Meinungen gingen teils weit auseinander

Erster Schlagabtausch: Traunsteiner OB-Kandidaten auf dem Podium

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Foto vom Podium, von links: Christian Kegel (SPD), Burgi Mörtl-Körner (Grüne), Christian Hümmer (CSU/UW), Simon Steiner (Traunsteiner Liste).

Traunstein - Es war das erste direkte Aufeinandertreffen vor der Wahl: Die vier Traunsteiner OB-Kandidaten präsentierten nicht nur ihre Ideen, sondern mussten sich auch kritischen Fragen aus dem Publikum stellen.

Sieger oder Verlierer gab es am Mittwochabend nicht: Burgi Mörtl-Körner (Grüne), Christian Hümmer (CSU/UW), Simon Steiner (Traunsteiner Liste) und Amtsinhaber Christian Kegel (SPD) - keiner stieg in ein Fettnäpfchen, ließ sich unterbuttern oder thronte über allen anderen. Bei der ersten Podiumsdiskussion der Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl im "Vereinshaus" an der Traunerstraße blieb alles fair und sachlich.


Rund 200 Interessierte kamen am Mittwochabend ins "Vereinshaus" an der Traunerstraße. Am 14. Februar wird es in der Klosterkirche eine weitere Podiumsdiskussion der Traunsteiner Oberbürgermeisterkandidaten geben. Kostenlose Karten dafür gibt es ab 31. Januar beim Traunsteiner Tagblatt. 

Was ist den Kandidaten am wichtigsten? Moderator Tobias Trübenbach, Geschäftsführer vom Katholischen Bildungswerk, war Stichwortgeber für die verschiedensten Themen, ließ die Vier aber in einer Schlussrunde auch von sich aus ihre Prioritäten setzen:


Christian Kegel

"Ein menschlicher Umgang ist mir wichtig und nicht, sich eine drüberzuziehen. Zentral bleibt bei mir der soziale Wohnungsbau. Dass manche Menschen 50 Prozent ihres Lohns für Wohnen investieren müssen darf nicht sein. Außerdem müssen auch wir unseren Teil zur CO2-Einsparung beitragen, unter anderem im Verkehr. Die Wirtschaft darf deswegen aber nicht vernachlässigt werden, nur mit ihren Steuergeldern kann sich die Stadt einiges leisten."

"Staatsmännisch" und sicher trat Christian Kegel (SPD) auf. Auch auf kritische Fragen aus dem Publikum reagierte der Oberbürgermeister souverän.

Burgi Mörtl-Körner

"Die Schulden sind nicht unser Problem. Es hat sich gezeigt: In Schulen und Kindergärten zu investieren rentiert sich. Meine großen Themen sind der Klimaschutz, den Flächenfraß zu stoppen sowie Bürgerbeteiligung und Digitalisierung. Wir sollten ökologisches Bauen vorschreiben, die regionale Versorgung stärken, Fassaden begrünen, das Rathaus transparenter machen und Lagerbildung im Stadtrat verhindern."

Gewohnt locker präsentierte sich Burgi Mörtl-Körner (Grüne). Wenn es aber um die Grünen-Urheberschaft mancher Ideen, stellte sie sich auf die Hinterfüße.

Christian Hümmer

"Die Schuldenentwicklung muss gestoppt werden, die Stadt soll wieder stark werden. Unser Problem ist die Einnahmenseite: Die Steuerkraft muss verbessert werden und deshalb müssen wir für Handwerk und Mittelstand Heimat bleiben. Trotzdem kann man Flächen schonen, die Sparkasse sollte im Zentrum bleiben und der Rinderzuchtverband braucht einen angebundenen Standort. Ich stehe auch für ein familienfreundliches Traunstein."

Christian Hümmer (CSU/UW) war um eine geschickte Rhetorik bemüht: Er wob persönliche Erlebnisse in seine Forderungen ein und sah sich als Vermittler zwischen entgegenstehenden Positionen. 

Simon Steiner

"Von mir gibt es zu jedem Thema klare Aussagen! Ich mag kein Parteiengezänk und werde Kompromisse finden und trotzdem meine Linie halten ohne stur zu sein. Mir ist die Verschuldung eindeutig zu hoch. Ich will die Stadtfinanzen verwalten als wäre ich daheim: Kann ich mir etwas leisten oder nicht? Bei den Themen Kinder und Bildung muss man hier eine Ausnahme machen, aber vor allem bei vielen Baumaßnahmen wurde in den vergangenen Jahren das Geld falsch investiert." 

