Ärzte und Ämter informierten zur Lage im Kreis Traunstein

Kontakt zu den vier Corona-Infizierten: 50 Personen im Landkreis häuslich isoliert

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Bei der Pressekonferenz zur Lage des Coronavirus am Freitagvormittag im Gesundheitsamt in Traunstein. Von links: Michael Reithmeier (Pressesprecher Landratsamt Traunstein), Dr. Wolfgang Krämer (Leiter des Gesundheitsamtes), Siegfried Walch (Landrat), Prof. Dr. med. Thomas Glück (Chefarzt am Klinikum Trostberg), Dr. Stefan Paech (Ärztlicher Leiter Kliniken Südostbayern).

Traunstein - Wie sieht die derzeitige Lage zum Coronavirus im Landkreis aus? Gesundheitsamt, hochrangige Ärzte und Landrat Walch informierten jetzt gebündelt - und warnen vor Panikmache und Hamsterkäufen. 

"Wir nehmen die Lage sehr ernst, aber ein panikhaftes Verhalten in der Bevölkerung verschärft die Lage nur. Hamsterkäufe stehen der kollektiven Lösung des Problems entgegen", begann Landrat Siegfried Walch die Pressekonferenz am Freitagvormittag mit einem klaren Statement. Die aktuelle Lage: Vier bestätigte Coronavirus-Fälle im Landkreis Traunstein. Die Personen sind im Alter zwischen 30 und 60 Jahren und infizierten sich unabhängig voneinander. Ein Patient hat schwerwiegendere Symptome und befindet sich im Klinikum Trostberg. "Er liegt auf der Intensivstation, befindet sich aber in stabilem Zustand", so Thomas Glück, Chefarzt in Trostberg.


Bisher 70 negativ ausgefallene Corona-Tests im Landkreis

Aufgabe des Gesundheitsamtes war es nun auch, die Kontaktpersonen der vier Infizierten zu finden. "Wir konnten insgesamt 50 Personen der Kontaktstufe 1 ermitteln", so Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes. Kontaktstufe 1 heißt, dass sie mindestens 15 Minuten in Kontakt mit den Infizierten standen. "Sie wurden von uns umgehend telefonisch informiert und sind jetzt in häuslicher Isolation". Abgesehen von den vier Infizierten wurden in den vergangenen Tagen insgesamt 70 Personen im Landkreis auf Coronaviren getestet, die sich nicht angesteckt haben.

Infos zum Coronavirus:

Trostberg bleibt für die Kliniken Südostbayern weiterhin der Standort, an dem Coronavirus-Patienten, wenn es nötig ist, aufgenommen werden. "Bei einem Masseanfall könnte aber jeder unserer Standorte Coronavirus-Patienten aufnehmen", so der Ärztliche Leiter der Kliniken, Stefan Paech. Sorge bereitet den Kliniken momentan eine Keimeinbringung von außen, zum Beispiel durch Besucher. Deshalb soll es an den Kliniken bald nur noch einen zentralen Eingang und Kontrollen geben, ob Besucher Infektanzeichen zeigen. "Wir bitten Angehörige, sich ihren Besuch wirklich zu überlegen und den Kontakt vielleicht über Telefon oder soziale Medien zu suchen", so Paech.


"99,5 Prozent von dem, was Kliniken machen, hat mit Corona nichts zu tun"

Der Ärztliche Leiter der Kliniken stellt aber auch klar: "99,5 Prozent von dem, was wir in den Kliniken momentan machen, hat mit Corona nichts zu tun." Zum Vergleich: Die Kliniken Südostbayern mussten diesen Winter rund 150 "gewöhnliche" Influenza-Patienten behandeln, Todesfälle gab es in diesem Zusammenhang nicht. "Der große Unterschied zu Influenza-Fällen: Es steht momentan noch keine Impfungsmöglichkeit gegen Coronaviren zur Verfügung", so Stefan Paech. 

Die Symptome bei einer Coronavirus-Infektion können bei leichten fällen Schnupfen und geringes Fieber sein, bei schwereren Fällen kommt laut Trostbergs Chefarzt Glück auch Atemnot hinzu. "Wenn jemand bei sich einen Verdacht feststellt: Bitte nicht Hausärzte und Notfallambulanzen stürmen, sondern telefonischen Kontakt suchen", appelliert Landrat Walch. Die besten Möglichkeiten sind hier die Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung (Telefonnummer 116117), das Bürgertelefon des Landkreises mit vier Mitarbeitern (0861/58411) oder ein Anruf beim Hausarzt.

Konsequenzen für Schulen, Altenheime und Veranstaltungen

Welche Maßnahmen verhängen Landkreis und Behörden darüber hinaus? Schulen und Kindergärten bleiben nach einer Verfügung der bayerischen Staatsregierung geschlossen. "Alle Veranstalter bitten wir dringend, zu verschieben, was verschiebbar ist, zumindest wenn mehr als 500 Besucher zu erwarten sind", so Walch. Auch in den Kreisaltenheimen wurde nun ein Besuchsverbot erlassen. Ausnahmen gibt es nur, wenn Menschen dort beispielsweise im Sterben liegen. "Wir müssen die Besucherströme reduzieren. Es darf nicht 'Tag der offenen Tür' herrschen, aber das wird auch jeder verstehen", so der Landrat. 

"Wenn man selber krank ist oder hustet sollte man den Kontakt zu anderen Personen vermeiden", rät der Leiter des Gesundheitsamtes, Wolfgang Krämer. Außerdem: Taschentücher dabei haben, in den Ellenbogen nießen, aufs Händeschütteln verzichten. "Zuhause ist das Händewaschen völlig ausreichend. Privat ist es weder sinnvoll, noch notwendig, sich mit Schutzmasken und Desinfektionsmitteln einzudecken. Sonst fehlt es dort, wo es wirklich gebraucht wird", appelliert Krämer an die Bevölkerung. 

Auch die Experten gehen davon aus, dass es in nächster Zeit im Landkreis noch zu deutlich mehr Coronavirus-Infektionen kommen wird. "Im Allgemeinen verlaufen die Infektionen nicht schlimm. Eine Infektion mit dem Coronavirus ist kein Todesurteil", so Thomas Glück. Auch pauschale Tests seien nicht notwendig, "das würde auch unsere Ressourcen sprengen". Gefährdet seien Personen mit Lungenvorerkrankungen, Tumorpatienten oder alte Menschen. Kinder und erwachsene Personen im arbeitsfähigen Alter seien dagegen weniger anfällig

Die Pressekonferenz im Live-Ticker zum Nachlesen.

Update 11.40 Uhr:

Dr. Stefan Paech (Ärztlicher Leiter Kliniken Südostbayern)

"99,5 Prozent von dem, was wir in den Kliniken momentan machen, hat mit Corona nichts zu tun. Jedes Krankenhaus in unserem Klinikverbund kann Corona-Patienten versorgen. Momentan würden wir die Patienten in Trostberg bündeln. Wir müssen uns aber auf einen Massenanfall vorbereiten, jeder Standort der Kliniken Südostbayern könnte Coronavirus-Patienten aufnehmen. Zur Besucherkontrolle werden Container oder Zelte am Krankenhauseingang geplant, je nach dem wie der weitere Verlauf ist."

Update 11.20 Uhr:

Dr. Wolfgang Krämer (Gesundheitsamt)

"Zu den vier Coronavirus-Patienten im Landkreis Traunstein konnten wir insgesamt 50 Personen der Kontaktstufe 1 ermitteln. Das heißt: Sie hatten mindestens 15 Minuten Kontakt mit den Infizierten. Diese 50 Personen haben wir umgehend telefonisch informiert und sind jetzt in häuslicher Isolation. Abgesehen von den Infizierten wurden am Gesundheitsamt Traunstein zuletzt 70 Tests auf Coronaviren durchgeführt, die alle negativ waren."

Update 11.10 Uhr:

Prof. Dr. med. Thomas Glück (Chefarzt am Klinikum Trostberg)

"Wahrscheinlich wird es in nächster Zeit noch deutlich mehr Coronavirus-Fälle geben, aber im Allgemeinen verläuft eine Erkrankung nicht schlimm. Das sind grippale Infekte, die in der Regeln normal ablaufen, eine Coronavirus-Infektion ist kein Todesurteil. Es braucht auch nicht pauschal jeder einen Test machen, das würde unsere Ressourcen sprengen. Wir werden die Kapazitäten im Klinikum Trostberg runterfahren, je nach dem wie viele Kapazitäten für Coronavirus-Patienten dort gebraucht werden. Da werden wir kurzfristig reagieren. Bisher gibt es noch keinen Anlass dafür, Operationen oder ähnliches zu verschieben."

