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Riederinger wegen tödlichem Unfall auf Miesbacher Straße angeklagt

Viele Unklarheiten zum tödlichen Unfall: Verkehrsgutachten liegt jetzt vor

Auch über vier Jahre nach dem fürchterlichen Unfall auf der Miesbacher Straße, bei dem zwei junge Frauen vom Samerberg starben, kann immer noch kein juristischer Schlussstrich unter den Fall gezogen werden. Am Donnerstag wird der Prozess erneut neu aufgerollt.
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Auch über vier Jahre nach dem fürchterlichen Unfall auf der Miesbacher Straße, bei dem zwei junge Frauen vom Samerberg starben, kann immer noch kein juristischer Schlussstrich unter den Fall gezogen werden. Der Prozess neigt sich nun aber langsam dem Ende entgegen.

Rosenheim/Traunstein - Mit ihm wird die Beweisaufnahme im Prozess zum tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße beendet: Am Dienstag wird das Verkehrsgutachten am Landgericht Traunstein vorgestellt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Siebter Verhandlungstag im Prozess um den tödlichen Unfall in der Miesbacher Straße.
  • Der Verkehrsgutachter Andreas Thalhammer soll beantworten, ob die Lücke zwischen den Autos groß genug war, um einzuscheren.
  • Eine Intensivkrankenschwester möchte aussagen - noch kann sie es aber aufgrund ihrer Schweigepflicht nicht.

Update, 15.18 Uhr - Viele Unklarheiten zum tödlichen Unfall: Verkehrsgutachten liegt jetzt vor

„Ein Gutachten kann nur so gut sein, wie es die Grundlagen erlauben“, beginnt der Sachverständige Andreas Thalhammer seinen Vortrag – und kommt dabei gleich auf das eigentliche Problem: Die Grundlagen sind äußerst dünn, basieren nur auf Zeugenaussagen, die nach all den Jahren immer unpräziser werden. Und schließlich darf der Gutachter nur das verwerten, was in diesem Prozess gesagt wurde. Konkretere Zeugenaussagen aus früheren Verhandlungen kann er nicht mit einfließen lassen.

Welches Auto wann wo genau war und wer wie schnell fuhr wisse man einfach nicht, so Thalhammer. „Wir haben keine technisch verifizierbare Chance, die Größe der Lücke zwischen den BMW zu berechnen.“ Sicher ist sich der Gutachter aber: der Fahrer des VW Golf hätte – trotz Überholens – noch abbremsen und den Unfall vermeiden können. Denn das Gegenlicht des Autos der Samerbergerinnen blitzte bereits von weitem durch eine Baumgruppe. Nur das erkannte der Golf-Fahrer wohl nicht.

Zwei weitere Erkenntnisse von Verkehrsgutachter Thalhammer: Die Miesbacher Straße ist breit genug, dass sogar drei Autos nebeneinander Platz haben. Auch so hätte die Kollision theoretisch vermieden werden können - „aber das ist nur eine hypothetische Annahme, weil die Fahrer ja nicht miteinander kommunizieren konnten bzw. nicht wussten, was der andere macht“.

Thalhammer geht außerdem auch auf den Überraschungszeugen vom jüngsten Termin ein. Er behauptete, in gewissem Abstand hinter den Autos hinterhergefahren zu sein und alles beobachtet zu haben. Der Zeuge war sich sicher, dass die Lücke zwischen den BMW zu klein zum Einscheren gewesen wäre. Der Gutachter zeigt aber auf, dass der Zeuge das aus seiner angegebenen Position gar nicht erkennen hätte können.

Viele Fahrsimulationen, Grafiken und Fotos vom Unfallort werden gezeigt. Und zu guter Letzt werden auch die beiden Notrufe der BMW-Insassen abgespielt. Die Männer wirken aufgeregt und außer Atem. „Da sind zwei Autos frontal ineinander“ - „Ist jemand verletzt?“ - „Ja, sehr viele! Wie viele hocken da drin... Drei. Drei Leute! Sind nicht ansprechbar und eingeklemmt.“

Damit ist der heutige Verhandlungstag beendet. Fortgesetzt wird am kommenden Freitag (18. Juni). Dann mit der Zeugin, die sich heute spontan noch meldete, und den Plädoyers. Das Urteil fällt dann am übernächsten Freitag (25. Juni). 

