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Nach versuchtem Mord an Asylpatin in Wasserburg

Mitgefangenen umgebracht? Bernauer Häftling geständig: „Er konnte nichts mehr machen“

Der Beschuldigte mit Dolmetscherin und seinem Anwalt Walter Holderle.
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Der Beschuldigte mit Dolmetscherin und seinem Anwalt Walter Holderle

Er wurde bereits wegen versuchten Mordes an einer jungen Wasserburgerin verurteilt und sitzt seitdem im Gefängnis - nun steht er wieder vor Gericht. Ein 28-Jähriger soll im Zustand der Schuldunfähigkeit in der JVA Bernau einen Mithäftling umgebracht haben.

Update, 13.45 Uhr: Angeklagter voll geständig

Was steckt hinter dem tödlichen Würgegriff in der JVA Bernau am 8. Oktober 2020? Jetzt sagt auch der Beschuldigte aus – und er ist voll geständig. „Mein Mitgefangener hat gesagt, dass er mich umbringen will“, liefert der 28-jährige Malier als Begründung. Einige Tage vor der Tat habe es sein Zellengenosse auch weiteren Gefangenen gesagt. „Warum er mich umbringen wollte, weiß ich nicht. Ich habe ihm nichts getan.“

Der Beschuldigte habe den Mann nicht umbringen wollen – er wollte nur raus aus der gemeinsamen Zelle, „aus Angst“. Der 28-Jährige war die Jahre zuvor in der JVA Straubing untergebracht und kam erst neun Tage vor der Tat ins Bernauer Gefängnis. Er beschreibt, wie er vom Bett stieg und beim Mitgefangenen von hinten einen Würgegriff mit dem Unterarm anlegte. „So wie ich ihn gehalten habe, konnte er nichts mehr machen“, sagt der Mann frei heraus. Er habe nur einmal geschrien und sich ansonsten nicht wehren können. Danach blieb der Mann regungslos am Boden liegen und kam bis zum Todeszeitpunkt am nächsten Tag wohl auch nicht mehr zu Bewusstsein.

Litt er zu jenem Zeitpunkt an einem „Schub“ einer paranoiden Schizophrenie? Die liegt laut Staatsanwaltschaft bei ihm vor und auch im früheren Verfahren von 2015 zur versuchten Tötung in Wasserburg gab er an, „Schatten“ gesehen zu haben. Doch davon berichtet der Beschuldigte nun nichts. Er spricht mit klarer Stimme über den Tatvorwurf und scheint keine Erinnerungslücken zu haben.

Auch zu seiner Biographie äußert sich der Asylbewerber. Er wuchs in Timbuktu auf, beide Eltern verstarben bei einem Brand. Später floh er über Algerien und Spanien nach Deutschland, wo er 2013 einen Asylantrag stellte und in der Gemeinschaftsunterkunft in Wasserburg untergebracht wurde. „Dort habe ich eine Frau kennengelernt. Sie hat mir Deutsch beigebracht“, erzählt er.

Gemeint ist jene damals 21-jährige Asylpatin aus dem Wasserburger Raum, der er – wohl wegen enttäuschter Liebe – ein Messer in den Bauch rammte. Wegen versuchten Mordes wurde er schließlich zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Prozess gegen den 28-Jährigen wird am Freitag (11. Juni) fortgesetzt. Dann soll auch das psychiatrische Gutachten gehalten werden, das in diesem Fall zentral sein dürfte. Auch ein Urteil könnte am Freitag fallen. 

Update, Dienstag (8. Juni) 11 Uhr: Laut Staatsanwalt ist Täter schuldunfähig

Jetzt sitzt er wieder hier: Wieder das Landgericht Traunstein, wieder unter Vorsitz von Richter Erich Fuchs. „Ich kann mich noch an Ihren alten Fall erinnern“, so Fuchs zu Beginn der Verhandlung. Nach dem Urteil zum versuchten Mord 2014 in Wasserburg muss sich der 28-jährige Beschuldigte nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Wegen eines Würgegriffs soll sein Mithäftling in der JVA Bernau einen Tag später ums Leben gekommen sein.

Am 8. Oktober vorigen Jahres soll der 28-Jährige seinen Zellengenossen angegriffen und ihn im „Schwitzkasten“ gewürgt haben. Flüssigkeit sei dann in die Lunge des Mithäftlings eingedrungen, der Hirndruck stieg und tags darauf verstarb der Mann im Klinikum Rosenheim. „Der Geschädigte verstarb am 9. Oktober 2020 um 12.55 Uhr im Klinikum Rosenheim an einer zentralen Lähmung“, so der Staatsanwalt bei der Verlesung der Anklage.

Aber: Laut Staatsanwalt ist der Mann, der aus Mali stammt, schuldunfähig. Er leide an einer paranoiden Schizophrenie, zum Tatzeitpunkt sei ein „akutes Stadium“ der Krankheit vorgelegen. „Wegen der Wahnvorstellungen war er nicht in der Lage, das Unrecht der Tat einzusehen“, so der Staatsanwalt. Nun darf man gespannt sein, ob und wie sich der 28-Jährige selbst zur Tat äußert.  

Vorbericht:

Bernau/Traunstein - Am 8. Oktober vorigen Jahres kam es in der JVA Bernau laut Staatsanwaltschaft zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Gefangenen. Der Beschuldigte soll einen Mithäftling so stark im Schwitzkasten gehalten haben, dass dieser am Tag darauf im Klinikum Rosenheim an einer zentralen Lähmung starb. Ab Dienstag (8. Juni), 9 Uhr, wird der Fall vor dem Traunsteiner Landgericht verhandelt.

Prozess: Mithäftling in JVA Bernau umgebracht?

Der Beschuldigte leidet laut Staatsanwaltschaft an einer paranoiden Schizophrenie. Wegen einer Wahnvorstellung habe der 28-Jährige, der aus Mali stammt, im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt. Konkret geht es um Körperverletzung mit Todesfolge. Für den Prozess sind noch zwei weitere Verhandlungstage terminiert, nämlich der 11. Juni und der 1. Juli.

Beschuldigter schon wegen versuchten Mordes verurteilt

Schon einmal stand der Mann vor dem Landgericht in Traunstein: Vor ziemlich genau sechs Jahren wurde er wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung verurteilt. Er rammte im August 2014 einer Asylpatin in Wasserburg ein Messer fünf Zentimeter tief in den Bauch - keiner der Prozessbeteiligten hatte daran Zweifel. Als die Frau flüchtete, soll er ihr „I will kill you“ hinterhergerufen haben. 21 Jahre alt war die Asylpatin damals. „Sein Motiv war enttäuschte Liebe“, befand das Gericht damals in der Urteilsbegründung.

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