Update 10.55 Uhr:

Dr. Stefan Paech (Ärztlicher Leiter Kliniken Südostbayern)

"Wir haben Sorge vor Keimeinbringung von außen in den Klilniken, durch Besucher zum Beispiel. In den Kliniken wird es bald nur noch einen zentralen Eingang für alle Besucher geben und teils Kontrollen, ob Besucher Infektanzeichen zeigen. Wir bitten Angehörige, sich ihren Besuch wirklich zu überlegen und den Kontakt vielleicht über Telefon oder soziale Medien zu suchen. Bei diesem Thema werden wir konsequent sein. Der große Unterschied zu Influenza-Fällen: Es steht momentan noch keine Impfungsmöglichkeit zur Verfügung."

Update 10.40 Uhr:

Landrat Siegfried Walch

"Schulen und Kindergärten bleiben erstmal geschlossen, wie von der Staatsregierung beschlossen. Gestern hatten wir eine Bürgermeisterdienstbesprechung: Wir bitten, alle Veranstaltungen zu verschieben, die verschiebbar sind. Bei mehr als 500 Besuchern empfehlen wir dringend eine Verschiebung. 

Für die ambulante Verpflegung der Patienten sind wir gut gerüstet. Wir müssen in den Kliniken aber Besucherströme reduzieren und lenken, es darf nicht 'Tag der offenen Tür' herrschen, aber das wird jeder verstehen. Auch Altenheimbetreibern wird Besuchsbegrenzung empfohlen, in den Kreisaltenheimen gibt es momentan Besuchsverbot. Ausnahmen gibt es nur, wenn beispielsweise jemand im Sterben liegt."

Update 10.35 Uhr:

Dr. Wolfgang Krämer (Gesundheitsamt)

"Wir haben bisher vier bestätigte Corona-Fälle im Landkreis Traunstein, im Alter zwischen 30 und 60 Jahren. Einer ist schwerwiegender an Symptomen erkrankt und ist deshalb in stationärer Behandlung im Klinikum Trostberg. Erst werden Maßnahmen mit den Betroffenen eingeleitet und mit allen Beteiligten abgestimmt, dann erst wird die Öffentlichkeit informiert. 

Auch die Infektketten müssen geklärt werden: Wer hatte zwei Tage vor Symptombeginn Kontakt mit den Personen? Mit der Infektkettenunterbrechung wollen wir die Ausbreitung verlangsamen. Personen mit mehr als 15 Minuten Kontakt zu Infizierten werden in häusliche Isolation gesetzt. Zuletzt gab es 70 Tests von Kontaktpersonen am Gesundheitsamt Traunstein, alle waren negativ."

Update 10.30 Uhr:

Landrat Siegfried Walch

"Wir nehmen die Lage sehr ernst, aber ein panikhaftes Verhalten in der Bevölkerung verschärft die Lage nur. Hamsterkäufe stehen der kollektiven Lösung des Problems entgegen. Unser Gesundheitssystem und unsere Behörden sind gut aufgestellt. Wir brauchen eine professionelle Gelassenheit."

Update 10 Uhr:

Die Pressekonferenz wird um 15 Minuten nach hinten verschoben und beginnt erst um 10.15 Uhr

Unser Vorbericht:

Bildungseinrichtungen werden geschlossen, Veranstaltungen abgesagt, sechs Menschen sind an den Folgen des Coronavirus in Deutschland gestorben, die Zahl der Infizierten steigt rasant. Im Landkreis Traunstein sind momentan vier Personen mit dem neuen Virus infiziert. Drei von ihnen befinden sich in häuslicher Isolation, einer wird im Krankenhaus Trostberg behandelt. 

Um 10 Uhr ruft der Landkreis am Freitag deshalb zu einem Pressegespräch: Dr. Wolfgang Krämer (Leiter des Gesundheitsamtes), Prof. Dr. med. Thomas Glück (Chefarzt am Klinikum Trostberg) und Dr. Stefan Paech (Medizinischer Direktor bei den Kliniken Südostbayern) werden über die aktuelle Lage informieren. 

xe

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