Urteil zu Doppel-Vergewaltigung in Altötting

Richter: "Das ist das Schlimmste, was einer Frau passieren kann"

Traunstein/Neuötting/Altötting - Sie war zuerst auf der Dult, danach in einer Shisha-Bar - auf dem Heimweg wurde eine 52-Jährige schließlich zweimal vergewaltigt. Am Freitag fiel das Urteil gegen zwei Männer.

Update, 14.27 Uhr - "Das ist das Schlimmste, was einer Frau passieren kann"

Jetzt steht das Urteil fest: Beide Angeklagte müssen jeweils sechs Jahre ins Gefängnis. Sie sind schuldig der Vergewaltigung und der vorsätzlichen Körperverletzung. "Beide haben die Geschädigte festgehalten und vergewaltigt", so Vorsitzender Richter Erich Fuchs. "Sie war dem ganzen machtlos ausgesetzt und hat die Vergewaltigung über sich ergehen lassen", hält das Traunsteiner Landgericht fest.


Die Geschädigte, eine 52-Jährige, war in den frühen Morgenstunden des 11. August 2019 auf dem Heimweg aus dem Neuöttinger Nachtleben. Die beiden Eritreer verfolgten sie und vergingen sich auf einem abgelegenen Fleck zwischen Maisfeldern und hohem Gras auf Altöttinger Gemeindegebiet an der Frau - "trotz ihrer Schreie", so Richter Fuchs: "Das ist das Schlimmste, was einer Frau passieren kann, vor allem in absoluter Wildnis."

Update, 13.15 Uhr - Plädoyers von Staatsanwältin und Verteidiger

Alle Prozessbeteiligten sind sich einig, dass die beiden angeklagten Eritreer schuldig sind – aber welche Strafe sollen sie bekommen? Jeweils acht Jahre Haft wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung fordert die Staatsanwaltschaft: „Die Geschädigte erlitt die Horror-Vorstellung einer jeden Frau. Sie liefen der Geschädigten hinterher und holten sie ein.“ Während der Vergewaltigung sei die Frau auch geschlagen worden.


Die Staatsanwältin belastet die Angeklagten schwer: „Es gab keine Entschuldigung in der Hauptverhandlung, die Tat wurde verharmlost und die Opferrolle der Geschädigten nicht anerkannt.“ Wegen des abgelegenen Tatorts zwischen Maisfeldern und hohem Gras sei die Geschädigte den beiden Männern, 26 und 29 Jahre alt, schutzlos ausgeliefert gewesen. „Solche Taten müssen mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden“, so die Staatsanwältin.

Den Sachverhalt bestreiten auch die Anwälte nicht. „Aber mein Mandant hat nichts verharmlost, er hat zu keinem Zeitpunkt irgendetwas abgestritten und den Mittäter benannt. Vor Gericht erfolgte das Geständnis sofort, ohne Wenn und Aber“, so Michael Fraunhofer, Verteidiger des 29-jährigen Angeklagten. Anwalt Manfred Kösterke, der den 26-jährigen Angeklagten vertritt, verweist auf die starke Alkoholisierung und dementsprechend widersprüchlichen Aussagen der 52-jährigen Geschädigten. Aber auch Kösterke weiß: „Natürlich ist die Tat geschehen.“

Fraunhofer fordert für den 29-jährigen Angeklagten eine Haftstrafe von vier Jahren, Kösterke will für seinen Mandanten maximal vier Jahre. Beide verweisen außerdem auf ein kürzlich gefälltes Urteil des Traunsteiner Landgerichts, bei dem ein Vergewaltiger, der die Tat leugnete, fünf Jahre Haft erhielt – angesichts der Geständnisse müsse hier die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. 

Am frühen Nachmittag wird das Urteil gefällt.

Update, 11.50 Uhr - Angeklagte geständig

Schon am ersten Prozesstag räumten die Angeklagten die Vergewaltigung weitgehend ein, nun liegt dem Traunsteiner Landgericht auch ein Täter-Opfer-Ausgleich vor: Die beiden Angeklagten verpflichten sich dort zu jeweils 12.000 Euro Schmerzensgeld für die 52-jährige Frau. Kleinere Teilbeträge sind bereits geflossen. Außerdem entschuldigen sich dort die beiden Männer. Die Geschädigte akzeptiert die Entschuldigungen. Der Streitwert des Verfahrens wird auf 30.000 Euro festgesetzt.

Nun werden die Plädoyers gehalten, anschließend fällt das Gericht sein Urteil.

Vorbericht

Die beiden Eritreer, 29 und 26 Jahre alt, haben die Tat nicht geleugnet, auch die DNA-Spurenlage ist eindeutig und die Frau bestätigte die Vorwürfe als Zeugin ebenfalls vor Gericht: Werden sie am heutigen Freitag, 10. Juli, vor dem Traunsteiner Landgericht wegen Vergewaltigung und Körperverletzung verurteilt? Alles deutet darauf hin. Der Prozess beginnt um 9 Uhr. Ein Zeuge soll noch geladen werden, danach werden Plädoyers und Urteil erwartet. 

Die Männer sollen am 11. August vorigen Jahres nacheinander eine 52-Jährige in Altötting vergewaltigt haben. Sie besuchte die Neuöttinger Dult und war später noch in einer Shisha-Bar. Als die Frau auf dem Heimweg war haben die beiden Männer sie zwischen 4 und 5 Uhr in der Früh auf einer Wiese nacheinander vergewaltigt, so die Staatsanwaltschaft. Auch Schläge soll es gesetzt haben. Die Polizei konnte die beiden Männer vier Tage nach der Tat festnehmen. Entscheidend für die Festnahme war auch ein Hinweis aus der Bevölkerung. Die Polizei wandte sich mit einer detaillierten Täterbeschreibung an die Öffentlichkeit. 

innsalzach24.de wird aktuell von der Verhandlung am Traunsteiner Landgericht berichten

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Rubriklistenbild: © Fotomontage dpa

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