Update, 11.15 Uhr - Neue Zeugin darf nicht aussagen

Kurzfristig hat sich wieder eine neue Zeugin gemeldet, die zur Wahrheitsfindung beitragen will. Erst gestern meldete sich die Polizeiinspektion Rosenheim per Fax beim Landgericht: Eine Intensivkrankenschwester habe Kontakt aufgenommen und wolle aussagen. Sie betreute den Golf-Fahrer im Krankenhaus, er hätte ihr vom Unfallhergang erzählt.

Als die 34-Jährige dann aber zu Beginn des siebten Prozesstages vor Gericht sitzt, kommen den Verfahrensbeteiligten Zweifel. „Sind Sie von der Schweigepflicht entbunden worden? Sonst könnten Sie sich strafbar machen“, erinnerte sie Staatsanwalt Jan Salomon. Kopfschütteln bei der Krankenschwester.

Das Gericht rund um die Vorsitzende Heike Will versuchte dann, den Golf-Fahrer telefonisch zu erreichen, um eine Schweigepflichtsentbindung einzuholen – aber ohne Erfolg, es meldete sich nur die Mailbox. Bis zum nächsten Verhandlungstag am Freitag will es das Gericht weiter versuchen, dann soll die Zeugin nochmal kommen und ihre Aussage machen.

Nun wird der Sachverständige Andreas Thalhammer mit seinem Verkehrsgutachten beginnen. 

Erstmeldung, 6.19 Uhr

Andreas Thalhammer kommt im „Samerberg-Prozess“ eine wichtige Rolle zu: Er soll bei der Beantwortung der Frage mithelfen, ob die Lücke zwischen den zwei BMW für den überholenden Golf-Fahrer groß genug war, um wieder einscheren zu können. Aber ob sich das überhaupt jemals beantwortet lassen wird? Der Verkehrsgutachter wird am Dienstag (15. Juni) am Landgericht in Traunstein angehört. Der Prozess beginnt um 9.30 Uhr.

Verhandelt wird gegen einen 28 Jahre alten Mann aus Riedering, der für den tödlichen Unfall im November 2016 auf der Miesbacher Straße in Rosenheim mitverantwortlich sein soll. Er ist unter anderem wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft hat er einem überholenden VW-Golf-Fahrer keine Lücke zum Einscheren gelassen - die Folge war ein Frontalunfall mit zwei tödlich verunglückten jungen Frauen vom Samerberg.

„Samerberg-Prozess“ am Landgericht Traunstein: Was bisher geschah

Am jüngsten Prozesstag vorigen Donnerstag standen zwei Zeugen im Mittelpunkt: Die Beifahrerin des Ulmer Golf-Lenkers, die bis heute dessen waghalsiges Überholmanöver nicht verstehen kann, und ein Überraschungszeuge - nach all den Jahren meldete er sich erst vor wenigen Wochen bei der Polizei, um jetzt auszusagen. Er behauptete als erster überhaupt, den kompletten Unfall beobachtet zu haben und belastete den Angeklagten schwer. Bei Staatsanwaltschaft und Gericht waren aber Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit zu erkennen.

Am ersten Verhandlungstag waren die emotionalen Aussagen der Angehörigen der verstorbenen Frauen zu hören. Am zweiten Prozesstag sagte der Fahrer des vorausfahrenden BMW, sein Beifahrer sowie der Beifahrer des Angeklagten aus. Und auch der überholende Golf-Fahrer wurde zum ersten Mal in den Zeugenstand gerufen. Am dritten Prozesstag brachte Verteidigerin Iris Stuff eine neue Version ins Spiel: Wähnte sich der ortsunkundige Golf-Fahrer beim Überholen auf einer Autobahn und blieb deshalb so konsequent auf der linken Spur?

Am vierten Verhandlungstag am Dienstag sagten Angehörige des Golf-Fahrers sowie andere Autofahrer aus, die das „Trio“ kurz vor dem Unfall durch Rosenheim fahren sahen - bereits davor fielen sie durch ihren Fahrstil auf. An Prozesstag Nummer fünf wurde der Golf-Fahrer erneut geladen. Er schien inzwischen etwas verunsichert. Der Prozess neigt sich nun langsam dem Ende entgegen. Am Freitag (18. Juni) werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung gehalten. Das Urteil ist für 25. Juni eingeplant.

Zwei Unfallbeteiligte wurden bereits rechtskräftig verurteilt: Der überholende Fahrer des VW Golf bekam eine Bewährungsstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten. Der andere BMW-Fahrer erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten, weil er den Überholenden nicht einscheren ließ. Nun wird zum dritten Mal gegen den Riederinger verhandelt. Sein Urteil (zwei Jahre und drei Monate Haft) wurde wegen eines Formfehlers aufgehoben.

xe

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