Simon Steiner (Traunsteiner Liste) präsentierte sich als gradraus und ehrlich - wenn er etwas nicht wusste, scheute er sich nicht, das auch zuzugeben. Er war bis 2014 Stadtratsmitglied, momentan ist er dort nicht vertreten.

Thema Parken bei Podiumsdiskussion beherrschend

In der Diskussion und auch bei den Zuschauerfragen kristallisierte sich ein großes Thema heraus: Verkehr, Parken und Radfahren. Simon Steiner sprach sich eindeutig gegen den Umbau des Karl-Theodor-Platzes aus: "In der Rathaus-Tiefgarage ist fast immer was frei. Eine Tiefgarage dort wäre kostenmäßiges Harakiri." Burgi Mörtl-Körner schloss sich an und schlug ein intelligentes Parkleitsystem, Shuttle-Busse vom Festplatz und bessere Radwege vor um den Autoverkehr zu verringern.

Oberbürgermeister Kegel erwies sich als deutlicher Verfechter einer neuen Tiefgarage: "Wir sollten schrittweise Parkraum aus der Max-, Marien- und Bahnhofstraße entnehmen. Als zentrumsnaher Ersatz ist der Karl-Theodor-Platz dafür bestens geeignet." Vorsichtiger ging Christian Hümmer das Thema an. Zuerst solle man überlegen, wie viele neue Parkplätze man brauche und was an der Oberfläche des Karl-Theodor-Platzes entstehen solle: "Außerdem sollte auch das Parkhaus am Klosterberg weiterverfolgt werden." 

Parkhäuser an Scheibenstraße und Klosterberg

"Warum zieht man mit einem neuen Parkhaus am Klosterberg noch mehr Verkehr auf die Ludwig- und Wasserburgerstraße? Als Radlfahrerin habe ich da jetzt schon Angst. Warum wurde das Parkhaus an der Scheibenstraße nicht saniert?", fragte ein Zuschauerin. "Das Problem ist doch der Parksuchverkehr. Wer schnell einen Parkplatz findet ist dann auch weg von der Straße", antwortete Christian Hümmer. OB Kegel klärte auf, dass es einen einstimmigen Stadtratsbeschluss gab, das Parkhaus an der Scheibenstraße nicht zu sanieren.

"Das Parkhaus an der Scheibenstraße war früher nur zu 16 Prozent ausgelastet. Drum wurde es dann für Dauerparker geöffnet", so Kegel - wegen der fehlenden Standsicherheit sei er dann aber zum Handeln gezwungen gewesen. Ganz anders sah es Simon Steiner: "Man hätte das Parkhaus auch für eine Million Euro sanieren können, durch die Stellplatzgebühren hätte sich das immer rentiert und die Autos wären weg von der Straße."

Dissens bei "Wohnen und Gewerbe"

Weit auseinander gingen die Meinungen auch beim Thema "Wohnen und Gewerbe". Während Christian Hümmer vorschlug mit einer städtischen Wohnbaugesellschaft Grundstücke schneller kaufen und bebauen zu können will Simon Steiner einen "Stopp bei großflächigen Wohn- und Gewerbebauten" - an allen Ecken und Enden entstünden Gewerbegebiete "wie ein Krebsgeschwür", so der Kandidat der Traunsteiner Liste. Lieber sollte man die Innenverdichtung voranbringen. 

"Ja, es waren nur zwölf städtische Wohnungen, die in Haidforst gebaut wurden. Aber lieber zwölf neue Wohnungen, als in einer Nacht-und-Neben-Aktion hunderte kommunale Wohnungen zu verkaufen, wie andernorts", bekannte Christian Kegel. Er will "noch viel mehr" solcher vergünstigten Wohnungen bauen. Die klassischen Einfamilienhäuser sind für Burgi Mörtl-Körner ein "Auslaufmodell". Ihr Ansatz: Mehrgenerationenhäuser, Bauen in die Höhe und das nach höchsten ökologischen Standards.

Jugendzentrum

Viel Raum nahmen auch Diskussionen zum Jugendzentrum ein. "Jetzt zeigt sich, wie bedauerlich das Ergebnis des Bürgerentscheids war. Sonst wären die Probleme inzwischen erledigt", so Christian Kegel zum Standort Güterhalle. Man dürfe die alte Güterhalle nicht aufwerten, meinte Christian Hümmer - sein Gegenvorschlag für ein Jugendzentrum: Ein Haus gegenüber des Sailer Kellers, das die Stadt gekauft habe. Am deutlichsten setzte sich Burgi Mörtl-Körner für ein neues Jugendzentrum ein: "Das wird bei mir ein Schwerpunkt."

xe

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