Mord an Manuela K. „kein besonders schwerer Fall“?

Anwalt: „Es ist nur von einem bedingten Tötungsvorsatz auszugehen“

Prozess Mord Landgericht Traunstein Manuela K. Bergen Gericht
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Der Angeklagte, 61 Jahre alt und gebürtig aus Traunstein, neben seinem Anwalt Harald Baumgärtl.

Bergen/Traunstein - 59 Jahre wurde Manuela K. aus Bergen alt, bis sie von einer Internetbekanntschaft umgebracht wurde - der Angeklagte (61) hat die Tat bereits gestanden. Heute werden am Landgericht Traunstein die Plädoyers gehalten.

Update, 12.39 Uhr - Tat „kein besonders schwerer Fall“?

Es folgt das Plädoyer von Verteidiger Harald Baumgärtl. „Mein Mandant hat ein Geständnis abgelegt und den Ort der Leiche gezeigt. Es ist festzustellen, dass er die Umstände des Tatgeschehens dargestellt hat“, so Baumgärtl. Was genau passiert sei, müsse sich aus den Angaben seines Mandanten und der Beweise ergeben, da bei der Tat nur der Angeklagte und die Getötete anwesend waren. Sein Mandant habe eingeräumt, dass er nach sexuellem Kontakt auf die Getötete mit der Faust eingeschlagen habe. Diese sei dann mit einer Buddha-Statue auf ihn losgegangen, er hab die Statue entrissen und auf Manuela K. eingeschlagen.

„Er hat sie dann gewürgt und als sie sich nicht mehr bewegte, ließ er von der Geschädigten ab“, so Baumgärtl. Daraufhin habe er die Tasche von Manuela K. genommen und die Wohnung verlassen. In der Tasche seien 8.000 Euro gewesen. Das Geld habe er verwendet, um Schulden zu begleichen. „Aus meiner Sicht hat sich in der Hauptverhandlung kein Nachweis ergeben, dass dieses Geld nicht in der Tasche war“, so der Verteidiger.

Sein Mandant sei dann zurück zum Tatort gekommen, um Spuren zu beseitigen. Dabei habe er einen Tresorschlüssel gefunden und etwa 60.000 Euro daraus an sich genommen. „Mein Mandant hat auch immer wieder beteuert, dass die Tötung nicht wegen dem Geld erfolgte. Er ist ein professioneller Einbrecher. Deshalb hätte er keinen Mord begehen müssen.“ Einen Nachweis, dass die Geschädigte dem Angeklagten Mitteilung über ihr Vermögen gemacht habe, sei laut Baumgärtl nicht nachgewiesen.

Tatmotiv sei laut Anwalt nicht Habgier gewesen und dafür in der Hauptverhandlung auch kein Nachweis erbracht worden. „Wenn mein Mandant gewusst hätte, dass da ein Tresor ist mit einem Haufen Geld drin, warum muss er dann die Geschädigte während eines Geschlechtsaktes umbringen. Er ist professioneller Einbrecher, das wäre für ihn eines der leichtesten Aufgaben gewesen.“ Es sei daher nur von einem bedingten Tötungsvorsatz auszugehen.

„Vom Ergebnis her ist festzuhalten, dass kein Mordmerkmal bewiesen werden konnte“, so Baumgärtl. Sein Mandant sei daher wegen Totschlags zu verurteilen. Hierbei handle es sich jedoch nicht um einen besonders schweren Fall. Der Anwalt fordert für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als 12 Jahren.

Der Angeklagte hat das letzte Wort, diese fielen aber recht karg aus: „Ich schließe mich den Ausführungen meines Anwalts an“, sagt er nüchtern.

Das Urteil wird für Freitag, 26. März erwartet.

Update, 10.25 Uhr - Lebenslange Haftstrafe für Beschuldigten?

Am vierten Prozesstag im Mordprozess um Manuela K. stehen die Plädoyers an. Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Markus Andrä und Karin Hahn beginnt: „Der hiesige Fall begann als Vermisstenfall und entwickelte sich zu einem der aufwändigsten Ermittlungsfälle der Staatsanwaltschaft Traunstein in der jüngsten Zeit“, sagt Staatsanwalt Markus Andrä in seinem Schlussantrag.

Laut Staatsanwalt sei der Angeklagte in finanzielle Notlage geraten und eine fristlose Kündigung seiner damaligen Wohnung stand kurz bevor. Circa 35.000 Euro Schulden habe der Angeklagte angehäuft. Sein geliebtes Auto habe einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten. Zur gleichen Zeit habe er Manuela K. über das Datingportal Tinder kennengelernt. Es sei dann schnell zum sexuellen Kontakt gekommen. „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der Angeklagte sich im Vorfeld dazu entschlossen habe, Frau K. zu töten, um an Geld zu kommen“, so Andrä. „Ich bin überzeugt, dass er vorsätzlich gehandelt hat.“

Mindestens in einer zweistelligen Zahl habe er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft mit der Buddha-Statue auf den Kopf des Opfers eingeschlagen. Er habe dann das Geld von Manuela K. an sich genommen, sei zeitnah in seine Wohnung nach Österreich gefahren und habe mit dem gestohlenen Geld die ausstehenden Mieten und zwei Monatsmieten im Voraus bezahlt.

Kurze Zeit darauf sei er zurück zum Tatort gefahren und habe mit den Reinigungsarbeiten begonnen, habe Bettzeug und Matratze in den Waginger See geschmissen und das Auto von Manuela K. in Traunstein abgestellt. Zurück in der Wohnung von Manuela K. habe er ihren Körper zerteilt, die Teile in Müllsäcke und einer Sporttasche verstaut und in einem Waldstück abgelegt.

Die Staatsanaltschaft ist der Auffassung, dass der Angeklagte 85.000 Euro erbeutete. „Ich bin auch davon überzeugt, dass der Angeklagte zu jeder Zeit voll schuldfähig war. Und dass es ihm verborgen war, dass es sich um eine relativ wohlhabende Frau gehandelt hat, dass kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin davon überzeugt, dass der Angeklagte nur aus der Motivation heraus handelte, an Geld zu kommen. Der Angeklagte hat seine Spuren nahezu perfekt verwischt. Mit welcher Professionalität er vorgegangen ist, das ist schon an der Grenze des Vorstellbaren“, so der Staatsanwalt. Er fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.  

Erstmeldung, 6.05 Uhr - Welche Strafe könnte für Tötung von Manuela K. drohen?

Manuela K. aus Bergen ist tot. Daran wird auch dieser Prozess am Landgericht Traunstein nichts ändern. Doch in den Plädoyers heute ab 9 Uhr wird ersichtlich, welche Strafe ihrem mutmaßlichen Mörder drohen könnte. Er ist 61 Jahre alt, stammt aus Traunstein, wohnte zuletzt in einem kleinen Dorf in Oberösterreich und hat gleich zu Prozessbeginn gestanden, die Frau umgebracht und zerstückelt zu haben.

Mord an Manuela K. aus Bergen? Plädoyers am Landgericht Traunstein

Die Anklage lautet auf Mord aus Heimtücke. Darüber hinaus besonders schwerer Raub mit Todesfolge. Daher steht auch eine lebenslange Freiheitsstrafe im Raum. Mildernde Umstände wurden im Prozess gegen den 61-Jährigen kaum ersichtlich. Nach dem Erkenntnis zweier Gutachten war der Mann bei dem Verbrechen an der 59-jährigen Manuela K. voll schuldfähig. Die psychiatrische Sachverständige war außerdem der Meinung, dass der Angeklagte nicht aus dem Affekt heraus gehandelt hat. Wie werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung also ausfallen?

Bereits zu Prozessbeginn hat der gebürtige Traunsteiner gestanden, die damals 59 Jahre alte Frau am 9. Januar 2020 in ihrer Wohnung in Bergen umgebracht zu haben. Laut Gerichtsmediziner schlug er sie zuerst mit einer hölzernen Buddha-Statue bis zur Bewusstlosigkeit und würgte sie anschließend. Was todesursächlich war, bleibt unklar. Einige Tage nach der Tat zerstückelte der Mann die Leiche mit einer Astschere. 25 Leichenteile zählte das Landeskriminalamt. Der Angeklagte verpackte die sterblichen Überreste in Säcke und Sporttaschen und versteckte diese in einem Waldstück bei Knappenfeld (Gemeinde Siegsdorf). Anfang März 2020 konnte die Polizei den Mann festnehmen. Zuerst leugnete er die Tat, zeigte den Beamten kurz darauf dann aber doch die Stelle im Wald.

Mit dieser Buddha-Statue soll der Angeklagte Manuela K. erschlagen haben.

Der 61-jährige Angeklagte wurde von Gerichten bereits 17 Mal schuldig gesprochen, vor allem wegen Diebstählen und Fahren ohne Führerschein. Insgesamt 20 Jahre lang sei er nach eigenen Angaben bereits im Gefängnis gesessen. Er lernte Manuela K. kurz zuvor auf einer Dating-Plattform im Internet kennen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er sie aus Habgier ermordete - denn der 61-Jährige hatte Mietschulden, einen Totalschaden am Auto und war arbeitslos. Etwa 86.000 Euro, Goldplättchen und Edelsteine soll er nach der Tötung von Manuela K. erbeutet haben.

Am zweiten Prozesstag sagte unter anderem eine Freundin von Manuela K. aus. Seit dem Tod ihres Mannes habe sie viele wechselnde Männerbekanntschaften gehabt, die sie sich vor allem im Internet suchte. Sie habe „nach Liebe gelechzt“ und sei in den 61-Jährigen schwer verliebt gewesen. Das Urteil wird am Freitag, 26. März, am Traunsteiner Landgericht gesprochen.

chiemgau24.de wird aktuell aus dem Landgericht berichten.

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