"Goldkessel zieht braunen Sumpf an"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Zur besseren Darstellung hatte das Landratsamt extra eine Attrappe des echten Kessels angefertigt.
  • schließen

Traunstein - Soll der Landkreis für den Chiemsee-Kessel mitbieten oder nicht. Dieser Frage ging am Mittwoch der Kreisausschuss nach. Ein Mitglied fand dabei klare Worte.

Viel wurde in den letzten Tagen und Wochen wieder über den ominösen Goldkessel, der im September 2001 von zwei Schatzsuchern im Chiemsee gefunden wurde, spekuliert. Scherzhaft wurde er schon als "Hitlers Nachttopf" deklariert. Mittlerweile ist aber klar, dass der Kessel nicht historischen Ursprungs ist und auch nicht aus dem NS-Vermögen stammt. Laut eines Gutachtens wird vielmehr von einer Entstehung Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ausgegangen.

Die "Leidensgeschichte" des Kessels

Doch trotzdem hat der Chiemsee-Kessel - der aus ca. zehn Kilogramm 18-karätigem Gold besteht - seit seinem Fund 2001 schon einiges hinter sich. Da es sich um einen Schatzfund handelte, waren der Freistaat Bayern und die beiden Finder je zur Hälfte Eigentümer des Kessels. Die Bayerischen Staatlichen Museen und Sammlungen zeigten aber kein Interesse an dem Erwerb des Miteigentumsanteils der Finder. Und so wurde der Kessel 2003 an eine Privatperson verkauft.

Der Kessel besteht aus ca. 10 kg 18 karätigem Gold und ist rund 30 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von ca. 50 cm.

Im Jahr 2006 tauchte der Gold-Kessel wieder auf der Bildfläche auf, weil ein Schweizer Geschäftsmann versucht hatte, diesen betrügerisch an mehrere Investoren zu veräußern. Der Mann wurde zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Seitdem liegt der Kessel in Verwahrung beim Konkursamt in St. Gallen in der Schweiz, bis er dieses Jahr dann unter den Hammer kommen soll.

Kreisausschuss tagt über Chiemsee-Kessel

Kreisausschuss ist gegen Erwerb

Und da kommt nun wieder der Landkreis ins Spiel. Soll er oder soll er nicht, bei der Versteigerung mitbieten? Alleine der Goldwert des Kessels liegt derzeit bei über 400.000 Euro. Kein Pappenstiel für den Landkreis. Landrat Hermann Steinmaßl meinte daher zu Anfang der Diskussion, dass man kein Geld habe und für den Erwerb neue Schulden aufnehmen müsse. "Wenn es nach mir geht, wird sich der Landkreis nicht an dem Kauf beteiligen." Sepp Hohlweger, Fraktionsvorsitzender im Kreistag und Gemeinderat in Ruhpolding, fand noch deutlichere Worte: "Wenn man so ein Objekt ausstellt, zieht man damit auch den 'braunen Sumpf' an. Deswegen spreche ich mich auch gegen den Erwerb aus." Traunreuts Bürgermeister Franz Parzinger schloss sich seinen Vorrednern an. Zwar sei der Kessel im Chiemsee gefunden worden. Aber ansonsten habe er keinen direkten Bezug zur Region. Bei der anschließenden Abstimmung beschlossen die 18 Mitglieder des Kreisausschusses einstimmig, dass sich der Landkreis nicht an dem Erwerb des Goldkessels beteiligen werde.

Patrick Steinke/red

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser