gegangen sei. Drei Missbrauchsfälle an den jungen Mädchen gibt er selbst zu.

Im Alter von 18 Jahren habe der Angeklagte nach eigenen Aussagen zum ersten Mal Kinderpornos geschaut. Seine ausgelebte Sexualität mit den etwa gleichaltrigen Freundinnen sei aber normal gewesen. Die Beziehungen litten schließlich aber unter dem steigenden Alkoholkonsum des 31-jährigen Mannes aus dem nordwestlichen Landkreis Traunstein.

Auch das Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung der Mädchen wird verlesen. Im Intimbereich wurden keine Verletzungen festgestellt. Der Vorsitzende Richter Klaus Weidmann hält aber fest, dass die Untersuchungen erst einige Wochen oder Monate nach den Taten gemacht wurden und dass ein sexueller Missbrauch nicht immer auch körperliche Spuren hinterlassen muss.

Bevor es nun an Plädoyers und Urteil geht beantragt die Staatsanwaltschaft noch die Einstellung einer der angeklagten Taten: Ein Missbrauchsfall gegen das heute Siebenjährige Mädchen wird dem Angeklagten nicht mehr vorgeworfen. Hintergrund ist wohl, dass die Beweislage durch ihre Befragung durch die Polizei zu dünn ist.

Das Urteil soll im Laufe des Nachmittages fallen.

Vorbericht

Er hat die Taten großteils eingeräumt, auch wenn er am Dienstag in der Verhandlung ausweichend antwortete und sich wortkarg gab: Am Mittwoch wird das Urteil gegen einen 31-Jährigen aus dem nordwestlichen Landkreis Traunstein fallen. Er ist angeklagt wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in fünf Fällen und der öffentlichen Zugänglichmachung von Kinderpornos

Zwischen September 2017 und Juli 2018 soll der Angeklagte sich in einer Wohnung im nordwestlichen Landkreis Traunstein an drei Mädchen vergangen haben, die heute sieben, acht und zwölf Jahre alt sind. Die Mädchen waren Freundinnen des Stiefsohns des Angeklagten und wollten eigentlich nur zum Spielen bei dem Buben vorbeikommen.

"Ich hatte einen Verdacht, weil die Kinder erzählt haben, dass bei manchen Spielchen ein Erwachsener dabei gewesen sei", erzählte die Mutter von zwei der betroffenen Mädchen am Dienstag als Zeugin. Eine ihrer Töchter habe gar gesagt, sie sei vom Angeklagten "gefickt" worden - so kam das ganze ans Licht. Die Mutter wandte sich umgehend an die Polizei. Seit 1. August 2018 sitzt der Mann im Traunsteiner Gefängnis. 

Der Angeklagte bestätigte am Dienstag das meiste, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Die Kinderpornos räumte er gleich ein, doch beim Missbrauch der Mädchen sei es nur zu "oberflächlichen Berührungen mit der Zunge und der Hand" gekommen, nicht zu einem Eindringen. Außerdem meinte der 31-Jährige: "Ich habe nicht die Nähe zu den Kindern gesucht", sie hätten auch nie "Nein" oder "Halt" gesagt.

Die Verhandlung am Traunsteiner Landgericht wird um 12 Uhr fortgesetzt. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung werden gehalten, im Anschluss dann das Urteil. 

chiemgau24.de wird aktuell berichten.

xe

Rubriklistenbild: © picture alliance / Patrick Pleul

Zurück zur Übersicht: Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT