Prozess in Traunstein zu mehreren Gaststätten-Einbrüchen 

Urteil: Bewährungsstrafen für die zwei Freilassinger!

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Landkreis - Seit Montagvormittag läuft der Prozess gegen eine mutmaßliche Diebesbande. Jetzt hat das Gericht das Urteil gesprochen:

UPDATE, 16.49 Uhr: Das Urteil

Der vorsitzende Richter Zenkel verkündet das Urteil: Die beiden Freilassinger kommen mit Bewährungsstrafen davon. Der 31-Jährige zwei Jahre, der 44-Jährige anderthalb Jahre. Es gilt eine Bewährungszeit von vier Jahren. Außerdem müssen sie Geldstrafen zahlen: Der 31-Jährige 4000 Euro, der 44-Jährige 3000 Euro, jeweils an die Arbeiterwohlfahrt.

Der 26-Jährige aus Krefeld, der an den meisten Einbrüchen beteiligt war, muss ohne Bewährung für drei Jahre hinter Gitter. Die Männer sind schuldig des Diebstahls und der Sachbeschädigung.

Auch das anfängliche Leugnen der Angeklagten kommentiert Richter Zenkel erneut: "Es ist eigentlich schamlos das Gericht umfangreich mit Lügen zu belegen. Das hatte schon fast beleidigende Wirkung." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden.

UPDATE, 16.08 Uhr: Die Plädoyers

"Wie sehr werden diese Geständnisse gewichtet?", fragt der Staatsanwalt zu Beginn seines Plädoyers und betonte, dass die Geständnisse "fast spätmöglichst" kamen. Für den 31-jährigen Freilassinger beantragt der Staatsanwalt eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren, für den 44-jährigen Freilassinger eine Strafe von anderthalb Jahren zur Bewährung und für den 26-jährigen Krefelder eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren.

Dass die Angeklagten heute so lange herumgedruckst hätten begründet der Anwalt des 31-jährigen Freilassingers mit der "Angst vor der Haft" - und er meint: "Das Geständnis ist viel wert. Es ist ihm nicht leicht gefallen, denn auch das Ansehen in der Familie spielt eine große Rolle." Dem Gericht sei so außerdem eine umfangreiche Beweisaufnahme erspart geblieben. Eine Strafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, sei ausreichend.

Auch der Angeklagte des 44-jährigen Freilassingers fordert eine Bewährungsstrafe - wegen der günstigen Sozialprognose und weil er nicht vorbestraft ist. Sein Mandant war auch "nur" an fünf Einbruchsfällen beteiligt. Ein Jahr und zwei Monate seien als Strafe angemessen.

Für den 26-jährigen Krefelder fordert der Verteidiger eine Strafe von drei Jahren zur Bewährung. Sein Mandant war an den meisten der Einbrüche beteiligt - insgesamt 15. Der Angeklagte ist nicht vorbestraft, das Geständnis sei "sehr zu seinem Gunsten" zu sehen - es sei schließlich der erste Verhandlungstag gewesen, obwohl vier Prozesstage angesetzt gewesen seien.

UPDATE, 15.40 Uhr:

Schon vor dem späteren Einbruch in Trostberg machten sich die Angeklagten beim Kneipenpersonal verdächtig: Sie inspizierten genau die Spielautomaten, wie eine Angestellte später der Polizei mitteilte. In Teisendorf tranken die Angeklagten vor dem Einbruch noch einen Espresso: Durch die Tags darauf noch ungewaschene Tasse konnte die Polizei in diesem Fall DNA-Spuren sichern. Außerdem berichtet ein Ermittler der Polizei, der nun als Zeuge geladen ist, von den vielen spuren, die ihre Handyverbindungen um die Tatorte hinterließen.

Der Polizist berichtet auch von der versuchten Festnahme des dritten Angeklagten in Krefeld: Sie scheiterte zuerst. Der Angeklagte 26-Jährige konnte über Fenster und Garagendächer flüchten. Beim zweiten Versuch umstellte die Polizei dann das Gebäude, der Zugriff gelang. Der Ermittler berichtet außerdem, wie die Angeklagten mehrere gefälschte Identitäten, "Fake-Personalien", wie er sagt, führten. Doch die Polizei kam dem Trio trotzdem auf die Schliche.

Ein Urteil wird noch für den heutigen Montag erwartet. Im nächsten Schritt folgen die Plädoyers. Die Geständnisse, auch wenn sie spät und erst durch wiederholten Druck des Richters kamen, werden dem Trio wohl strafmildernd angerechnet. Die Beute in den einzelnen Gaststätten reichte von einigen hundert Euro bis hin zu über 16.000 Euro in einem Fall.

Außerdem beantragte der Verteidiger des 31-jährigen Freilassingers, bei dem auch 22 Gramm Marihuana gefunden wurde, eine Einstellung des Verfahrens wegen dem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.

UPDATE, 15.15 Uhr: Die Bedenkzeit hat gewirkt

Die Bedenkzeit hat gewirkt: Nun sind alle drei Angeklagten geständig und räumen die Taten ein. "Warum hat's dann heute Vormittag diese Lügenmärchen gebraucht?", so Richter Zenkel. Der Verteidiger des 31-jährigen Freilassingers erwiderte darauf, es habe am Vormittag zwischen den Angeklagten keine Abstimmung gegeben.

Einer der Angeklagten wollte sich vor dem Gericht noch für die Geschichten vom Vormittag entschuldigen: "Dafür ist es zu spät", so der vorsitzende Richter. Der nächste Zeuge ist Ermittler bei der Polizei, er wird dem Gericht berichten, wie man dem Trio auf die Schliche kam.

UPDATE, 13 Uhr: Kurze Wiedereröffnung des Verfahrens

"Das waren Märchen, ich glaube Ihnen kein Wort. Sie haben uns belogen", so der Richter Zenkel, nachdem er das Verfahren wieder kurz eröffnete. Über die Mittagspause will er den Angeklagten noch einmal Zeit geben, ihre bisherigen Aussagen zu überdenken.

Die Staatsanwaltschaft bot an, bei einem Geständnis die beantragte Gesamtfreiheitsstrafe für jeden der drei Angeklagten um ein halbes Jahr abzusenken.

UPDATE, 12.15 Uhr: Sind die Angeklagten geständig?

"Mein Mandant kann nichts gestehen, was er nicht getan hat", so der Anwalt des 31-jährigen Freilassingers. Die zu den Tatorten passenden Handyverbindungsdaten würden nicht von ihm stammen, weil er das Handy davor an einen der anderen Angeklagten verkauft hätte. In der Zeit der Gaststätten-Einbrüche sei der 31-jährige Freilassinger meist im Kosovo gewesen.

Auch der zweite Angeklagte, der 44-jährige Freilassinger, bestreitet, an den fünf Einbrüchen beteiligt gewesen zu sein, die ihm zur Last gelegt werden. So erklärt er die Handyverbindungsdaten aus Trostberg und Berchtesgaden: Im Fall von Berchtesgaden habe der Angeklagte seinen Schwager von der Arbeit abgeholt haben. Im Fall von Trostberg will der Angeklagte zuletzt vor 20 Jahren in dem Ort gewesen sein. Die Handyverbindungsdaten kann er sich nicht erklären.

"Sie wollen meine Leichtgläubigkeit auf die Probe stellen", so der vorsitzende Richter Zenkel in Richtung der Angeklagten. Auch Anwalt Baumgärtl gesteht, dass er lieber belastbare Beweismittel für seinen 44-jährigen Mandanten vorlegen würde. "Hören Sie auf mit diesen Märchen, die Sie uns erzählen", so der Richter zum Angeklagten.

Erneut ziehen sich die Anwälte mit ihren Mandanten zur Beratung zurück.

UPDATE, 9,37 Uhr: Prozessbeginn

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten eine ganze Reihe von Einbrüchen in Gaststätten vor, alle im Zeitraum zwischen September und Dezember 2015. Eingebrochen wurde fünf Mal in Freilassing, zwei Mal in Trostberg und außerdem in Laufen, Waging, Taching, Ruhpolding, Rosenheim, Teisendorf, Piding, Berchtesgaden, Marquartstein und Bergen.

Bei den Angeklagten handelt es sich um einen 31-Jährigen und einen 44-Jährigen, beide aus Freilassing, sowie um einen 26-jährigen Krefelder. Die Männer stammen aus dem Kosovo und aus Serbien. Bei dem 31-jährigen Freilassinger fand die Polizei, laut Staatsanwaltschaft, außerdem 22 Gramm Marihuana. Angeklagt sind die Männer in erster Linie wegen Diebstahls und Sachbeschädigung.

Der vorsitzende Richter Zenkel legt den Angeklagten gleich zu Beginn ein Geständnis nahe: Es gäbe eindeutige DNA-Spuren und Handyverbindungsdaten der Angeklagten, die in der Nähe der Tatorte lägen. "Wenn es zu einer Verurteilung kommt sind Sie von einer Bewährungsstrafe kilometerweit entfernt. Überlegen Sie sich, ob Sie dieses Risiko gehen wollen!"

Nach einer kurzen Pause, in der die Anwälte Rücksprache mit den Angeklagten halten, wird die Verhandlung fortgesetzt.

xe

Vorbericht:

Drei Männer stehen ab Montag beim Landgericht Traunstein vor Gericht. Es werden ihnen mehrere Diebstähle, überwiegend in Gaststätten, in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim vorgeworfen. Im Zeitraum zwischen dem 7. September 2015 und dem 5. Dezember 2015 hätten die Angeschuldigten gemeinsam, allein oder mit unbekannten Mittätern jeweils gleichgelagerte Taten begangen. 

Sie seien nachts in Gaststätten eingedrungen, indem sie eine Tür oder ein Fenster aufgehebelt hätten. In der Gaststätte hätten sie Geldspielautomaten aufgebrochen und das darin befindliche Bargeld, sowie weiteres, in der Gaststätte befindliches, Bargeld entwendet. 

Einer der Männer wird wegen Diebstahls, beziehungsweise versuchten Diebstahls, in 15 Fällen angeklagt. Den beiden anderen werden jeweils Diebstahl und versuchter Diebstahl, in acht beziehungsweise fünf Fällen, zur Last gelegt. Insgesamt hätten die drei bei ihren Beutezügen mehr als 60.000 Euro erbeutet und einen Sachschaden von knapp 75.000 Euro angerichtet.

Mehrmals berichteten chiemgau24.de und bgland24.de über die Taten der Einbrecher. In der Nacht vom 7. auf den 8. September 2015 hatte offenbar der erste Einbruch der Bande in Laufen stattgefunden, bei dem die mutmaßlichen Täter etwa 4.200 Euro erbeutet hatten. Ein weiterer Einbruch geschah am 16. Oktober 2015 in Teisendorf. Bei diesem Einbruch wurde Beute im Wert von mehr als 16.000 Euro gemacht.

Der Prozess gegen die Diebesbande beginnt am Montag, um 9 Uhr. Weitere Termine sind angesetzt für Dienstag, 31. Januar 2017 und Donnerstag, 2. Februar 2017, jeweils um 9 Uhr.

Wir werden aktuell aus dem Gerichtssaal berichten.

amj

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