Am Landgericht Traunstein

Prozess um tödliche Schlägerei in der JVA Bernau - Urteil gefallen

Prozess zu tödlichem Hofgang in Gefängnis
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Landgericht Traunstein: Urteil um Tötung an Mitgefangenen in der JVA Bernau. Im Bild der 49-jährige Angeklagte. 

Bernau/Traunstein - Ein 30-jähriger Häftling starb nach einer Schlägerei in der JVA Bernau, heute wird in dem Fall ein Urteil gesprochen. Die Plädoyers im Prozess gegen einen 49-Jährigen gingen sehr weit auseinander. 

Update, 11.15 Uhr - Urteil gefallen


Jetzt ist das Urteil gefallen: Wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge muss der Angeklagte fünf weitere Jahre im Gefängnis bleiben. Am 15. August 2019 spitzte sich eine Auseinandersetzung zwischen dem 49-jährigen Bulgaren und einem 30-jährigen Kroaten so zu, dass im Hof eine Schlägerei zwischen beiden entstand. Zuletzt „versetzte ihm der Angeklagte einen stampfenden Tritt mit dem Fuß auf die Stirn“, so Vorsitzender Richter Erich Fuchs, als der Kroate am Boden lag. 

Der 30-Jährige überlebte die Schläge und Tritte nicht. Richter Fuchs äußert sich auch kurz zur Vorgeschichte: Die Streitigkeiten mitsamt Beleidigungen schaukelten sich über Wochen hoch. Möglicherweise waren Drogengeschäfte im Gefängnis Auslöser. Der Geschädigte habe Mitgefangenen schon angekündigt, dass er sich am Angeklagten rächen will. Er war es laut Gericht auch, der die Schlägerei begann. Trotzdem habe der Angeklagte die Schlägerei „bereitwillig angenommen“ und „mit Angriffswillen gehandelt“. Von Notwehr könnte daher nicht die Rede sein.


Einen „Tötungswillen“ kann das Traunsteiner Landgericht beim 49-Jährigen nicht erkennen. Trotzdem habe er mit den tödlichen Folgen rechnen müssen. Auch wenn der Angeklagte in der JVA immer wieder Rauschgift und Medikamente nahm, sei er zum Tatzeitpunkt bei klarem Bewusstsein gewesen und ist somit schuldfähig, so Richter Erich Fuchs. Schwierig seien die Zeugenaussagen der Häftlinge gewesen: „Ich weiß nicht genau, wer gelogen hat, aber das war zum Teil beschämend. Es ging ja nicht um eine einfache Körperverletzung. Ich hätte mir da mehr Charakterstärke erwartet.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Innerhalb einer Woche können Staatsanwaltschaft oder Verteidigung Rechtsmittel dagegen einlegen.

Vorbericht

Die Plädoyers sind gehalten, am Mittwoch, 8. Juli, um 10 Uhr fällt am Landgericht Traunstein das Urteil. Laut Staatsanwaltschaft hat ein 49-jähriger Bulgare einen Mithäftling in der JVA Bernau erschlagen. Die Auseinandersetzung ereignete sich im Sporthof des Gefängnisses am 15. August 2019, ein 30-jähriger Kroate kam ums Leben. "Ein junges Leben ist erloschen", meldete sich die Mutter des Mannes am jüngsten Prozesstag zu Wort: "Meinem Enkel ist der Vater weggenommen und mir der Sohn", so die Frau. Weil der Angeklagte keine Reue zeige hoffe sie auf eine "strenge Strafe". 

Auch die Staatsanwaltschaft forderte im Plädoyer eine strenge Strafe: zehn Jahre Haft. Die Verteidigung will den 49-Jährigen dagegen umgehend aus dem Gefängnis herausholen, damit er eine Drogentherapie beginnen kann. "Der hat sich alles reingehauen, was er in die Hände bekommen hat", berichtete ein anderer Häftling über den Angeklagten. Im Gefängnis soll er unter anderem Kokain, Haschisch und allerlei Medikamente genommen haben. 

rosenheim24.de wird gleich nach dem Urteilsspruch berichten. 

xe

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