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"Klimanotstand": Was Grüne und Traunsteiner Liste genau wollen

Traunstein - Zwei Fraktionen fordern, den "Klimanotstand" auszurufen und polarisieren damit sowohl im Stadtrat als auch bei unseren Lesern - welche konkreten Maßnahmen fordern Grüne und Traunsteiner Liste?

Die Grünen und die Traunsteiner Liste fordern, dass die Stadt den "Klimanotstand" ausrufen soll - Notwendigkeit oder Übertreibung? Schon im Umweltausschuss gingen die Meinungen auseinander: Von Seiten der CSU wurde vor ideologischen Debatten gewarnt und betont, dass auch frühere Generationen Krisen meistern konnten, so Fraktionssprecher Hümmer. "Wenn wir nicht sofort handeln wird es dramatisch", meinte dagegen Burgi Mörtl-Körner von den Grünen. 


Klimanotstand: "Gefahr für das Leben der Menschen"

Was genau fordern die beiden Fraktionen in ihren Anträgen? Mit der Ausrufung des "Klimanotstands" solle die Stadt schlicht anerkennen, "dass auf der Erde eine akute und gegenwärtige Gefahr für das Leben der Menschen besteht", heißt es von Seiten der Traunsteiner Liste. Die Stadt soll bei allen Entscheidungen die Eindämmung des Klimawandels berücksichtigen. Alles müsse auf Klimarelevanz überprüft werden. Die Stadt soll außerdem von der Bundesregierung ein Klimaschutzgesetz einfordern, dass sich am Pariser Abkommen orientiert.

Links Thomas Graf von der Traunsteiner Liste, rechts Burgi Mörtl-Körner von den Grünen. 



Das wollen die Grünen in Traunstein umsetzen

Konkreter ist der Antrag der Traunsteiner Grünen. Sie fordern:

  • Die Stadtwerke sollen ihre Gewinne nur in erneuerbare Energien investieren.
  • Ein Kataster zur Erfassung von Gebäuden und deren Energieverbrauch. So könnte eine CO2-Bilanz erstellt und fortgeschrieben werden. 
  • Eine klimaneutrale Energieversorung für Neubauten mit möglichst hohem Anteil an lokalen erneuerbaren Energien - soweit die Stadt vertraglich auf die Neubauten Einfluss nehmen kann. 
  • Die "Verminderung des motorisierten Individualverkehrs" soll höchste Priorität haben. Die Stadt soll bei den Bürgern ein Umdenken bei der Wahl der Verkehrsmittel erreichen. 
  • Erhaltung intakter Wälder sowie der Ausbau einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. 

Im Umweltausschuss wurden die Anträge der beiden Fraktionen abgeschwächt. Es ist nur noch von einer "weltweiten Klimakrise" die Rede. Konkret soll in Stadtratsbeschlüssen künftig immer geprüft werden, wie sie sich auf den Klimaschutz auswirken. Und der Oberbürgermeister oder der Klimaschutzmanager soll der Öffentlichkeit einmal jährlich berichten, wie Traunstein bei der Reduktion von Emissionen vorankommt. Endgültig entscheiden wird der Stadtrat.

Wenig Verständnis bei Lesern für "Klimanotstand"

Auch bei unseren Lesern polarisiert das Thema. Die allermeisten Kommentatoren auf der Facebook-Seite von chiemgau24.de hatten kein Verständnis für den "Klimanotstand": "Man kann's auch Übertreiben" hieß es da zum Beispiel. Einigte warnten vor einer "Massenhysterie" oder sahen in Traunstein eher einen "akuten Notstand bei bezahlbarem Wohnraum". 

Zustimmende Kommentare gab es dagegen unter dem Artikel: "Die Leute sollen einfach mehr zuhause bleiben, es ist ja der Wahnsinn, was auf den Straßen los ist. Am Himmel und auf den Meeren ist es nicht anders." Ein anderer Bezog sich auf die Zuversicht von CSU-Fraktionschef Hümmer, dass die Menschheit dank ihres großen Wissens die Probleme lösen werde. "Der Menschheit standen zu jedem Zeitpunkt in der Geschichte das Wissen und die Technologien zur Verfügung, um nachhaltig leben zu können. Die bittere Wahrheit ist, wir haben, was die niederen Instinkte angeht, uns nie vom Affen zu unterscheiden gelernt."

Was meinen Sie?

Über die Ausrufung des Klimanotstands in Traunstein wird letztlich im Stadtrat entschieden. Die nächste Sitzung findet am 24. Oktober um 15 Uhr statt. 

xe

Rubriklistenbild: © Fotomontage dpa/Julian Stratenschulte - Stadt Traunstein/Andreas Plenk

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